Die neue Welt der Negativzinsen

Ich interessiere mich für die Auswirkungen der Negativzinsen: Führt dies zu einer Enteignung der Sparer?

Bei diesem Thema denken die meisten zuerst ans Sparkonto. Zwar liegt der Zins auf dem Konto nur wenig über null. Aber wenigstens halten sich die unmittelbaren Folgen dank der tiefen Teuerung noch einigermassen in Grenzen. Viel gravierender dagegen wirkt sich die Geldpolitik bei den Obligationen aus. Nur wird dies in der breiten Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, weshalb ich hier näher darauf eingehen möchte. Beginnen wir mit einem konkreten Beispiel:

Würden Sie der Eidgenossenschaft Geld bis ins Jahr 2026 ausleihen, wenn Sie als Entschädigung eine jährliche Rendite von 0,4 Prozent erhalten?

Wahrscheinlich halten Sie das für einen schlechten Deal. Doch ohne es wirklich mitzubekommen, sind wir alle laufend an solchen Investitionen beteiligt – nämlich über die berufliche Vorsorge, also unsere Pensionskassen. Im genannten Beispiel wurde die Eidgenossenschaft trotz tiefem Zins überrannt von Investoren. 120 Millionen Franken wollte der Bund aufnehmen. Stattdessen gingen Gebote in der Höhe von 180 Millionen ein.

Wenn der Schuldner Geld verdient
Wenn der Schuldner Geld verdient
Bis zu einer Laufzeit von fünf Jahren liegt die Rendite für Schweizer Staatsobligationen im negativen Bereich. Lesebeispiel: Bei einer Obligation, die in drei Jahren ausläuft, beträgt die Jahresrendite minus 0,25 Prozent. (Quelle: Swiss Exchange)

Wie gravierend der Anlagenotstand bei den Bundesobligationen ist, verdeutlicht die nebenstehende Grafik: Bis zu einer Laufzeit von sechs Jahren ist die Rendite negativ. Das heisst, um dem Bund Geld ausleihen zu können, müssen Sie dafür noch draufzahlen. Und für eine 30-jährige Anleihe, die erst 2045(!) ausläuft, beträgt der Zins lediglich 0,8 Prozent. Ob diese Rendite die künftige Inflation zu kompensieren vermag, steht in den Sternen.

Den Pensionskassen entgehen Einnahmen in Milliardenhöhe

Über die berufliche Vorsorge besitzen Herr und Frau Schweizer ein Obligationenpaket im Umfang von über 250 Milliarden Franken. Es geht also um viel Geld. Aktuell liegt die reale (inflationsbereinigte) Verzinsung etwa 2 Prozent tiefer als in den letzten Jahrzehnten. Das heisst, pro Jahr müssen wir auf dem Pensionskassenvermögen eine Zinseinbusse von rund 5 Milliarden Franken hinnehmen.

Nun könnte man argumentieren, die Pensionskassen sollten sich nach anderen, besser verzinsten Obligationen umschauen. Zwar rentiert eine zehnjährige italienische Staatsanleihe mit 2 Prozent. Doch würden Sie sich damit wirklich wohl fühlen, angesichts der immensen Staatsschuld des Landes? Und wer weiss schon, ob Italien im Jahr 2025 noch immer zur Eurozone gehören wird? Das Beispiel zeigt: Die rekordtiefen Zinsen gelten weltweit und flächendeckend. Ein Entrinnen ist unmöglich. Was immerhin als Trost bleibt: Schweizer Staatsobligationen bieten nach wie vor eine erstklassige Sicherheit.

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3 Kommentare zu Die neue Welt der Negativzinsen

  1. Kurt Spörri
    29. November 2016 um 23:41

    Ihr Kommentar wartet auf Freischaltung.

    Kurt Spörri Romanshorn geb: 11.1.1933
    Negativzinsen. Das ist von der Nationalbank sehr ungerecht, die Pensionskasse der Bundesnagestellten werden damit nicht belastet. Im krassen Gegensatz dazu, die Pensionskassen der Kantone sind mit Negativzinsen belastet. Was macht denn unsere Regierung in Bern um so eine Ungerechtigkeit zu beheben??? Wartet sie darauf, bis sich das Schweizervok dagegen wehrt, wie damals zu Gessler’s Zeiten?
    Die Nationalbank soll mehr Geld i n d e r S c h w e i z in Umlauf bringen, also dem Schweizervolk zukommen zu lassen in Form von Mittel für die Forschung (Zukünftige Energie, Medizin, Landwirtschaft, Flüchtlingshilfe, Entwicklungshilfe in Afrika etc.) und Bildung, Uni’s etc. investieren, dann würde der Wert des Schweizerfranken schnell sinken. So wären wir nicht darauf angewiesen unsere Forschungsprojekte vom Ausland unterstützen zu lassen. Unsere Forschung bliebe so unabhängig von ausländischen Zwängen und Vorschriften!
    Statt dessen bereichert sich unsere Nationalbank an den kantonalen Pensionskassen mit den Negativzinsen! Das ist Diebstahl am Volksvermögen und höchst ungerecht, wenn man Bundespensionkassen nicht gleichstellt mit den kantonalen Pensionskassen. Es ist doch das Volksvermögen, da muss sich doch unsere Regierung in Bern dafür einsetzen und solchem Treiben ein Ende setzen. Bevor sich die Masse dagegen stemmt. Jetzt wo die Schweiz so perfekte Tunnels bauen kann, könnte man doch einen Mittelmeer Anschluss unterirdisch realisieren. Vor vielen Jahren war mal die Rede von einem Meeranschluss in Monaco in den Medien.
    Antworten

  2. Mit bitterem Lächeln schaut der kleine, „brave Sparer“ auf das Spiel der „cleveren Grossen“ und ist dennoch froh, dass „es“ immer noch funktioniert. Und er fragt sich: Wie „geht das“ mit all den übergrossen Staatsschulden?

  3. Ich glaube es würde Lösungen geben. Die SNB sollte unbedingt den Goldbestand weiter ehöhen, die Auszahlungen an die Kantone für die nächsten 5 Jahre um 60% reduzieren. Die Entkopplung des sFr. mit dem kranken Euro vorantreiben. Mit andern Worten auch der Staat muss die Ansprüche senken.

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