Kaktusportemonnaie Negativzinsen

„Lohnt sich das Sparkonto noch?“

Die Schweizerische Nationalbank führt per 22. Januar 2015 Negativzinsen ein. Weshalb greift die Notenbank zu einer solch drastischen Massnahme? Und was bedeutet dieser Schritt für die Kunden der Migros Bank? Unsere Antworten auf die wichtigsten Fragen erfahren Sie hier.

Mit der Einführung von Negativzinsen hat die Nationalbank die ohnehin schon extrem expansive Geldpolitik nochmals gelockert. Ist ein solch drastisches Vorgehen wirklich nötig?

Der Schweizer Franken gilt weltweit als sicherer Hafen. Immer wenn globale Krisen auftreten, suchen die grossen institutionellen Investoren Schutz in unserer Währung. Die Krise in Russland und der Niedergang des Rubels haben erneut zu diesem Effekt geführt. Ausserdem bestehen in der Eurozone deflationäre Tendenzen, weshalb die Europäische Zentralbank ihre Geldschleusen immer weiter öffnet. Der Aufwertungsdruck auf den Schweizer Franken ist deshalb zu gross geworden. Die Negativzinsen sind somit vor allem ein Signal an ausländische Investoren, dass der Mindestkurs von 1.20 Franken pro Euro mit allen Mitteln verteidigt wird.

Die Negativzinsen haben aber auch Auswirkungen auf die Sparer im Inland. Kommt es nun zu Zinsänderungen auf dem Sparkonto?

Bemerkenswert ist zunächst, dass sich das Konto bei den Kunden trotz der bisher schon tiefen Verzinsung einer grossen Beliebtheit erfreut. Sei Anfang 2014 haben die Kundengelder bei der Migros Bank um rund 6 Prozent zugenommen. Dies zeigt: Die Leute schätzen die hohe Sicherheit und die grosse Flexibilität des Kontos. Zudem haben wir derzeit keine Inflation, so dass keine Geldentwertung stattfindet. Die Massnahme der Schweizerischen Nationalbank (SNB) betrifft primär die Banken, welche ihre eigenen flüssigen Mittel auf Girokonten der SNB parkieren. Allerdings ist davon auszugehen, dass nun auch die Sparzinsen tendenziell weiter sinken werden, wobei sich der genaue Umfang im Moment noch nicht abschätzen lässt. Fest steht: Bis auf weiteres sind für den Kunden keine Negativzinsen zu erwarten.

Trotzdem: Welche Alternativen zum Konto gibt es für den Sparer?

Den Anlagenotstand aufgrund der tiefen Zinsen haben wir hier auf dem Blog regelmässig thematisiert. Der Beitrag Früher war alles besser zum Beispiel gibt konkrete Tipps, wie Sie Aktiendividenden als regelmässige Einnahmequelle nutzen sowie breit diversifiziert und mit dosiertem Risiko investieren können. Ausserdem empfiehlt sich eine gestaffelte Investition, wozu sich Sparpläne hervorragend eignen (vgl. Mein Geheimtipp).

Wie sieht es umgekehrt für Hausbesitzer aus: Werden die Hypothekarzinsen nun noch weiter sinken?

Aktuell zahlt ein Hausbesitzer für eine fünfjährige Festhypothek einen tieferen Zinssatz, als auf der andern Seite der Sparer auf dem Vorsorgekonto erhält. Diese Gegenüberstellung zeigt, dass die Hypothekarzinsen schon heute unglaublich günstig sind und kaum noch weiter sinken können. Zudem ist mit dem neusten Schritt der SNB der Zeitpunkt eines künftigen Zinsanstiegs weiter in die Ferne gerückt. Profitieren können auch die Mieter: Wir erwarten, dass der Referenzzinssatz im nächsten Jahr nochmals sinken wird, von gegenwärtig 2 auf 1,75 Prozent.

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8 Kommentare zu „Lohnt sich das Sparkonto noch?“

  1. Lieber Herr Steck

    vielen Dank für Ihren interessanten Artikel „neue Welt der Negativzinsen.
    In einem Punkt bin ich jedoch nicht einig mit Ihnen:
    Sie schreiben „ein Entrinnen ist unmöglich“.
    Ich bin der Meinung: Es ist höchste Zeit, die Fehlkonstruktion „Pensionskassen“ umzubauen !
    Die heutige (unsinnige Form) von Sparversicherung ist raschmöglichst zu transformieren in eine Versicherung auf der Basis des Umlageverfahrens (analog AHV).
    Dabei würde der heutige Anlagenotstand der Kassen verschwinden (oh Wunder !) und die damit verbundenen Verwaltungskosten würden um 75% sinken.
    Doch dieser Vorschlag gefällt der Finanzindustrie natürlich nicht.
    Es gibt ja für sie nirgends so risikolos auf Kosten der Versicherten hunderte von Millionen zu verdienen.

    Bin übrigens Migrosbank-Kunde ^
    und grüsse sie freundlich
    R.Huber

  2. Es hat einige Kommentare die sich richtig aufregen dass sie auf dem Sparbüechli nichts mehr erhalten. Bedenkt, dass wir praktisch keine Teuerung haben, die Preise eher tendenziell am fallen sind und es deshalb auch keinen Zins zum Realausgleich braucht. Man nennt das Deflation.

    In einer Deflation muss man umdenken. Schulden sind Tabu da sie immer mehr ansteigen obschon die Finanzierung wie Herr Steck erwähnt, rekordtief ist.

    Der eigene Vater weiss, dass seine Wohnung vor 30 Jahren CHF 400`000.- kostete, heute vielleicht 800`000.- Wert hat. Die Inflation von rund 2% bis 3% im Durchschnitt in der Schweiz frass ihm die Schulden weg und der Arbeitgeber gab ihm in der Regel einen Real- Lohnausgleich.

    Heute funktioniert das nicht mehr. Die alten Zeiten sind vorbei.

    1. Guten Tag Herr Eigenmann

      Aktuell sind die Zinsen günstiger als beim letzten Rekordtief im Dezember 2012. Grundsätzlich ist das somit ein ausgezeichneter Zeitpunkt, um eine Festhypothek abzuschliessen. Gleichzeitig erscheint ein baldiger Zinsanstieg aufgrund der deflationären Tendenzen in der Eurozone als unwahrscheinlich. Somit besteht auch keine Eile, die Zinsen schon jetzt anzubinden. Zu beachten ist allerdings: In der momentanen Zinskurve ist eine weitere Lockerung der Geldpolitik durch die Europäische Zentralbank, welche für Anfang 2015 erwartet wird, zu einem rechten Teil bereits eingepreist. Somit dürften die Zinssätze in den nächsten Wochen nur noch marginal gegen unten tendieren.
      Freundliche Grüsse, Albert Steck

  3. Es ist ja gerade zum heulen! Vor ganz wenigen Wochen hörte ich von den SNB Strategen, vor der GOLD-Initiative die Bemerkung dass Gold sich nicht als Anlage eignet, weil es keinen Zins abwirft. Heute stieg der Goldpreis um 2 %. Das GOLD in der SNB reduzierte sich von 2800 Tonnen auf noch ca. 700 Tonnen. Es sind mehrere Milliarden Euro bei der SNB gestapelt (alles nur Papier)! Man sagt auch dass die EU Südländer sich nicht erholen, weil sie ihre Währung verloren haben und die Kurse nicht eigen steuern können. Und die CH stützt den serbelnden Euro mit guten Franken. Einerseits stützen wir den kranken Euro, statt wir unser Goldlager wieder aufstocken. Der absolute Höhepunkt eine NEGATIV Verzinsung auf Kapital , welches schlussendlich wieder dem Schweizerbürger aufgebrummt wird. Mit andern Worten eine Enteignung der Sparer.

  4. Ja, sparen lohnt sich. Das merkt man spätestens dann, wenn man ein neues Auto braucht und dies zu finanzieren ist.
    Es wurde ja auf dieser Seite schon damit geworben, wie preiswert ein Kleinkredit mit einem Zinssatz von unter 6 % ist.

  5. Es wird immer deutlicher, dass die Sparer und Rentner durch die EUdSSR und ihre himmeltraurige, katastrophale Finanz- und Schuldenpolitik und dank deren mehrheitlichen Bankrotteuren- und Schulden-Länder bös leiden müssen! Ihr zurückgelegtes „Altersgeld“ verliert dauernd an Wert. Was hat es da noch für einen Sinn den Banken überhaupt Geld anzuvertrauen? Und nun stürzen sich die grossartigen Polit-Eliten noch dumm und dämlich in das Ukraine- Abenteuer anstatt die darbende europäische Wirtschaftsentwicklung mit einem guten Verhältnis zu Russland zu verbessern! Polit-Eliten oder eher grosse Dummköpfe muss man sich wahrlich fragen. Peter H. Kuhn, Regensdorf

    1. Wie lange predigen die hochbezahlten Experten an den Hochschulen z.B HSG noch, dass jedes Jahr das Bruttosozialbrodukt sich min. um 2-3% erhöhen muss.
      Diese zeit ist vorbei. Die nächsten Gererationen werden das bitter bezahlen, auch wenn man immer noch auf die Karte mehr ist GEILER setzt.

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