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Die drei Musketiere der Schweizer Börse

Der Erfolg der Schweizer Börse steht und fällt mit den Blue Chips Nestlé, Novartis und Roche. Fast 60 Prozent der Dividenden stammen allein von diesen drei Aktien. Eine solche Dominanz ist weltweit einzigartig. Und bedeutet für den Anleger ein besonderes Risiko.

Rekordhohe 38 Milliarden Franken schütten die Unternehmen aus dem Swiss Market Index dieses Jahr an die Aktionäre aus. Davon stammen 21 Milliarden, also fast 60 Prozent, von lediglich drei Firmen: Nestlé, Novartis und Roche. Das ist ein enormes Klumpenrisiko. Zum Vergleich: An der amerikanischen Börse erreichen die 20 besten Dividendenzahler einen Anteil von lediglich 40 Prozent am gesamten Ausschüttungsvolumen.

Für den Schweizer Anleger lautet deshalb eine ganz wesentliche Frage:

Können Nestlé, Novartis und Roche ihre Ausschüttungen weiter steigern oder besteht im Gegenteil die Gefahr einer Dividendenkürzung?

Die Frage hat im aktuellen Umfeld noch mehr Gewicht: Denn der Swiss Market Index verharrt nun schon seit etlichen Jahren bei etwa 8000 Punkten. Den Grossteil der Aktienperformance verdanken wir deshalb den Dividenden (vgl. auch «Der Börsenkurs spielt (fast) keine Rolle»).

Bis jetzt ist der Erfolgsausweis der drei helvetischen Musketiere nahezu makellos: Roche hat seit dem Jahr 1922 noch nie eine Ausschüttung ausgelassen, Nestlé seit 1923. Seit mindestens 1996, dem Gründungsjahr von Novartis, haben alle drei Aktien Jahr für Jahr ihre Dividenden erhöht. In der Grafik sehen Sie die Entwicklung innerhalb der letzten zehn Jahre: Novartis hat die Ausschüttung auf 6,6 Milliarden Franken verdoppelt. Und bleibt mit dieser Steigerung sogar noch hinter den anderen beiden zurück. Wie die Grafik ebenfalls zeigt, sind die Dividenden überdies deutlich stärker gestiegen als die Aktienkurse.

Zunahme von Dividenden und Börsenkursen seit 2006

Somit bieten die drei Aktien derzeit eine attraktive Dividendenrendite zwischen 3,2 und 3,7 Prozent (siehe Tabelle). Doch wie gross ist nun das Risiko einer Dividendenkürzung, welche die gesamte Schweizer Börse massiv treffen würde? Wie unsere Analyse zeigt, sprechen die Fakten klar gegen ein solches Negativszenario. Aus mehreren Gründen:

  • Die Dividenden sind gut durch die laufenden Profite abgestützt. Wie in der Tabelle dargestellt, liegt die Ausschüttungsquote (welche die Dividende in Relation zum Gewinn setzt) bei allen drei Aktien im Bereich zwischen knapp 50 und 60 Prozent. Das ist ein ausgewogener Wert, während eine Quote von über 70 Prozent darauf hindeuten würde, dass die Ausschüttungen auf Kosten der Unternehmenssubstanz oder künftiger Investitionen gehen.
  • Die drei Konzerne verfügen über äusserst solide Bilanzen. Die Eigenkapitalquoten erreichen bis zu 60 Prozent. Bei Nestlé liegt das Eigenkapital bei 64 Milliarden Franken, Novartis kommt sogar auf 77 Milliarden. Einzig Roche hat einen etwas tieferen Wert von 23 Milliarden Franken.
  • Die anhaltende Gewinndynamik lässt für die drei Aktien ein Dividendenwachstum von etwa 6 bis 8 Prozent in den nächsten drei Jahren erwarten. Unter dieser Prämisse erscheinen auch die aktuellen Bewertungskennzahlen angemessen, obgleich die Kurs-Gewinn-Verhältnisse zwischen 15 und 22 im historischen Vergleich eher hoch sind.
 NestléNovartisRoche
Dividende in Mio. CHF720066006900
Dividendenrendite3.2 %3.7 %3.3 %
5-Jahres Durchschnitt3.3 %3.4 %3.3 %
Dividendenwachstum 3 Jahre p.a.5.7 %7.7 %6.4 %
Ausschüttungsquote60 %47 %49 %
Eigenkapitalquote52 %59 %31 %
Kurs-Gewinn-Verhältnis221518
Kurs-Buchwert-Verhältnis3.52.28.1
Kurs-Umsatz-Verhältnis2.63.94.4

Fazit: Unsere drei Börsen-Musketiere bleiben auch künftig eine verlässliche Stütze. Dennoch lohnt sich ein Blick auf die weiteren grossen Dividendenzahler: Auf Rang vier folgt die Bank UBS mit einer Ausschüttung von 3,2 Milliarden Franken (Rendite 5,2%) und einer steigenden Tendenz. Beim Versicherungskonzern Zurich dagegen ist zu erwarten, dass die aktuelle Dividende von 2,5 Milliarden Franken im nächsten Jahr kleiner ausfallen wird. Die Plätze sechs und sieben belegen ABB (Rendite 4,0%) und Swiss Re (Rendite 5,1%), deren Aktionäre je rund 1,6 Milliarden Franken einstreichen können.

Dass diese Aktien aus der zweiten Reihe in absoluten Zahlen so weit zurückliegen, ist keineswegs als Schwäche zu deuten, sondern zeigt nur die gigantische Finanzkraft von Nestlé, Novartis und Roche. Alle drei gehören zu den weltweit 20 grössten Dividendenzahlern. Aus Kontinentaleuropa schafft es sonst nur ein einziges anderes Unternehmen in diese Liga, nämlich Royal Dutch Shell.

Gerade in ihrem Heimatland Schweiz wird die wirtschaftliche Bedeutung von Nestlé, Novartis und Roche tendenziell unterschätzt.

Dabei erreichen sie zusammen einen Jahresumsatz von nicht weniger als 200 Milliarden Franken. Das entspricht dem Bruttoinlandprodukt von Rumänien mit seinen 20 Millionen Einwohnern. Der gemeinsame Börsenwert beträgt sogar 600 Milliarden Franken. Umgerechnet auf die schweizerische Bevölkerung ergibt das einen stolzen Wert von 75’000 Franken pro Kopf. Nicht nur als Aktionär sollte man deshalb das Gedeihen dieses Trios genau verfolgen.

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8 Kommentare zu Die drei Musketiere der Schweizer Börse

  1. Guten Abend Herr Steck
    Zum Thema von Peter Schütz und ihrer Antwort darauf.
    Ich gehe davon aus, dass Sie sowohl beim Anlagefond wie auch beim ETF von Schweizerfirmen ausgehen. Wäre es auch sinnvoll auf ausländische, sprich europäische Fonds zu setzen.
    Mit freundlichen Grüssen und dazu ein schönes Wochenende.
    W. Baumgartner

    1. Guten Tag Herr Baumgartner
      Eine breite Diversifikation ist nicht nur beim Schweizer Aktienmarkt zu empfehlen. Bevor Sie in ein Segment investieren, sollten Sie die Zusammensetzung des Index prüfen, der dieses Segment abbildet. In der Schweiz betrifft das die hohe Konzentration von Nestlé, Novartis und Roche. Als weiteres Beispiel: Viele Anleger sind sich nicht bewusst, dass der Weltaktienindex MSCI World zu 59% aus US-Aktien besteht. Oder dann haben Sie in einem bestimmten Land womöglich eine hohe Konzentration eines einzelnen Sektors (zum Beispiel Erdöl), dessen Sie sich nicht bewusst sind. Freundliche Grüsse, Albert Steck

  2. Warum nicht die Swisscom, meine dass diese Firma in den letzten Jahren immer eine grosse Dividende ausbezahlt wurde?

    1. Guten Tag
      Tatsächlich hat die Swisscom-Aktie aktuell eine attraktive Dividendenrendite von 4,4 Prozent. Allerdings liegt die Dividende bereits seit fünf Jahren unverändert bei 22 Franken pro Aktie und auch das Potenzial für eine künftige Erhöhung der Ausschüttung ist begrenzt. Freundliche Grüsse, Albert Steck

  3. Sehr geehrter Herr Steck
    Ab welchem Betrag kann man Aktien kaufen z.Beisp. bei Roche oder Novartis. Einen Betrag von 40’000 Fr. könnte ich langfristig anlegen. Dies liegt schon lange auf einem Sparkonto und bringt ja kaum mehr Rendite. Was raten Sie mir?
    Besten Dank

    1. Guten Tag Frau Grünig
      In der Regel muss die Investition pro Position mindestens 1000 Franken betragen. Gerade bei kleineren Beträgen sollten Sie in Anlagefonds oder ETF investieren, weil Sie sonst Ihr Portfolio nicht genügend diversifizieren können. Wenn Sie bisher noch keine Wertschriften besitzen, empfiehlt sich unter Umständen eine gestaffelte Investition über einen Sparplan. Auf diese Weise können Sie Ihre Investition auch zeitlich breiter diversifizieren und somit das Risiko eines schlechten Timings vermindern. Weitere Informationen dazu finden Sie unter diesem Link: https://blog.migrosbank.ch/de/aktien-es-ist-nie-zu-spaet/
      Freundliche Grüsse, Albert Steck

  4. Sehr geehrter herr Steck,
    Ihre Argumentation ist einleuchtend und sehr hilfreich. Meine Frage ist die: Ich möchte ein Schweizer Atien-Portfolio von etwa CHF 500`000.- mit 5 Schweizer Aktien ausstatten. Welche beiden Schweizer Aktien würden Sie zusätzlich zu Novartis, Roche und Nestle empfehlen?
    Bester Dank für Ihre Antwort,

    Peter Schütz

    1. Sehr geehrter Herr Schütz
      Um eine ausreichende Diversifikation zu erreichen, benötigen Sie pro Marktsegment mindestens 15 Einzeltitel. Eine genauere Herleitung dazu finden Sie unter diesem Link auf unserem Blog: https://blog.migrosbank.ch/de/die-top-und-flop-aktien-im-smi/
      Aus diesem Grund würde ich eine Investition in die drei genannten Blue Chips durch einen Anlagefonds oder einen ETF ergänzen. Dabei könnten Sie einen besonderen Fokus auf das Small- und Mid-Cap-Segment legen, womit die Diversifikation zusätzlich verbessert würde. Freundliche Grüsse, Albert Steck

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