Papierschiff

100 Tage nach dem Währungsschock: Hat die SNB richtig entschieden?

Der Schock war zunächst riesig. Ebenso die Kritik an der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Doch die Schweiz verkraftet die Aufhebung des Mindestkurses besser als zunächst erwartet. Hat die SNB also doch das Richtige getan?

100 Tage sind seit dem Donnerschlag der SNB vergangen. Die anfängliche Konfusion hat sich gelegt. Und im Gegensatz zu den oftmals überhasteten Reaktionen vom Januar können wir den Schritt nun viel fundierter beurteilen: Immer deutlicher zeigt sich, dass die Nationalbank in einer ausgesprochen schwierigen Lage einen vernünftigen Entscheid getroffen hat.

100 Tage nach dem Währungsschock
100 Tage nach dem Währungsschock
Der Eurokurs hat sich von seinem Absturz nur schwach erholt. Dagegen haben der Dollar und die Schweizer Börse wieder stark an Wert zugelegt.

Weshalb? Bei der Einführung des Mindestkurses im Jahr 2011 war der Euro eine starke Währung. Heute dagegen ist der Euro eine sehr schwache Währung geworden. Innerhalb eines Jahres ist der Euro zum Dollar über 20 Prozent eingebrochen, der heftigste Verlust seit der Gründung der Währung. Den eigentlichen Währungsschock hat also nicht die SNB herbeigeführt, sondern die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrer aggressiven Abwertungspolitik. Das verdeutlicht auch die Grafik: Während sich der Euro nach dem Absturz kaum erholt hat, ist der Dollar gegenüber dem Franken wieder stark gestiegen und kostet sogar deutlich mehr als vor Jahresfrist.

Was wäre denn passiert, wenn die SNB nicht die Reissleine gezogen hätte?

In diesem Fall würde unsere Nationalbank parallel zur EZB jeden Monat für Milliarden europäische Staatsanleihen erwerben. Dabei ist schon das Kaufprogramm der EZB allein so riesig, dass mittlerweile über ein Viertel aller Eurostaatstitel eine negative Rendite aufweist. Vor allem aber: Je mehr europäische Anleihen die Schweizerische Nationalbank angehäuft hätte, desto grösser wäre der Anpassungsschock für unser Land bei einer späteren Abkoppelung vom Euro geworden.

Somit hätte sich die Schweiz enger an die europäische Geldpolitik angebunden als das EU-Mitglied Grossbritannien, welches mit dem Pfund weiterhin eine eigene Währung besitzt. Eine solche Entwicklung wollte die SNB zu Recht verhindern. Denn eines hat die Euro-Krise klar gezeigt: Ein gemeinsamer Währungsraum wird zu einem brutalen Korsett, sobald sich die Volkswirtschaften nicht mehr synchron entwickeln.

Ohne Zweifel setzt der starke Franken manche Branchen unter grossen Druck, namentlich den Tourismus.

Trotzdem: Es bleibt uns die beruhigende Tatsache, dass noch in keinem Land eine schwache Währung langfristigen Wohlstand herbeigeführt hat – eine starke Währung dagegen schon.

Klare Zustimmung zur Politik der SNB: Von den Lesern des Migros-Bank-Blogs sagen 89 Prozent, dass sie den Entscheid der Nationalbank als richtig erachten.

Ähnliche Beiträge

12 Kommentare zu 100 Tage nach dem Währungsschock: Hat die SNB richtig entschieden?

  1. Thomas Jordan? Part of the tribe of Al, Ben, Janet, Mario and those other legions of temple money changers that win the world banking money game every time. How’s about letting a real Swiss be the head of the SNB again. I’d vouch for my man Christoph Blocher in a NY minute! (Einer der weiss wo Bartli de Moscht holt.)

  2. Was meine Damen und Herren hat die Wirtschaft von 1970 bis zur Einführung 01.01.2002, des Euro als Bargeld gemacht? 1970 kostete eine DM, CHF 1.20. 1994 CHF 0.80, Ist die Wirtschaft dabei zusammengebrochen? Nein! Sie hat geblüht. Hypozinsen 5-7%, Geldmarktanlagen bis 11%. Es ist einfach zur Gewohnheit geworden in der Wirtschaft, Analog der Bauern, zu jammern. Die Spekulanten wurden durch den Entscheid ausgeschaltet. Richtig so. Was hat die US Hedge fund Gruppe ca. 2008 gesagt: Wir bringen den EURO auf das Niveau des $ und sichern uns im CHF ab. Das £ hat dieselbe Gruppe zum heutigen Währungspunkt gebracht. Der CHF ist zu klein und zu stark gedeckt mit Gold, eignet sich aber als Sicherheit. Also ist der Entscheid der SNB richtig gewesen. Dass dieser Entscheid missbraucht wird für Lohndumping ist die Kehrseite. Nur dort müssten die Damen und Herren eingreifen die vom Volk gewählt sind aber mit der Wirtschaft eng verknüpft. Ende der Fahnenstange.

    1. Hallo Guten Abend !

      sorry da muss ich etwas dagegen halten. Zum Teil ist es schon richtig was sie schreiben. Natürlich, nach Beendigung des Bretton Woods Systems durch die USA 1970 oder Anfang der 70er Jahre
      und die daraus resultierende Weltweite Aufhebung des Goldstandards, sind damals die Aktien und Rohstoff Märkte eingebrochen.
      Die FED. ist danach dazu übergegangen ihre Basisgeldmenge damals schon, enorm aus zu weitern, um Luft aus den Märkten zu nehmen dieses hat auch gut funktioniert,gemessen an der damaligen Wirtschaftlich Leistung der USA,schon damals wurde kräftig Interveniert( Manipuliert) Um als Weltherrschaft weiter bestehen zu können. sie erinnern sich sicherlich noch an die Öl Krise Anfang bis Mitte der 70er Jahre. schon damals waren die USA faktisch Pleite. Also ging man dazu über den PEDRO DOLLAR durch Henry Kissinger einzuführen, der natürlich ungedeckt war. Gold stand da im Weg……!
      Die Welt war nun gezwungen Öl nur noch in US Dollar zu kaufen, und die Staaten die keine Dollar Reserven besaßen, mussten sich am Mart welche besorgen, sich also zusätzlich verschulden, durch diesen Weltweiten Auf schuldungs Zyklus, konnte die restliche Welt und die USA weiter am leben gehalten werden. die Märkte wurden mit Geld geflutet, und man konnte diese Spiel einige Jahrzehnte so weiter treiben.Die ersten Jahre gab es fette Renditen, da gebe ich ihnen Recht.

      Jetzt sind wir aber in 2015….. und nun schauen sie sich doch mal an, wo wir jetzt Weltweit mit unseren Finanzen stehen ?
      Die Basisgeldmenge wurde Weltweit so weit ausgeweitet,um es mal so aus zu drücken, gemessen am World BIP. ein riesiges ungleich Gewicht entstanden ist. laut offiziellen Meldungen, also wenn man der Presse glauben schenken darf, liegt die derzeitig Welt Verschuldungs Rate aller Industrie Länder,bei ca 165 Billionen US Dollar, also diese zahlen sind kaum noch Darstellbar.und darüber hinaus das sogenannte Giralgeld, ist nicht mit einbezogen.
      Sie glauben doch wohl nicht im ernst, das sie genauso wie in den 70er oder 80er jahren, nochmals fette Rendite auf ihre Staats Anleihen, Sparguthaben etc bekommen werden. Unser Geld ist nicht mehr den Cent Wert, auf den es geschrieben steht.
      Wir haben heute ein auf schulden Basiertes Wachstum. und nur dadurch kann unser Papiergeld System am laufen gehalten werden. Da stellt sich die Frage explizit,wie lange noch.
      Von daher Fazit ! ZU Produzierende Güter und Waren, sollten sich zur Geldmenge immer ausgeglichen verhalten. sonst entsteht ein ungleich Gewicht, mit Fatalen Folgen !!! und das wiederum unterliegt ganz klar Ökonomischen Grundlagen.

  3. Ich sehe keinen Grund warum die SNB nicht weiterhin CHF hätte drucken können, solange es Abnehmer dafür gibt. Natürlich hätten die erworbenen Euro entweder angelegt werden müssen, oder umgehend gegen eine Drittwährung verkaufen um so ein ausgewogenes Fremdwährungsrisiko zu erreichen. Dies hätte dann somit zu einem Fremdwährungskorb geführt, ohne eine Euro Uebergewichtung.

  4. Natürlich hat die SNB in letzter Konsequenz das richtige getan.
    Aber meiner Meinung nach, hätte sie diesen Schritt schon viel früher vollziehen sollen, nachdem sich der Euro im 3 und 4 Quartal des Jahres 2012 wieder stabilisiert hatte. Warum das Zaghafte und zögerliche zuwarten der SNB ?
    Genau aus diesem Grund, hat es letztlich der Schweiz, und dem Steuer Zahler rund 300 Milliarden Schweizer Franken gekostet Diese Geld, um es mal salopp aus zu drücken, hat sich so zu sagen ins nichts aufgelöst,Geld, was wieder unnütz verbrannt worden ist, und wofür letztlich der Schweizer Steuer Zahler aufkommen muss. Gerechnet im BIP. ist es über das doppelte, der Schweizer Wirtschaftsleistung eines gesamten Jahres also über 200% des BIP.
    Natürlich !! Kurzfristig gesehen hat die Schweizer Wirtschaft, das relativ gut verkraftet. Mittel- Langfristig, sehe ich das aber eher Skeptisch.Dazu möchte ich zwei folgende Gründe benennen; Zum einen, wird der SNB gar nichts anderes übrig bleiben, weiter zu intervenieren und weiterhin neues und frisches Geld drucken,zum anderen, ist es der Negative Einlage Zins der früher oder später dazu führen wird, das potenzielle Investoren, (Spekulanten klammere ich aus) sich andere Anlage Klassen suchen werden die Attraktiv genug sind, um noch einiger Maßen Rendite ausschütten.Zum anderen sollte die SNB aufpassen das der Schweizer Franken, nicht weiter zu einer Weich Währung verkommt, Investoren das Weite suchen, und somit Kapital, in USA oder dem Asiatischen Finanz Raum abfließt, was bekanntlicher Weise für eine Volks Wirtschaft auf dauer schädlich ist
    Die Konsequenz daraus: Weiteres Abwerten der Heimischen Währung,Höhere Arbeitslosen Zahlen in den kommenden Jahren, und Natürlich nicht zu vergessen weitere Steuer Erhöhungen etc……..

  5. Es kann ja nicht von gutem sein, wenn die reichen Länder dank ihrer riesigen und immer noch wachsender Rekordüberschüsse der Handelsbilanz (z.B. Deutschland und Schweiz) immer reicher werden. Auf wessen Kosten? Der Entscheid der SNB war absolut richtig.

  6. Die Einsicht, dass der Schweizer Franken nicht weiterhin einseitig an den schwachen Euro gekoppelt werden konnte, war unausweichlich, kam aber mindestens ein halbes Jahr zu spät. Genauer besehen hätte der CHF schon bei der Einführung der Untergrenze an einen Währungskorb mit den Währungen der wichtigesten Handelspartner der Schweiz gebunden werden sollen. Die Art und Weise, wie die Untergrenze dann ruck- und panikartig aufgegeben wurde, wirkt auf mich auch heute noch dilettantisch; eine überzeugende Begründung, weshalb als Zwischenschritt keine Anbindung an einen Währungskorb gewählt wurde, vermisse ich von Seiten der SNB bis heute. Aus staatsbürgerlicher Sicht finde ich es zudem bedenklich, wenn derartige Entscheide, die uns alle massiv betreffen, von einem einsamen Triumvirat quasi ohne Begründungspflicht (accountability) getroffen werden können. So gesehen ist die Abstimmungsfrage viel zu undifferenziert gestellt: natürlich war die Aufhebung der Untergrenze richtig, die Frage war nur wann und wie. Aus dem zu erwartenden Mehrheits-Ja kann also nicht abgeleitet werden, dass die SNB richtig handelte, leider.

    1. Ihrem Kommentar kann ich nur beipflichten. Die Einführung des Negativzinses ist ein weiterer diletantischer weil wenig wirkungsvoller Schritt um der Währungsspekulation der Hegefonds Einhalt zu gebieten. Bei voraussichtlich kurzfristig zu realisierenden Währungsgewinnen von 10 – 20 % sind
      Minuszinsen unter 1 % ein untaugliches Mittel. Die SNB hätte bei Einführung des Mindestkurses statt geschichtlich bewiesener Nutzlosigkeit von reinen Deviseninterventionen eine zeitlich befristete Devisenbewirtschaftung mittels Spaltung des CHF in einen Finanzfranken und einen Handelsfranken veranlassen müssen. Banken hätten die Verpflichtung gehabt, den Zahlungsverkehr in EUR für Importe, Exporte und Erträge aus dem Tourismus anhand von Verzollungsdokumenten und zB Hotelrechnungen etc
      zu kontrollieren und zu einem von der SNB fixierten, jährlich um x Rp zu senkenden Mindestankauf- resp. Verkaufskurs abzuwickeln. Da die Schweiz aus dem EURO-Raum mehr importiert als exportiert, hätten die Banken den Minussaldo bei der SNB eindecken müssen.
      Statt Milliarden von EUR anzuhäufen wäre der schon existierende Bestand an EUR-Währungsreserven abgebaut worden. Der Finanzfranken wäre dem freien Spiel der Marktkräfte überlassen worden was sich zwar negativ auf die Wertpapierbestände in EUR ausgewirkt hätte. Demgegenüber wäre es aber möglich geworden,
      eine eigenständige CHF-Zinspolitik zu betreiben ohne dadurch den CHF wieder aufzuwerten.
      Die Verluste auf den EUR-Anlagen wären durch die Gewinne auf den zinsträchtigen CHF-Anlagen mehr als wettgemacht worden.
      Der Schritt in eine Devisenbewirtschaftung ist vielleicht ein Rückschritt vor Bretton Woods mit administrativem Aufwand jedoch mit voraussichtlich deutlich weniger Schaden als dies mit plumpen Deviseninterventionen geschehen ist. Mit der periodischen, im voraus bestimmten Senkung des Mindeskurses hätte die Wirtschaft ebenfalls Zeit zur Anpassung gewonnen und der Handelsfranken hätte sich kontinuierlich dem freien Wechselkurs des Finanzfrankens angenähert.

  7. Wenn der Ausstieg jetzt richtig war, dann war die Einführung der Untergrenze bei 1,20 doch falsch, oder?
    Auf jeden Fall war die Art des Ausstiegs handwerklich schlecht gemacht. Etwas mehr Psychologie ala Yellen/Dragi wäre besser gewesen als dieser plumpe Ausstieg.

    1. Yellen / Draghi sind Ziehkinder von Goldman-Sachs & Co – sie haben bestimmt nicht die Interessen der Bürger im Sinn.
      Und dass Yellen lügt, wenn sie krampfhaft behauptet, sie könne bei der Schuldenlast jemals die Zinsen wieder anheben, ist offensichtlich.
      Der nächste Schritt: ein Finanzcrash der 2008 wie ein Frühlingsspaziergang aussehen lassen wird – oder sie provozieren Russland einen Krieg vom Zaun zu brechen.
      Du hast die Wahl zwischen Pest und Cholera. Deine Vogelstrauss-Taktik wird nichts daran ändern, es wird dich einfach unvorbereiteter treffen als die anderen…

  8. Der „Geldmarkt“ ist ein Markt. Er war eigentlich der erste globale Markt. Die Wechselkurse sind die Preise für den Austausch je zweier Währungen. Sie müssen – wie auf allen Märkten – den Ausgleich / das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage bestimmter Währungen garantieren: eine Störung des Ausgleichs führt früher oder später zu einer Katastrophe. Das vorübergehende Moderieren nervöser Schwankungen eines Wechselkurses durch die Nationalbank ist eine nützliche und noble Aufgabe, um den Spekulanten das Handwerk zu erschweren. Dagegen ist eine langfristige Stützung einer Währung eine ökonomische Todsünde.

Schreiben Sie einen Kommentar

Wir sind an einer offenen Diskussion in den Kommentaren interessiert. Die Kommentare sollen jedoch einen fachlichen Bezug zum Beitragsthema haben. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

* Pflichtfelder