Günstige Hypotheken dank EZB

Die Schweizer Wohneigentümer bezahlen für ihre Hypothekarzinsen rund 10 Milliarden Franken weniger als im Jahr 2008. Welche Rolle spielt dabei die Geldpolitik? Eine Analyse.

Zunächst: Welche Summe die Wohneigentümer durch die tiefen Zinsen einsparen, ist tatsächlich enorm. Aktuell geben die Haushalte für Hypothekarzinsen etwa 13 Milliarden Franken pro Jahr aus. Gegenüber dem Zinsniveau von 2008 entspricht das einer Einsparung von stolzen 10 Milliarden Franken. Auch viele Mieter profitieren: Der für die Mieten massgebende Referenzzinssatz wird in den nächsten Monaten voraussichtlich ein weiteres Mal nach unten angepasst.

Zwar heisst es im Volksmund, man solle einem geschenkten Gaul nicht ins Maul schauen. Wir tun es hier trotzdem: Für die tiefen Zinsen gibt es im Wesentlichen drei Ursachen.

Beginnen wir mit der erfreulichsten, der geringen Teuerung. Wie die Grafik zeigt, hatten wir im Jahr 2008 einen relativ kräftigen Inflationsschub von über 2 Prozent, was auch die Zinsen in die Höhe trieb.

Rekordtiefe Hypozinsen
Rekordtiefe Hypozinsen
Der Zinssatz der fünfjährigen Festhypothek ist im Juni bis auf 1,3 Prozent gesunken. Ursachen sind die tiefe Inflation, die gedämpften Wachstumsperspektiven sowie die lockere Geldpolitik der Notenbanken.

Aktuell dagegen liegt die Teuerung praktisch bei null. In der Eurozone ist der Preisauftrieb mit 0,5 Prozent ebenfalls sehr gering.
Ursache Nummer zwei sind die gedämpften Wachstumsperspektiven: Obschon wir in der Schweiz derzeit eine robuste Konjunktur haben, müssen sich die Industrieländer, besonders in Europa, auf tiefere Wachstumsraten einstellen. Gründe dafür sind der Schuldenabbau und die demographische Entwicklung.

Wohneigentümer könnten einen Zinsanstieg verkraften

Die dritte Ursache ist die Geldpolitik. Ob wir es wollen oder nicht: Was die Notenbanken in Frankfurt und Washington beschliessen, wirkt sich direkt auf unser Portemonnaie aus. Mit der jüngsten Zinssenkung möchte die Europäische Zentralbank (EZB) primär den Kreditzugang für südeuropäische Unternehmen erleichtern. Doch vergünstigt sie damit – als Nebeneffekt – auch die Immobilienkredite bei uns.

Ist unser Hypothekarmarkt somit schutzlos den Kräften der globalen Geldpolitik ausgeliefert? Zum Glück nicht, vor allem dank der bewährten „goldenen Finanzierungsregeln“, die wir in der Schweiz kennen. So wird ein Hypothekarkredit nur bewilligt, wenn der Kunde auch einen kräftigen Zinsanstieg verkraften kann. Bei der Migros Bank kalkulieren wir dabei mit einem Zinssatz von 4,5 Prozent – obwohl die aktuellen Sätze bei manchen Hypotheken nur wenig über 1 Prozent liegen. Hypozinsen von über 4,5 Prozent gab es in Schweiz letztmals Mitte der Neunzigerjahre. Die EZB existierte damals noch gar nicht. Und eine „Nullzinspolitik“ ebenso wenig.

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