„Gott erschafft kein neues Land“

Ich interessiere mich für ein Haus in der Stadt Freiburg, Baujahr 1978, mit 500m2 Land. Der Preis beträgt 800’000 Franken. Der Verkäufer sagt, dass allein der Wert des Bodens die Hälfte davon ausmacht. Ist das für Sie glaubhaft?

„Kaufe Land – ich habe gehört, Gott erschafft keines mehr“, soll der Schriftsteller Mark Twain einmal scherzhaft bemerkt haben. Dass der Boden ein knappes Gut ist, bekommen wir in der Schweiz besonders deutlich zu spüren. Seit 1978 hat sich ein Quadratmeter Land um durchschnittlich 250 Prozent verteuert.

Bodenpreise haben sich verdoppelt
Entwicklung der Bodenpreise und der Inflation in der Schweiz.
Entwicklung der Bodenpreise und der Inflation in der Schweiz.

Allein im letzten Jahrzehnt sind die Bodenpreise um zwei Drittel gestiegen und übertreffen inzwischen sogar die früheren Rekordwerte.

Auch an Ihrem Wohnort stellen Sie wohl fest, dass immer mehr unbebaute Parzellen verschwinden. Pro Jahr kommen in unserem Land rund 40’000 neue Wohneinheiten dazu – und ein Ende dieser Entwicklung ist nicht absehbar: Der Bund rechnet damit, dass die Bevölkerungszahl in den nächsten 25 Jahren um eine Million zunehmen wird. Doch was bedeutet dies nun für den Hausbesitzer? Treibender Faktor für den Preis einer Immobilie ist je länger desto weniger die Liegenschaft selbst, sondern der Wert des Bodens. Denn während die Landpreise massiv teurer wurden, sind die inflationsbereinigten Konstruktionskosten für eine Immobilie in den letzten Jahrzehnten sogar leicht gesunken.

Das Haus verliert an Wert, beim Land dagegen nimmt er zu.

Konkret: Bei einem durchschnittlichen, neu erbauten Einfamilienhaus beträgt der Anteil des Bodens am gesamten Immobilienpreis rund 25 Prozent. Mit zunehmendem Alter sinkt der Wert des Gebäudes, dafür steigt derjenige des Grundstücks. Bei einer 15-jährigen Liegenschaft erreicht das Land im Schnitt bereits einen Wertanteil von etwa 35 Prozent In Ihrem Fall geht es ja um ein gut 30-jähriges Haus: Bei dieser Alterskategorie beträgt der durchschnittliche Anteil des Bodens am Gesamtwert bereits ungefähr die Hälfte. Das ergibt, um bei Ihrem Beispiel mit einer Fläche von 500m2 zu bleiben, einen Preis von 800 Franken pro Quadratmeter, was für die Stadt Freiburg eine vernünftige Grösse darstellt. Für eine genauere Schätzung müsste natürlich die konkrete Lage und Form der Parzelle analysiert werden.

Allein in den letzten zehn Jahren ist der Wert dieses Grundstücks um rund 150’000 Franken auf 400’000 Franken gestiegen – ein stolzer Betrag. Mit seinem Ratschlag, Land zu kaufen, lag Mark Twain also richtig. Und auch mit der Voraussage, Gott werde kein neues mehr erschaffen, dürfte er wohl Recht behalten.

Erwarten Sie, dass die Bodenpreise in der Schweiz weiter steigen? Diskutieren Sie mit!

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