Vermoegenspreise_Startbahn

Die lukrativsten Anlagen seit 2007 – und was wir daraus lernen

Die Nullzinspolitik der Notenbanken treibt die Vermögenspreise in die Höhe. Doch welche Anlagekategorien profitieren am meisten von den offenen Geldschleusen? Unsere Analyse zeigt Überraschendes.

Was denken Sie, welche Anlagekategorie hat seit Beginn der Finanzkrise im Jahr 2007 die grösste Rendite erzielt? Wenn Sie nun auf Gold tippen, liegen Sie absolut richtig. Tatsächlich hat sich das Edelmetall als Krisenschutz bewährt. Der Preis hat sich von 600 auf rund 1200 Dollar pro Unze verdoppelt – wobei er zwischenzeitlich sogar auf über 1800 Dollar gestiegen war.

Doch welche Anlage kommt hinter Gold auf Platz 2?

Die Antwort ist verblüffend: italienische Staatsanleihen. Dabei gehört doch Italien zu den grössten Leidtragenden der Eurokrise. Die Arbeitslosenrate ist von 6 auf 11,5 Prozent geklettert. Die Wirtschaftsleistung des Landes ist noch immer deutlich tiefer als vor der Finanzkrise. Und die Staatsschulden haben von 1600 Milliarden auf 2200 Milliarden Euro zugenommen. Womit die Kreditwürdigkeit Italiens weiter gesunken ist. Trotzdem haben italienische Staatsanleihen, gemessen am S&P Sovereign Bond Index, seit Anfang 2007 eine stolze Rendite von 68 Prozent erzielt (vgl. Grafik).

Traumhafte Renditen mit italienischen Staatsobligationen
Traumhafte Renditen mit italienischen Staatsobligationen
Performance von Staatsanleihen Italiens und der Eurozone sowie von Schweizer Aktien seit Anfang 2007 (gerechnet in Lokalwährung).

Wie sich zeigt, haben die italienischen Schuldtitel am meisten von der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) profitiert, knapp vor den Staatsobligationen Portugals (67 Prozent Rendite) sowie Spaniens (61 Prozent Rendite). Doch die exzellente Performance beschränkt sich keineswegs auf die Euro-Krisenländer: Wer Anfang 2007 ein Portfolio mit deutschen Staatsanleihen im Depot hatte, kann sich heute über einen Gewinn von immerhin 48 Prozent freuen. Über die gesamte Eurozone hinweg erreicht die Performance der Staatsanleihen 54 Prozent (siehe Grafik).

Solche traumhaften Profite können die Aktienmärkte nicht bieten. Zu den bestklassierten Börsenplätzen gehört der Swiss Performance Index (SPI), der in den letzten acht Jahren eine Rendite von 23 Prozent erzielt hat.

Doch im Gegensatz zu den Anleihen haben die Notenbanken die Kursentwicklung bei den Aktienmärkten nur beschränkt vorangetrieben.

Der entscheidende Faktor ist stattdessen die Gewinnentwicklung der Unternehmen: Die Dividendenausschüttungen der 20 grössten Schweizer Aktien betrugen vor der Finanzkrise 26 Milliarden Franken, während sie dieses Jahr rekordhohe 38 Milliarden Franken erreichen – eine Zunahme von über 40 Prozent. Auch das Kurs-Gewinn-Verhältnis und das Kurs-Buchwert-Verhältnis des Schweizer Aktienmarktes sind heute tiefer als im Jahr 2007. Der Substanzwert der Aktien hat somit zugenommen.

Demgegenüber ist die Anlagequalität bei den Staatsanleihen deutlich gesunken. Das Volumen der öffentlichen Schulden in der Eurozone wuchs seit 2007 von 6000 Milliarden auf knapp 10‘000 Milliarden Euro. Entsprechend wurde die Bonität etlicher Länder heruntergestuft. Das Rating Italiens liegt nur noch eine Stufe über der Grenze zu den so genannten Ramsch-Anlagen. Doch solange die EZB ihre Geldschleusen offen hält und selber Anleihen im Umfang von 960 Milliarden Euro pro Jahr kauft, werden auch diese Staatspapiere begehrt bleiben. Zumal die erste Zinserhöhung durch die EZB noch Jahre entfernt ist. Die aktuellen Terminkontrakte an den Finanzmärkten lassen einen solchen Schritt frühestens gegen Ende 2019 erwarten.

Die bisherigen Käufer europäischer Staatsobligationen dürfen sich also die Hände reiben.

Die expansive Geldpolitik der EZB hat ihnen zu massiven Kursgewinnen verholfen. Es handelt sich dabei primär um institutionelle Anleger wie Grossbanken oder Pensionsfonds, welche mit den Anleihenkäufen dafür sorgten, dass die Euroländer ihre Defizite problemlos finanzieren konnten. Und obwohl die Kurse dieser Staatsanleihen mittlerweile in schwindelerregende Höhen gestiegen sind, scheint sich kaum jemand vor einem Rückschlag zu fürchten. Man baut darauf, dass die EZB es dann schon richten wird. Eine riskante Einstellung, denn auch die Währungshüter in Frankfurt besitzen keine unbegrenzte Feuerkraft.

Kursgewinne auf Obligationen realisieren?

Aufgrund der rekordtiefen Zinsen notieren die meisten Obligationen derzeit deutlich über ihrem Nennwert. Der Grund liegt darin, dass sich die Rendite einer Obligation stets aus zwei Komponenten zusammensetzt: Aus einem jährlichen Zinscoupon sowie aus einem Kapitalgewinn oder –verlust durch Bewertungsänderungen. Verdeutlichen wir den Zusammenhang am Beispiel der Schweizer Staatsobligation mit Laufzeit von 2004 bis 2019. Emittiert wurde sie zum damaligen Marktzins von 3 Prozent. Weil das Zinsniveau seither stark gesunken ist, ist der Kurs der Obligation auf 113 gestiegen (bei einem Nennwert von 100). Wer die Anleihe zu diesem Kurs erwirbt, profitiert zwar vom ursprünglichen Coupon von 3 Prozent. Gleichzeitig muss er jedoch einen Kursverlust hinnehmen, weil ihm die Obligation beim Auslaufen im Jahr 2019 zum Nennwert zurückbezahlt wird.

Unter dem Strich resultiert für ihn eine negative Rendite auf Verfall von minus 1 Prozent pro Jahr.

Wer eine Obligation bei der Emission zum Nennwert gekauft hat, steht somit vor der Frage, ob er den Kursgewinn jetzt realisieren soll. Zwar zahlt die Anleihe einen höheren Coupon, welcher nach wie vor garantiert ist. Trotzdem kann es sich lohnen, eine solche Obligation nun zum gestiegenen Kurs zu verkaufen und den Gewinn zu realisieren. Dafür sprechen auch steuerliche Überlegungen: Während der Kursgewinn steuerfrei ist, muss der Zinscoupon als Einkommen versteuert werden (weitere Informationen dazu finden Sie hier).

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