Die Heizungssanierung ist eine lohnende Investition

Die hohen Investitionen schrecken viele Haus- und Stockwerkeigentümer davon ab, die fossile Heizung zu ersetzen. Der Umstieg auf erneuerbare Energien bringt aber nicht nur eine bessere Umweltbilanz. Er kommt über eine längere Nutzungsdauer gerechnet oft auch günstiger. Mehr dazu im siebten und letzten Teil unserer Serie über Heizungssanierungen.

Wer beim Heizungsersatz auf erneuerbare Energien umrüstet, beispielsweise mit einer Erdwärmesonde, muss meist tief ins Portemonnaie greifen. Im günstigsten Fall sind dafür Investitionskosten von 30’000 bis 35’000 Franken zu budgetieren – oft sogar mehr, wie der vorangegangene, sechste Teil der Serie über Heizungssanierungen gezeigt hat. Der blosse Ersatz einer konventionellen Öl- oder Gasheizung ist dagegen vielfach schon ab 18’000 bis 20’000 Franken realisierbar, sogar inklusive der nötigen Anpassungen von Leitungen und inklusive weiterer Montagearbeiten. Die tiefen Kosten haben u.a. damit zu tun, dass verschiedene Arbeiten und Auslagen entfallen, die bei der Installation einer Luft-Wasser-Wärmepumpe oder einer Erdwärmepumpe zwingend nötig sind, wie z.B. die Entsorgung der alten Heizanlage, die Montage der Geräte oder die Bohrung für eine Erdsonde.

Gesamtbilanz erstellen – aber wie?

Jeder Bau- und Immobilienprofi weiss: Entscheidend für eine Gesamtbilanz ist nicht die Investition zu Beginn, sondern die langfristige Rechnung. Sie umfasst neben den Investitionskosten auch die laufenden Betriebs- und Unterhaltskosten. Dazu zählen bei der Öl- und Gasheizung z.B. der Brennstoff sowie die Ausgaben für den Kaminfeger und den Brennerservice. Für eine gründliche Kalkulation sind neben den Kosten weitere Faktoren zur berücksichtigen, wie der Wirkungsgrad der Heizung, Energieabgaben, Zinsen bzw. Kapitalkosten, die erwartete Lebensdauer der Bauteile usw.

Betriebskosten

Im Vergleich zu Öl- und Gasheizungen haben Wärmepumpen den Vorzug, dass der Aufwand für Unterhalt und Service meist gering ausfällt. Doch Vorsicht: Ganz ohne periodische Kontrolle und Wartung geht es auch hier nicht. Am besten hält man sich an die Vorgaben des Herstellers; je nachdem ist es sinnvoll, die Anlage alle zwei Jahre kontrollieren zu lassen. Dabei gilt es, beispielsweise die Einstellungen zu überprüfen, die Anlage auf undichte oder verschmutzte Stellen zu untersuchen und das Kältemittel zu kontrollieren. In der Summe liegen die Betriebskosten aber sehr tief.

Eine Wärmepumpe benötigt zwar Energie für den Antrieb, und zwar in der Regel Strom, schöpft jedoch ein Mehrfaches davon aus der Umgebung. Die Wärme im Untergrund ist «gratis» und in jeder Hinsicht erneuerbar. Mit der einzigen Einschränkung, dass bei intensiver Nutzung mehrerer Erdwärmesonden am gleichen Ort der Untergrund im Lauf der Zeit etwas abkühlt.
Experten des WWF Schweiz haben ein eigenes Tool entwickelt, das einen Kostenvergleich der verschiedenen Energieträger ermöglicht. In die Kalkulation fliessen alle wesentlichen Kostenblöcke für die Anschaffung und den Betrieb ein:

  • Investition der Anlage
  • Einkauf von Energie
  • Betrieb und Unterhalt
  • Abgaben auf Energieträgern, insbesondere CO2-Abgabe
  • Kapitalkosten bzw. Zinsen im Zusammenhang mit der Investition

Wärmepumpen liegen vorne

Der Vergleich für ein durchschnittliches Musterhaus belegt die Wirtschaftlichkeit der erneuerbaren Energieträger: Die jährlichen Gesamtkosten für eine Wärmepumpe mit Erdsonde liegen mit 2800 Franken pro Jahr am tiefsten (siehe Tabelle). Eine entsprechende Umrüstung stellt zwar zu Beginn eine hohe finanzielle Hürde dar. Im Lauf der Jahre lassen sich die Mehrinvestitionen aber amortisieren. Das gilt übrigens analog für viele Verbesserungen der Energieeffizienz: Hoch dämmende Fenster sind zwar in der Anschaffung teurer, machen sich aber nach einigen Jahren bezahlt – ganz einfach durch die Einsparungen beim Energieverbrauch.

Elmar Grosse Ruse, Projektleiter Klima und Energie beim WWF, sagt dazu: «Die Wärmepumpe mit Erdsondenbohrung ist über die ganze Lebensdauer betrachtet oft die günstigste Lösung.» Diese Erkenntnis gelte nicht nur für den Neubau, wo Wärmepumpen bereits einen sehr hohen Marktanteil haben. «Auch im Gebäudebestand sind Wärmepumpen längerfristig die günstigste Variante, obwohl sie bei Sanierungen noch ein Nischendasein fristen», so der WWF-Experte. Sein Fazit ist klar: «Ökologie und Ökonomie gehen Hand in Hand.» Bei den jährlichen Gesamtkosten schneidet die Variante Luft-Wärmepumpe am zweitbesten ab, an dritter Stelle folgt die Gasheizung.

Frappant sind in dieser Analyse vor allem die höchst unterschiedlichen CO2-Bilanzen: Die Erdwärmesonde erweist sich im Lauf der Jahre nicht nur als die wirtschaftlichste Lösung, sondern auch als diejenige mit der besten CO2-Bilanz (siehe Tabelle). Der Gesamtausstoss beim Treibhausgas liegt bei einer Ölheizung mehr als zehn Mal höher.

Sowohl die Kostenrichtwerte als auch die Umweltbilanzen hängen stark von den getroffenen Annahmen ab. Beispiel Zinssatz für die Finanzierung der Investitionen: Rechnet man nicht mit 2 Prozent wie der WWF, sondern mit einem tieferen Satz, verbessert sich die Wirtschaftlichkeit der erneuerbaren Energien zusätzlich. Tatsächlich erlaubt die Aufstockung der Hypothek, eine Sanierung aktuell zu deutlich unter 2 Prozent zu finanzieren. Umgekehrt gilt beim Strommix: Würde z.B. der Betreiber einer Wärmepumpe nicht den relativ nachhaltig produzierten inländischen Strom beziehen, sondern importieren aus ausländischen Kohlekraftwerken, sähe die Bilanz weniger vorteilhaft aus.

Heizsysteme: Blick in die Zukunft

Nötig ist schliesslich auch ein Blick in die Zukunft. Für die Umrüstung auf eine Wärmepumpe oder eine andere Heizung mit erneuerbarer Energie spricht, dass in 10 oder 20 Jahren fossile Brennstoffe durch die CO2-Abgabe weiter verteuert werden könnten. Fairerweise muss allerdings angefügt werden, dass sich je nach energiepolitischem Szenario auch die Strompreise und damit die Betriebskosten von Wärmepumpen erhöhen können.

Stichwort Energiepolitik: In den obigen Beispielrechnungen noch nicht berücksichtigt sind Förderbeiträge von Kantonen und Gemeinden sowie die Steuervorteile auf den Investitionen. Bei grösseren Umrüstungen zugunsten erneuerbarer Energie winken oft 15 bis 20 Prozent an öffentlichen Zuschüssen, wie in vierten Teil dieser Serie über Heizungssanierungen dargelegt wurde.
Schwer zu beziffern, aber ebenfalls zu berücksichtigen ist die Wertentwicklung des Gebäudes. Generell gilt: Ältere Gebäude mit einem offensichtlichen Sanierungsstau sind schlecht verkäuflich und können von Wertverlusten betroffen sein. In längerer Perspektive dürfte es sich mit Heizungen ähnlich verhalten: Veraltete Technologien und relativ hohe laufende Betriebskosten werden künftig die Wertentwicklung von Häusern wesentlich mitbestimmen.

Betriebskosten je nach Heizungssystem

Energieträger am Beispiel eines Einfamilienhauses mit 14’400 kWh Wärmeenergiebedarf.

 ÖlheizungGasheizungSonnenkollektorenFernwärme*HolzpelettheizungLuft-WärmepumpeWärmepumpe mit Erdsonde**
Gesamtkosten in CHF3700300033004318380029002800
Klimabelastung in kg CO2 pro Jahr468036503190820710490380
Besonderheiten- Energie zu 100 Prozent importiert.
- Öltank braucht Platz
- Energie zu 100 Prozent importiert.
- Heizung braucht Anschluss ans Gasnetz.
- Bessere Klimawerte mit Biogas.
- Gut geeignet als ergänzendes System z.B. zu Öl, Gas oder Pellets.
- CO2-Klimabelastung unter der Annahme gerechnet, dass weiterhin teilweise fossiler Brennstoff verwendet wird.

- Gute Klimawerte bei Abwärme aus Abfallverbrennung
- Heizung braucht Anschluss ans Fernwärmenetz.
- Das Silo für Pellets braucht Platz.
- Grosse Unterschiede der Ökobilanz, je nach Strommix.
- Nur im Flachland effizient.
- Grosse Unterschiede der Ökobilanz, je nach Strommix.
*Musterrechnung basierend auf Fernwärme Zürich.
** Musterrechnung mit zertifiziertem Ökostrom.
Quelle: Migros Bank, WWF

 

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2 Kommentare zu Die Heizungssanierung ist eine lohnende Investition

  1. Wie steht es eigentlich mit der Autonomie bei einem grossen Elektro-Blackout?
    Wird Europa der Schweiz helfen? Wohl kaum.
    Kann die Schweiz den nötigen Strom für sich produzieren? Nein.
    Wir werden frieren.
    Ölheizungen brauchen ca. 20 Mal weniger Strom als eine Wärmepumpe.
    Mit einem kleinen Elektro-Aggregat oder einer korrekt ausgelegten
    Solaranlage könnte eine Ölheizung weiterbetreiben werden.

    Stromausfall gibt es nicht?
    In Deutschland hat man infolge unberechenbarer Sonnen- und Windenergie bereits Blackouts gehabt!
    Je höher der Anteil an Alternativenergie ist, desto instabiler wird das
    Elektronetz und desto öfter werden Blackouts auftreten.
    Die Blackouts werden dann auch länger andauern.

    Sie produzieren Solarstrom und gedenken, im Blackout-Fall die Wärmepumpe betreiben zu können?
    Im Normalfall wird sie viel zu schwach sein.
    Zudem können die meisten Solaranlagen nur am funktionierenden Elektronetz
    betrieben werden. (Netz-Parallelbetrieb)
    Autonomer Inselbetrieb ist in den meist verbauten Anlagen (auch mit Batterie) nicht möglich.

    Zuviel Schwarzmalerei?
    Man kann meine Argumente gewichten, aber verschweigen, wie das die
    Medien, die Politik und die Migros Bank machen, ist nicht korrekt.

    Mit freundlichen Grüssen

    1. Sehr geehrter Herr Beutler
      Für einen umfassenden Vergleich ist auch die Sicherheit der Stromversorgung zu berücksichtigen, da haben Sie recht. Genauso, wie regelmssig ein Öl- oder Gasembargo als Schreckensszenario gegen fossile Energieträger ins Feld geführt wird, muss beim Strom der Blackout als GAU in Betracht gezogen werden. Wir werden diesen Hinweis berücksichtigen – wir sind daran, die Heizungssanierungs-Serie zu überarbeiten und sie als separate Publikation herauszubringen.
      Freundliche Grüsse, Urs Aeberli

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