Zinsausblick: Moderater Zinsanstieg in den langen Laufzeiten erwartet

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat im Rahmen ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung vom 20. September 2018 ihren Leitzins unverändert belassen. Dieser verharrt damit seit dreieinhalb Jahren bei -0,75 Prozent. Die Hypothekarzinsen dürften sich vorerst nur wenig bewegen.

Die SNB hat in ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung vom 20. September den Leitzins bei -0,75 Prozent belassen. Der Entscheid überraschte nicht. Das reale Bruttoinlandprodukt der Schweiz ist im zweiten Quartal zwar erneut sehr kräftig gewachsen (+0,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal), die Inflation verharrt jedoch deutlich unter der 2 Prozent-Marke, welche die SNB als Obergrenze für die Preisstabilität betrachtet. Die Jahresteuerung der Konsumentenpreise notierte im August unverändert bei 1,2 Prozent.

Auch für die nächsten Quartale erwarten wir keine Änderung der geldpolitischen Stossrichtung der SNB, obwohl sich die monetären Rahmenbedingungen in der Schweiz in den vergangenen Monaten leicht verändert haben. Der Schweizer Franken hat sich seit Mitte Juli im Zuge der Zahlungsbilanzkrise in der Türkei und der anhaltenden politischen Unsicherheit in Italien gegenüber dem Euro deutlich aufgewertet (siehe Grafik 1). Die SNB wird unter den aktuellen Bedingungen den Leitzins kaum vor der EZB anheben, weil dies die Stärketendenz des Frankens zusätzlich akzentuieren würde. Da von der Europäischen Zentralbank (EZB) vorerst keine Änderung der geldpolitischen Stossrichtung zu erwarten ist, bleiben der SNB bis zur nächsten Leitzinserhöhung der EZB (erwartet ab Herbst 2019) die Hände gebunden.

Erneute Franken-Aufwertung gegenüber dem Euro
Erneute Franken-Aufwertung gegenüber dem Euro
Quelle: Thomson Reuters Datastream

Bei den Anleihen der Eidgenossenschaft mit zehnjähriger Laufzeit beobachten wir seit Mitte August indes einen leichten Renditeanstieg (siehe Grafik 2). Diese Entwicklung ist vermutlich einer Kombination von zwei Faktoren zuzuschreiben: Erstens, einer sinkenden Nachfrage nach sicheren Anlagen aufgrund eines gestiegenen Risikoappetits an den Märkten. Zweitens, einem global steigenden Anleihenangebot aufgrund der rückläufigen Anleihenkäufe der Zentralbanken. Die Zunahme des Risikoappetits dürfte zwar nur temporärer Natur sein. Mittelfristig rechnen wir dennoch mit einem leichten Anstieg der langfristigen Zinsen, weil die Teuerung in vielen Ländern anzieht und die Geldpolitik global tendenziell gestrafft wird: Die Normalisierung der Fed-Bilanz schreitet voran und die EZB wird ihr QE-Programm Ende Jahr einstellen.

Zehnjährige Bundesanleihen erneut knapp über Null
Zehnjährige Bundesanleihen erneut knapp über Null
Quelle: Thomson Reuters Datastream

In diesem Umfeld dürften die Finanzierungskosten in der Schweiz noch eine Weile tief bleiben. In unserem Basisszenario bleibt die Prognose der Hypothekarzinsen unverändert. Libor-Hypotheken werden sich bis Mitte nächsten Jahres kaum verteuern. Bei Festhypotheken mit längeren Laufzeiten gehen wir weiterhin von einem moderaten Anstieg aus.

Trends Hypothekarzinsen in den nächsten Monaten

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