Update zur Anlagepolitik der Migros Bank

Ein turbulentes Börsenjahr geht in die Schlussphase. Markus Wattinger, Leiter Asset Management der Migros Bank, erklärt, warum die Bank an ihrer bewährten Allokation festhält und wie es um die globale Konjunktur steht.

Brexit: Nur ein Sturm im Wasserglas

So ausgeprägt die initiale negative Reaktion der Finanzmärkte auf das überraschende EU-Austrittsvotum des britischen Volkes Mitte Juni war, so rasch beruhigten und erholten sich die Märkte auch wieder. Wichtige Unterstützung wurde ihnen dabei durch die Notenbanken zuteil, welche im Anschluss an den Brexit-Schock mit dem Versprechen zur Stelle waren, den erwarteten negativen Effekten auf die globale Konjunktur mit weiteren geldpolitischen Massnahmen zu begegnen. Derart beflügelt holten die meisten Aktienmärkte die Verluste aus den Brexit-Turbulenzen rasch wieder auf – die US-Märkte nutzten das positive Momentum und erreichten zwischenzeitlich gar wieder neue Allzeithöchststände.

Wirtschaftlicher Schaden vorerst überschaubar

Während die Finanzmärkte schon bald über den Brexit hinwegsahen, zeigen sich auf wirtschaftlicher Seite bis dato nur geringe negative Auswirkungen des geplanten Austritts von Grossbritannien aus der EU. Im Vereinigten Königreich war überraschenderweise gar eine deutliche Aufhellung des Geschäftsklimas im September zu verzeichnen. Noch ist es aber zu früh, um definitiv Entwarnung zu geben. Zwar profitiert Grossbritanniens Wirtschaft vorübergehend von der schwächeren Währung, die negativen Auswirkungen einer tendenziell tieferen Investitionsbereitschaft der Unternehmen dürfte sich aber erst mit einiger Verzögerung in den offiziellen Statistiken niederschlagen. Ähnliches gilt für die EU: Zwar ist eine leichte Eintrübung der Geschäftstätigkeit zu beobachten, alles in allem bleiben die Auswirkungen des Brexit auf die europäische Konjunktur aber deutlich geringer, als von vielen befürchtet.

Globale Konjunktur: wenig dynamisch, aber auf Kurs

Die globale Konjunkturdynamik bleibt derweil verhalten. Zwar stehen die Zeichen weiterhin auf Wachstum, in den meisten Regionen läuft der Konjunkturmotor jedoch (noch) nicht auf allen Zylindern. In den USA brachten die Sommermonate eine deutliche Eintrübung der Geschäftstätigkeit mit sich, welche nach dem Industrie- auch den Servicesektor erfasste und den ansonsten positiven Konjunkturausblick vorderhand mit einem Fragezeichen versehen. Trotzdem zeigt sich die US-Wirtschaft noch immer in einer durchaus robusten Verfassung und profitiert vor allem vom weiterhin starken Privatkonsum. Die anhaltend positive Entwicklung des US-Arbeitsmarktes sowie ein robuster Häusermarkt dürften dafür sorgen, dass der private Konsum auch im weiteren Jahresverlauf einen wichtigen Beitrag zum US-Wachstum leistet.

Auch in Europa bildet der private Konsum seit einigen Quartalen das Rückgrat des Wirtschaftswachstums. Überschaubare aber stetige Fortschritte im europäischen Arbeitsmarkt und eine weitere Ausweitung der Kreditvolumen dürften auch hier dafür sorgen, dass die Wachstumsimpulse von Seiten des Privatkonsums positiv bleiben. Nichtsdestotrotz hat sich die Wachstumsdynamik auch in Europa im Vergleich zum ersten Halbjahr etwas abgeschwächt.

Schliesslich scheinen auch die Emerging Markets die Talsohle durchschritten zu haben: In wichtigen Regionen wie Russland oder Brasilien mehren sich die Zeichen einer wirtschaftlichen Besserung, was in Verbindung mit der lockeren Geldpolitik in den Industrieländern viel Kapital angezogen hat. Auch im wichtigsten Schwellenland China deuten jüngste Konjunkturdaten auf eine Stabilisierung der Wirtschaft hin. Nichtsdestotrotz stellt die chinesische Konjunkturentwicklung weiterhin das grösste Risiko für die Weltwirtschaft dar.

Aktien weiterhin favorisieren

In diesem Umfeld einer moderat expandierenden Weltwirtschaft in Verbindung mit einer weltweit anhaltend lockeren Geldpolitik – und entsprechend tiefen Zinsen – hält die Migros Bank an ihrer Übergewichtung der Aktienanlagen fest. Eine im Vergleich zu Obligationen noch immer hohe Risikoprämie und teils äusserst stattliche Dividendenrenditen sorgen für die anhaltende Attraktivität der Anlageklasse. Schliesslich hat die andauernde Jagd nach Rendite auch die Risikoprämien anderer Anlagen, wie zum Beispiel High Yield Bonds oder Emerging Market Bonds, merklich sinken lassen, was die relative Attraktivität der Beteiligungspapiere nochmals steigert.

Im traditionellerweise von erhöhter Volatilität geprägten letzten Quartal erwarten die Aktienmärkte einige wichtige politische Ereignisse. So haben etwa die anstehende US-Präsidentschaftswahl oder das auf Anfang Dezember festgesetzte Verfassungsreferendum in Italien durchaus das Potential, an den Märkten Verunsicherung auszulösen.

Weiterhin attestieren wir den europäischen Aktienmärkten ein gewisses Aufholpotential. Sie dürften auch in der näheren Zukunft von der anhaltend lockeren Geldpolitik der EZB und dem erfreulichen Binnenkonsum profitieren. Ähnliches gilt für den Schweizer Aktienmarkt. Mit Blick auf die relativen Bewertungen gemessen an den erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnissen scheinen uns die Aktienmärkte der alten Welt attraktiver, als US-amerikanische Beteiligungspapiere.

Obligationen untergewichten

In Anbetracht der weltweit moderaten Inflationsentwicklung und dem damit einhergehenden historisch tiefen Zinsniveau sehen wir derzeit keine Veranlassung, unsere Untergewichtung bei den Obligationen zurückzunehmen. Insbesondere das CHF-Segment wird weiterhin von negativen Verfallrenditen geprägt, sodass der Anleger auf der Jagd nach Rendite zwangsläufig Risiken eingehen muss, für die er nicht genügend entschädigt wird. Wir halten entsprechend an unserer Untergewichtung bei den Obligationen fest – insbesondere im CHF-Segment.

Entspannung an der Währungsfront post Brexit

Nachdem der Brexit auch an den Devisenmärkten für ausgeprägte Turbulenzen gesorgt hatte, hat sich auch hier der Sturm inzwischen wieder gelegt. Das britische Pfund hat inzwischen um 1.30 USD einen vorläufigen Boden gefunden, eine weitere Abschwächung ist aber aufgrund der expliziten Bereitschaft der Bank of England zu weiteren Zinssenkungen zwecks Wachstumsankurbelung durchaus möglich.

Auch der infolge der Brexit-Turbulenzen erhöhte Aufwertungsdruck auf den Schweizer Franken hat sich wieder gelegt. Inzwischen hat sich die Schweizer Währung wieder knapp unter der wichtigen Schwelle von 1.10 Euro eingependelt, was es der SNB erlaubte, ihre Eingriffe im Devisenmarkt wieder deutlich zu reduzieren.
Die noch zu Jahresbeginn omnipräsenten Aufwertungstendenzen des US-Dollars haben sich im Zuge der stetig nach unten revidierten Guidance des Fed wieder verflüchtigt. Zwar dürfte ein moderater Aufwertungsdruck mittelfristig Bestand haben, eine substanzielle Aufwertung der US-Valuta ist jedoch bis Ende Jahr nicht zu erwarten.

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