Jerome Powell folgt auf Janet Yellen – Einschätzung zur Nomination von Jerome Powell zum Fed-Vorsitzenden

Donald Trump hat Jerome Powell zum neuen Vorsitzenden der US-Notenbank (Fed) nominiert. Powell muss noch vom Senat bestätigt werden. Aufgrund der republikanischen Mehrheit im Parlament gilt dies jedoch als reine Formsache. Die erste Amtszeit der bisherigen Fed-Vorsitzenden Janet Yellen endet im Februar 2018. Yellen wurde bis zuletzt auch als Kandidatin für eine zweite Amtszeit gehandelt. Die bisherigen US-Präsidenten haben den Fed-Chef meistens im Amt bestätigt. Trump hat sich indes für einen eigenen Weg entschieden. Powell ist bereits seit 2012 Mitglied des Gouverneursrats und damit auch des Offenmarktausschusses, der für die Geldpolitik zuständig ist. Der promovierte Jurist war zuvor unter anderem in der Finanzbranche und für das US-Finanzministerium tätig.

Die Geldpolitik des Fed wird sich nicht wesentlich ändern. Wir gehen davon aus, dass Powell den Kurs seiner Vorgängerin beibehalten wird. Beide gelten eher als Tauben, d.h. sie setzen sich tendenziell für eine lockere Geldpolitik ein. In der Vergangenheit gab es mit Blick auf die geldpolitische Stossrichtung keine grundlegenden Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden. Powell hat jedoch einen weniger starken akademischen Hintergrund als Yellen. In Fachkreisen wird deshalb befürchtet, dass das Fed vor allem im Bereich des Krisenmanagements viel Know-How verlieren wird – unter anderem auch, weil mit dem bisherigen Fed-Vize Stanley Fisher vor wenigen Wochen bereits ein sehr ausgewiesener Ökonom die Notenbank verlassen hat. Yellen hätte auch nach dem Verlust des Vorsitzes noch bis 2024 Anspruch auf einen Sitz im Gouverneursrat. Wir erwarten jedoch, dass sie diese Position aufgeben wird.

Trump untermauert mit der Nomination seine Absichten zur Deregulierung des Finanzsektors. Als ehemaliger Private-Equity- und Anlagespezialist spricht sich Powell im Gegensatz zu Yellen klar für eine Lockerung der Vorschriften für die Finanzbranche aus. Auch Randal Quarles, den Trump vor wenigen Wochen in den Gouverneursrat berufen hat, gilt als dezidierter Deregulierungs-Befürworter. Zusammen werden sie sich verstärkt für die Entlastung des Finanzsektors engagieren. Das Fed wird die diesbezügliche Stossrichtung des Finanzministeriums künftig wohl aktiver unterstützen.

Zusammensetzung des Offenmarktausschusses per 2.11.2017
* Präsidentin Gouverneursrat und Präsidentin Offenmarktausschuss bis am 3. Februar 2018
** Vizepräsident/-in Gouverneursrat
*** Vizepräsident/-in Offenmarktausschuss
**** Jeweils vier Vertreter der elf übrigen Banken
Quellen: Federal Reserve Board, Migros Bank

Die Finanzmärkte haben kaum auf die Bekanntgabe reagiert. Die US-Aktienmärkte notieren nahezu unverändert. Auch der Dollar und die Zinsen bewegten sich kaum. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass der Finanzmarkt seit längerem mit Powells Nominierung gerechnet hat.

Wir halten an unserem bisherigen Szenario für den Dollar und für die USD-Zinsen fest. Das Fed wird den Leitzins in den kommenden zwölf Monaten drei Mal anheben. Der nächste Zinsschritt wird voraus­sichtlich Mitte Dezember erfolgen. Die Währungshüter haben genügend Spielraum für geldpolitische Straffungen, denn die US-Wirtschaft befindet sich nach wie vor in einem guten Zustand, wie die BIP-Daten zum dritten Quartal 2017 bestätigen. Trotz der Hurrikane «Harvey» und «Irma» expandierte das reale BIP gegenüber dem Vorquartal um 0,7%. Auf annualisierter Basis entspricht dies einer Wachstumsrate von 3,0%. Insgesamt dürfte die Kadenz der Leitzinserhöhungen jedoch etwas schwächer ausfallen als vom Offenmarktausschuss prognostiziert. Das geldpolitische Gremium sieht den Leitzins per Ende 2019 bei 2,26%.

Weitere Informationen zur US-Notenbank finden Sie in unserem Blogartikel vom 24.10.2017

Prognose Migros Bank
AktuellIn 3 MonatenIn 12 Monaten
USD/CHF1.001.000.98
Leitzins Fed*1,00 – 1,25%1,25% – 1,50%1,75% – 2,00%
Rendite US-Staatsanleihen2,35%2,50%2,75%
*Unter- und Obergrenze für die Federal Funds Target Rate

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