In zehn Jahren 2,1 Milliarden Franken zu viel ausbezahlt

In zehn Jahren 2,1 Milliarden Franken zu viel ausbezahlt

Prognosen zur Teuerung und Lohnentwicklung entscheiden darüber, wie stark die AHV-Renten steigen. Weil die Inflation seit 2007 weniger zunahm als erwartet, sind die Renten stets zu hoch ausgefallen. Gemäss unserer Analyse geht es um eine Summe von über 2 Milliarden Franken.

Im Bundesgesetz über die Alters- und Hinterlassenenversicherung ist klar geregelt, wie die Renten zu berechnen sind: Der Rentenindex entspricht dem Mittelwert zwischen der Lohn- und der Teuerungsentwicklung – daher die Bezeichnung Mischindex. Doch das simple Prinzip hat in der Praxis seine Tücken. Denn die zuständige AHV/IV-Kommission stützt sich bei der Rentenbestimmung auf Prognosewerte.

Wie eine Analyse der Migros Bank ergeben hat, waren die Prognosen in den letzten zehn Jahren stets zu hoch.

Vor allem die Inflation nahm weniger zu als erwartet. Das hatte zur Folge, dass die festgelegten Renten höher ausfielen, als dies gemäss dem Mischindex korrekt gewesen wäre. Die unten stehende Tabelle zeigt die jährlichen Abweichungen seit 2007. Am grössten war die Differenz in den Jahren 2013 und 2014: Die maximale Monatsrente wurde damals auf 2340 Franken erhöht. Doch dem Mischindex zufolge erreichte die Maximalrente effektiv nur 2323 Franken. Das entspricht einer Differenz von 17 Franken pro Monat, was zunächst nach wenig klingt. Tatsächlich aber führte dies zu Mehrausgaben in der AHV/IV von 330 Millionen Franken pro Jahr (vgl. rechte Spalte). Insgesamt bewirkten die Prognosefehler über die letzten zehn Jahre zusätzliche Zahlungen von 2,1 Milliarden Franken.

Bereits kleine Abweichungen führen zu hohen Mehrausgaben

Seit der letzten Festlegung der Renten ist die Inflation weiter zurückgegangen. 2015 erreichte die Jahresteuerung minus 1,1 Prozent. Im laufenden Jahr wird der Konsumentenpreisindex voraussichtlich um 0,6 Prozent fallen. Weil der Anstieg der Nominallöhne nicht ausreicht, um dies zu kompensieren, sinkt auch der Mischindex. Somit könnte es per 2017 erstmals zu einer Abnahme der AHV-Rente kommen: Nach unserer Hochrechnung müsste die Minimalrente bei 1170 und die Maximalrente bei 2340 Franken angesetzt werden – es sei denn, der Mischindex würde geändert oder ganz aufgehoben (weitere Informationen: „Sechs nützliche Fakten und Tipps zur AHV„und „Sinken im Jahr 2017 die AHV-Renten?„).

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1 Kommentar zu In zehn Jahren 2,1 Milliarden Franken zu viel ausbezahlt

  1. Der Bundesrat wird aus politischen Gründen auf eine Senkung der AHV und somit der IV Renten verzichten und dies unabhängig der bevorstehenden Initiative AHV plus. Es gäbe zwar bei einer Senkung der Renten einen höheren Ja Anteil, die Inititiave würde trotzdem am Volk- und Ständemehr scheitern. Es gibt andere Stellschrauben, um die AHV langfristig zu sichern. Z.B. Gleiches Rentenalter Mann/ Frau. Anpassung der Witwenrenten analog den Kriterien der Witwerrenten. Diese Anpassungen würden längerfristig mehr bringen. Zudem sinken seit einigen Jahren die Renten der Pensionskassen. Die Generation 50 plus hat fast keine Möglichkeiten mehr, diese massive finanzielle Lücke zu schliessen.
    In diesem Sinne wünsche ich unserem wichtigsten Lebenswerk Alles Gute.
    Gruss Roman

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