Die Kurse werden sich stabilisieren

Die Aktienmärkte haben in den letzten Tagen teilweise erhebliche Kurseinbussen erlitten. Gleichzeitig sind die Zinsen weiter gefallen, und der Franken hat stark an Wert zugelegt. Wie sollen sich Anlegerinnen und Anleger in diesem Umfeld positionieren?

Der Ursprung der Stimmungseintrübung liegt in den USA: Die US-Notenbank hat ihren Leitzins zwar erwartungsgemäss gesenkt und die Bilanzverkleinerung frühzeitig beendet. Beim Ausblick blieb sie aber unerwartet zurückhaltend: Gemäss Fed-Chef Jerome Powell stellt die jüngste Zinssenkung (die erste seit der Finanzkrise) nicht zwingend den Beginn eines neuen Lockerungszyklus dar.

Diese Nachricht wurde von der Börse schlecht aufgenommen. Auch US-Präsident Trump wünscht sich vom Fed mehr Unterstützung. Trump kündigte kurz nach dem Notenbankentscheid eine massive Ausdehnung der Strafzölle gegenüber China an. Er begründete diesen Schritt mit dem Stocken der Verhandlungen mit Peking. Es dürfte aber auch ein Seitenhieb an die US-Notenbank gewesen sein, die in seinen Augen einen zu restriktiven Kurs fährt. China reagierte mit einer Abwertung des Yuan. Der Dollar-Yuan-Kurs notiert erstmals seit zehn Jahren wieder über 7.00. Chinas Regierung wies die Staatsunternehmen ausserdem an, keine Agrarprodukte aus den USA mehr zu erwerben.

Einschätzung

Es ist nicht mit einer baldigen Einigung im Handelskonflikt zu rechnen. Die Ängste vor einem Abwertungswettkampf der Notenbanken sind jedoch übertrieben. Die Wogen dürften sich in den nächsten Monaten etwas glätten. Der Yuan steht seit längerer Zeit unter Abgabedruck, was eine Folge der verschlechterten Wirtschaftslage ist. China hat jedoch kein Interesse, den Yuan den Marktkräften zu überlassen, weil eine zu starke Abwertung die Inflation anheizen und die Wirtschaft destabilisieren würde.

In den USA werden die neuen Strafzölle die Konjunktur stärker belasten als die bisherigen, da sie mehrheitlich Konsumgüter betreffen und diese verteuern. Trump bringt die Notenbank damit in Zugzwang. Wir gehen davon aus, dass das Fed schon bald eine aggressivere Lockerung ihrer Geldpolitik in Aussicht stellen wird. Dies dürfte den Aktienmärkten wieder Boden verleihen.

Allzu viel Kurspotenzial erwarten wir jedoch nicht: In den USA belasten die Einfuhrzölle und der starke Dollar die Profitabilität der Unternehmen; in Europa hat sich das Wirtschaftswachstum bereits deutlich verlangsamt. Auch die Schweiz gerät in dieses Fahrwasser: Die Einkaufsmanagerindizes (PMIs) lagen im Juli sowohl für die Industrie als auch für die Dienstleister im Kontraktionsbereich.

Handlungsempfehlung

Wir sehen keinen Anlass für eine Reduktion unserer Aktienquote. Aktien bleiben in unseren Vermögensverwaltungsmandaten leicht untergewichtet. Die Volatilität der Aktienmärkte wird zwar erhöht bleiben. Der jüngste Einbruch stellt aber kaum den Beginn einer Negativspirale dar.

Anlegern, die gestaffelte Investitionen planen oder seit längerem eine Marktkorrektur abgewartet haben, bietet sich die Möglichkeit, ihr Engagement leicht auszubauen. Wir raten aber weiterhin zur Vorsicht. Grössere Beträge sollten zeitlich versetzt investiert werden, denn eine baldige Verbesserung der Wirtschaftslage ist nicht zu erwarten. Die Aktienmärkte hängen weiter am Tropf der Notenbanken.

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2 Kommentare zu Die Kurse werden sich stabilisieren

  1. Ich kann mit diesem Beitrag nichts anfangen. Die Handlungsempfehlung enhält zuviel Wischiwasch!

    Die Aktien sind immer noch sehr hoch bewertet. Die Wirtschaftsaussichten im Euroraum sehen nicht besonders rosig aus. Es herrscht ein Anlagenotstand, es wird immer noch weiter in Aktien investiert, obwohl kein Anlass besteht.
    Sollte der Franken gegenüber dem Euro noch weiter zulegen, dann müssten doch die Schweizeraktien günstiger weden?

    1. Sehr geehrter Herr Sigg
      Dem ist so. Schweizer Aktien neigen zur Schwäche, wenn der Franken aufwertet. Gut zu beobachten war dies Mitte Januar 2015, als die SNB den EURCHF-Mindestkurs aufgegeben hat. Die Hintergründe dieses Phänomens sind nachzulesen im Blog-Artikel «Lohnt sich die Heimatliebe?» (https://blog.migrosbank.ch/de/lohnt-sich-die-heimatliebe/). In der dritten Grafik ist die Marktreaktion auf das Erstarken des Frankens abgebildet. Aufgrund der erhöhten Unsicherheit an den Finanzmärkten geniesst der Schweizer Aktienmarkt zurzeit aber einen Bonus als sicherer Hafen.

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