Die genossenschaftlichen Werte verbinden

Die Organisation Wohnbaugenossenschaften Schweiz, kurz WBG Schweiz, und der Zürcher Regionalverband WBG Zürich feiern 2019 ihr 100-jähriges Bestehen. Als Partnerin der Jubiläumsanlässe ist die Migros Bank mit dabei. Sie teilt mit WBG Schweiz und WBG Zürich dieselben Werte – das genossenschaftliche Denken.

Was wir heute als Wohnungsnot in Schweizer Städten bezeichnen, hätte unseren Grosseltern und Urgrosseltern vor hundert Jahren nur ein müdes Lächeln entlockt. 1919 lagen die Leerwohnungsziffern noch tiefer als heute, nämlich beispielsweise in Zürich bei 0,05 Prozent, in Bern und Basel bei je 0,2 Prozent. Die im Ersten Weltkrieg eingebrochene Bauwirtschaft verknappte das Wohnungsangebot und trieb gleichzeitig die Mietpreise in existenzbedrohende Höhe. Die Lage war so dramatisch, dass der Bundesrat die Kantone u.a. ermächtigte, leerstehende Wohnungen zu beschlagnahmen und gleichzeitig gewissen Wohnungssuchenden Niederlassung und Aufenthalt zu verweigern.

Doch Notrecht allein genügte nicht. Es brauchte neue, erschwingliche Wohnungen. Besorgte Politiker, Behördenvertreter, Architekten und weitere engagierte Personen gründeten daher am. 20. September 1919 in Olten den «Schweizerischen Verband zur Förderung des gemeinnützigen Wohnungsbaus». Bereits im selben Jahr erfolgte die Gründung der Zürcher Sektion. Unter dem Namen Wohnbaugenossenschaften Schweiz (WBG Schweiz) und Wohnbaugenossenschaften Zürich (WBG Zürich) feiern die beiden Organisation 2019 ihr 100-Jahr-Jubiläum. Als Veranstaltungspartnerin auf nationaler Ebene mit dabei ist die Migros Bank.

Engagement aus Tradition: Migros Bank und erschwinglicher Wohnraum
Das Engagement der Migros Bank hat Tradition. Nicht allein erschwingliche Konsumgüter waren das Ziel von Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler. Als die Weltwirtschaftskrise der 30er-Jahre und der Zweite Weltkrieg die Wohnungsnot erneut verschärften, befasste sich «Dutti» in den 40-Jahren mit günstigem Wohnraum und lancierte u.a. Ideen für eine Wohntauschbörse und für eine nationale Hypothekar-Bürgschaftsgenossenschaft.

Widerstände seitens Behörden und Politik verhinderten zwar die Realisierung dieser Ideen. Die von ihm gegründete Migros Bank setzt sich aber bis heute für erschwinglichen Wohnraum ein, u.a. als Finanzierungspartnerin zahlreicher Wohnbaugenossenschaften sowie als Gönnermitglied von WBG Schweiz.

Auch eine Frage der Nachhaltigkeit

Der Verband WBG Schweiz erlebte seit seiner Gründung ein starkes Mitgliederwachstum: Heute umfasst er mehr als 1200 Wohnbaugenossenschaften und andere gemeinnützige Wohnbauträger mit insgesamt über 150’000 Wohnungen. Die Zahlen zeigen, dass die Idee des genossenschaftlichen Wohnungsbaus heute genauso aktuell ist wie vor 100 Jahren. Dabei liegt der Fokus nicht mehr allein auf sozialen, sondern auch auf ökologischen Aspekten.

So legen Nachhaltigkeitsüberlegungen nahe, mehr erschwinglichen und attraktiven Wohnraum in städtischen Zentren zu schaffen, um die Zersiedelung und den Pendlerverkehr zu verringern. Um ihre Ziele zu erreichen, erhalten Wohnbaugenossenschaften Fördermassnahmen von Bund, Kantonen und Gemeinden. Damit verbunden sind diverse Auflagen, u.a. die aktive Förderung des gemeinschaftlichen Quartierlebens, die ausgewogene soziale Durchmischung der Bewohnerinnen und Bewohner sowie die Anwendung strenger ökologischer Baustandards. Der erhöhte Stellenwert der Ökologie schlägt sich auch in einem sparsameren Flächenbedarf nieder. Pro Bewohner beträgt er bei Genossenschaftswohnungen 36 m2, verglichen mit 55 m2 bei Eigentumswohnungen – das geht aus Statistiken von Stadt und Kanton Zürich hervor.

Die Förderung durch die öffentliche Hand und der Verzicht auf die Gewinnorientierung ermöglichen günstige Mietpreise. Eine Untersuchung des Bundesamts für Wohnungswesen (BWO) zeigt: Die marktübliche Miete z.B. einer Dreizimmer-Wohnung ist 16,5 Prozent teurer als der Preis einer gleich grossen Genossenschaftswohnung. In Ballungszentren fällt die Differenz noch ausgeprägter aus – in Kernstädten liegt die marktübliche Miete für eine Dreizimmer-Wohnung rund 26 Prozent höher.

Der genossenschaftliche Wohnungsbau hat Zukunft

Trotz der Vorteile der Wohnbaugenossenschaften sinkt ihr Anteil am Schweizer Wohnbaubestand seit den 70er-Jahren. Aktuell machen die Wohnungen im Besitz gemeinnütziger Wohnbauträger weniger als 5 Prozent aus. Einzelne Städte weisen weiterhin hohe Werte aus – Spitzenreiter sind Zürich und Biel mit 27 bzw. 16 Prozent.

Für die Zukunft streben diverse Städte einen deutlichen Ausbau der Genossenschaftswohnungen an. Beispielsweise in Zürich soll bis 2050 die gemeinnützigen Wohnungen einen Drittel aller Mietwohnungen ausmachen, in Basel bis 2050 ein Viertel, in Biel bis 2035 ein Fünftel und in Luzern bis 2037 16 Prozent. Vermehrt entstehen Genossenschaftswohnungen aber auch ausserhalb der Kernstädte und Agglomerationen – ein Beispiel ist die Wogeno Mogelsberg, die im ländlich geprägten St. Galler Neckertal ein Mehrgenerationenprojekt in einem ehemaligen Altersheim mithilfe der Migros Bank finanziert hat.

Dem Gemeinwohl verpflichtet

Als Finanzierungspartnerin teilt die Migros Bank die genossenschaftlichen Werte der gemeinnützigen Wohnungsbauträger. Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler prägte den Begriff des «sozialen Kapitals», das dem Gemeinwohl verpflichtet ist. Demzufolge steht bei der Migros Bank nicht die Maximierung des eigenen Gewinns im Vordergrund, stattdessen liegt der Fokus auf attraktiven und fairen Konditionen für Kundinnen und Kunden.

Das gemeinsame genossenschaftliche Gedankengut verbindet, zeigt auch das Beispiel der Baugenossenschaft mehr als wohnen. «Den Ausschlag für die Migros Bank als Partnerin in der Konsortialfinanzierung gab für uns, dass sie zum einen als genossenschaftlich geprägtes Finanzinstitut dieselben Werte wie die Wohnbaugenossenschaften teilt und dass sie zum anderen für neue Wohnideen und unkonventionelle Wohnprojekte offen ist», erklärt Geschäftsführerin Andrea Wieland.

Eine Vielzahl von Anlässen zum Jubiläum

Unkonventionelle Ideen und neue Perspektiven für künftige Wohnformen werden auch an den diversen Anlässen präsentiert, die im Rahmen der Jubiläumsveranstaltungen von WBG Schweiz und WBG Zürich von September 2019 bis Januar 2020 stattfinden. Die Agenda findet sich unter diesem Link.

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