Das Sparverhalten der unter 30-Jährigen

Die grosse Mehrheit der 18- bis 29-Jährigen spart regelmässig. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage der Migros Bank. Ein weiterer Befund: Junge Menschen nutzen für ihre Sparziele vor allem das Sparkonto – selbst für langfristige Zwecke, für die Finanzmarktanlagen besser geeignet wären.

Sparkonten machen einen Grossteil der Vermögen der 18- bis 29-Jährigen aus. In dieser Altersgruppe hält jede dritte Person über 70 Prozent ihrer frei verfügbaren Mittel auf dem Sparkonto. Das zeigt eine repräsentative Umfrage der Migros Bank. 67 Prozent der befragten 18- bis 29-Jährigen antworteten, dass sie weniger als 1000 Franken pro Monat sparen. Dieser Anteil beträgt 52 Prozent bei den 30- bis 55-Jährigen und 61 Prozent bei den über 55-Jährigen. Junge Menschen sparen zwar weniger, dafür aber fleissiger als ältere. So legen von den 18- bis 29-Jährigen 92 Prozent regelmässig etwas auf die Seite. Bei den 30- bis 55-Jährigen sind es mit 93 Prozent praktisch gleich viele, doch bei den über 55-Jährigen fällt der Anteil mit knapp 80 Prozent deutlich geringer aus.

Längere Reisen sind das beliebteste Sparziel

Die wichtigsten Sparziele der 18- bis 29-Jährigen sind längere Reisen (18 Prozent), der Erwerb von Wohneigentum (16 Prozent), ein Finanzpolster (12 Prozent) und der Kauf von Konsumgütern (10 Prozent). Die Altersvorsorge nimmt mit 8 Prozent bei jungen Menschen noch keinen prominenten Platz ein, während sie bei jeder vierten befragten Person ab Alter 30 das vorrangige Sparziel darstellt.

Obwohl junge Menschen fleissig auf ihre Ziele hin sparen, fehlt vielen die klare Vorstellung, welchen Betrag sie dafür auf die Seite legen müssen. 62 Prozent der 18- bis 29-Jährigen erklären, dass sie einfach sparen, ohne sich genau zu überlegen, wie das Sparziel am besten zu erreichen wäre. Bei den 30- bis 55-Jährigen und den über 55-Jährigen ist dieser Anteil mit 50 bzw. 41 Prozent deutlich geringer – vor allem weil sich bereits viele durch einen Finanzdienstleister haben beraten lassen.

Was ist wichtig bei der Geldanlage? – Die Nachhaltigkeit ist nicht prioritär

Bei den meisten Sparzielen zeigen die jüngeren Befragten eine höhere Präferenz für das Sparkonto als die älteren Befragten. Sogar für längerfristige Zwecke, für die Finanzmarktanlagen besser geeignet wären, wird dem Sparkonto der Vorzug gegeben. So sparen beispielsweise 72 Prozent der 18- bis 29-Jährigen mit einem Sparkonto für den Erwerb von Wohneigentum.

Der hohe Stellenwert des Sparkontos erklärt sich mit den Eigenschaften, die eine Geldanlage nach Meinung von jungen Menschen vor allem aufweisen muss: wenig Risiko (33 Prozent Nennungen), viel Flexibilität (17 Prozent) und tiefe Gebühren (16 Prozent). Das sind Voraussetzungen, die ein Sparkonto ideal erfüllt. Mit der Rangfolge der drei wichtigsten Eigenschaften einer Geldanlage unterscheiden sich die jüngeren Befragten nicht von den älteren. Umso grösser sind dagegen die Unterschiede bei der Nachhaltigkeit. Diese wird bei der Geldanlage nur von 9 Prozent der 18- bis 29-Jährigen als wichtig erachtet. Sehr viel bewusster sind in dieser Hinsicht die älteren Befragten: 11 Prozent der 30- bis 55-Jährigen und sogar 16 Prozent der über 55-Jährigen stufen Nachhaltigkeit bei der Geldanlage als wichtig ein.

Junge sind offen und neugierig, ihre Wissenslücken zu schliessen

Wenig Beachtung schenken die Jungen auch den tiefen Zinsen. Obwohl ein Sparkonto kaum mehr Zins abwirft, haben 72 Prozent der 18- bis 29-Jährigen ihr Sparverhalten nicht geändert. Dieser Anteil ist deutlich höher als bei älteren Befragten. Als die beiden wichtigsten Gründe, warum unverändert weitergespart und beispielsweise nicht in Finanzmarktanlagen gewechselt wird, nennen die 18- bis 29-Jährigen, dass sie sich mit Alternativen zum Sparkonto nicht auskennen (52 Prozent) und dass sie glauben, zu wenig Vermögen für Alternativen zu haben (48 Prozent).

Aufgrund fehlender Kenntnisse fürchten viele der 18- bis 29-Jährigen, falsch zu investieren. Das wird in dieser Altersgruppe als das mit Abstand grösste Risiko bei der Geldanlage angesehen (37 Prozent Nennungen). Andererseits sind die Jungen offen und neugierig, ihre Wissenslücken zu schliessen: Der Anteil der 18- bis 29-Jährigen, die sich sehr oder eher für Finanz- und Anlagethemen interessieren, ist mit 41 Prozent höher als bei den 30- bis 55-Jährigen (37 Prozent) und bei den über 55-Jährigen (32 Prozent).

Die bestehenden Wissenslücken führen bei jungen Menschen unter anderem zur falschen Annahme, zu wenig Vermögen für Investitionsalternativen zum Sparkonto zu haben. Tatsächlich gäbe es in der Praxis Finanzmarktanlagen, die sich bereits für bescheidene Sparbeträge eignen würden, wie beispielsweise ein Fondssparplan. Er ist bei jungen Menschen noch wenig verbreitet: Nur knapp 9 Prozent der 18- bis 29-Jährigen verfügen über einen Fondssparplan, verglichen mit 18 Prozent der 30- bis 55-Jährigen und 16 Prozent der über 55-Jährigen.

Junge setzen auf Kryptowährungen

Umgekehrt sind unter der jüngeren Generation Bitcoin und andere Kryptowährungen stärker verbreitet. Gut 7 Prozent der 18- bis 29-Jährigen sind in Kryptowährungen investiert, gegenüber ebenfalls 7 Prozent der 30- bis 55-Jährigen und nur knapp 1 Prozent der über 55-Jährigen. Und 13 Prozent der 18- bis 29-Jährigen erklären, dass Kryptowährungen für sie in Zukunft noch wichtiger werden bzw. dass sie künftig darin investieren wollen. Bei den 30- bis 55-Jährigen sind es nur 7 Prozent und bei den über 55-Jährigen gar unter 0,5 Prozent.

Methodik der Umfrage

Die repräsentative Umfrage wurde im Oktober 2019 durch das Marktforschungsinstitut Intervista im Auftrag der Migros Bank durchgeführt. Die Befragung erfolgte online bei über 1500 Personen ab 18 Jahren aus der Deutschschweiz, der Romandie und dem Tessin. Hier finden Sie weitere Resultate zur Umfrage.

Ähnliche Beiträge

Schreiben Sie einen Kommentar

Wir sind an einer offenen Diskussion in den Kommentaren interessiert. Die Kommentare sollen jedoch einen fachlichen Bezug zum Beitragsthema haben. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

* Pflichtfelder