Rund ums Geld

Anlegen mit der Intelligenz des Schwarms

Laien sind in der Lage, mit kollektiv gefällten Anlageentscheiden Investmentprofis zu schlagen. Auf dieses Phänomen der so genannten Schwarmintelligenz setzen verschiedene Anlageprodukte. Allerdings mit unterschiedlichem Erfolg.

Das Phänomen lässt sich regelmässig in der Quizsendung «Wer wird Millionär?» beobachten. Wenn ein Kandidat eine Frage ans Publikum weitergibt, kann er praktisch sicher sein, die richtige Antwort zu erhalten: Die Trefferquote liegt bei rund 90 Prozent. Erklären lässt sich das mit dem Konzept der Schwarmintelligenz, neudeutsch «wisdom of the crowd». Demzufolge ist das kollektive Wissen einer grossen Gruppe dem eines Einzelnen überlegen – selbst wenn es sich bei dieser Einzelperson um einen Experten handelt. Denn auch der kann sich mal irren. Daraus folgt die Idee des Crowd Investing: Kollektive Anlageentscheide sind in der Lage, bessere Resultate als jene von Investmentprofis zu liefern.

Investmentclubs: Wenn die Schwarmintelligenz zum Herdentrieb wird

Auf die Vorteile von Schwarmintelligenz setzen Investmentclubs. Dort treffen sich Privatanleger und diskutieren, wie sie ihr Geld gemeinsam investieren. Eine Untersuchung der Universität of California kam allerdings zu ernüchternden Resultaten. Nicht nur schnitten 60 Prozent der Investmentclubs schlechter ab als der Markt, die Durchschnittsrendite war auch tiefer als die eines Einzelinvestors.

Wieso versagt hier das Crowd Investing? Der Grund ist, dass sich bei einer offenen Diskussion, wie sie für Investmentclubs typisch ist, die Meinungen angleichen. Schwarmintelligenz funktioniert unter gegenteiligen Voraussetzungen: Personen fällen ihren Entscheid unabhängig voneinander und auf Basis unterschiedlicher Informationen. Wenn die Anleger unter dem Eindruck eines Meinungsführers oder einer allgemeinen Stimmung stehen, kippt die kollektive Intelligenz in die Dummheit der Massen. Das Kollektiv wird Opfer des verhängnisvollen Herdentriebs.

Mitmach-Fonds: Die Herde steht oftmals abseits

Diese Fehlentwicklung versuchen «Mitmach-Fonds» zu vermeiden, indem die kollektiven Anlageentscheide nicht in einer offenen Diskussion wie bei Investmentclubs gepoolt werden, sondern über elektronische Plattformen. Im Ausland gibt es solche Anlagevehikel seit mehreren Jahren – mangels Interesse und Erfolg sind unterdessen viele wieder verschwunden (siehe Textbox).

Mehr Popularität ist dem Social Trading beschieden, das klar von Crowd Investing abzugrenzen ist. Während bei Letzterem jeder seine Anlagemeinung einbringt, steht beim Social Trading die Meinung einzelner Anleger im Vordergrund. Diese legen ihre Investments und Strategien offen und lassen andere daran partizipieren. Ein Beispiel ist die Online-Plattform Wikifolio mit Abertausenden von Portfolios, die mittels handelbarer Zertifikate abgebildet und für die Allgemeinheit investierbar gemacht werden. Mehr als 1800 dieser strukturierten Produkte sind für den Vertrieb in der Schweiz zugelassen.

Das Gesetz der grossen Zahlen: Das Experiment mit dem Ochsen

Social Trading scheint der Schwarmintelligenz zu widersprechen: Warum soll die Anlegermasse auf Einzelne hören, wenn sie gemäss dem Konzept der «wisdom of the crowd» doch angeblich über eine überragende kollektive Intelligenz verfügt?

Hinter der «wisdom of the crowd» steht ein statistischer Effekt: Je grösser die Gruppe, desto besser der Durchschnittswert aller Schätzungen. Mathematiker nennen diese Tatsache «das Gesetz der grossen Zahlen». Eindrücklich zeigte dies der Forscher Francis Galton, der 1907 die Besucher einer Viehmesse das Gewicht eines Ochsen schätzen liess. Obwohl die einzelnen Schätzungen zum Teil stark differierten, wich der Mittelwert weniger als 1 Prozent vom tatsächlichen Gewicht ab. Das Gesetz der grossen Zahlen bringt also eine verblüffende Annäherung an den Mittelwert – aber auch ans Mittelmass. Wer dagegen bewusst ausserordentliche Anlagestile und -chancen sucht, setzt auf Einzelexpertise wie beim Social Trading. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, so eine Performance zu erzielen, die vom Durchschnitt abweicht. Das kann allerdings sowohl nach oben als auch nach unten der Fall sein.

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