Wie sich die Duration auf den Kurs Ihrer Anleihen auswirkt

Wenn Sie in Obligationen bzw. in Obligationenfonds investiert sind, gibt es eine Kennziffer, die Sie kennen sollten: Duration. Sie hilft abzuschätzen, wie stark der Kurs Ihrer Obligationenanlage schwanken wird, wenn sich die Zinsen nach oben oder unten bewegen. Je höher die Duration, desto empfindlicher reagiert eine Obligationenanlage auf Zinsveränderungen.

Viele Faktoren beeinflussen die Preise von Obligationen, einer davon ist das Zinsniveau. Ob Zinsbewegungen durch Massnahmen einer Notenbank, aufgrund von Konjunkturindikatoren oder Inflationsängsten verursacht werden, die Auswirkungen auf eine Obligation sind üblicherweise stets die Gleichen: Bei steigenden Zinsen fallen die Kurse der Anleihen, bei sinkenden Zinsen steigen die Obligationenkurse. Weshalb aber tendieren Anleihenkurse und Zinssätze in entgegengesetzte Richtung?

Obligationen zählen zu den festverzinslichen Wertpapieren und dienen der Kapitalanlage. Üblicherweise zahlt eine Obligation für eine fixe Laufzeit einen fixen Zins. Die Laufzeit der Obligation drückt die Länge der Zeit aus, bis das Kapital zurückgezahlt werden muss. Bei einer zehnjährigen Obligation beispielsweise erhält man ab dem Emissionsdatum zehn Jahre lang jährlich Zinsen. Am Laufzeitende erhält der Obligationenhalter das Kapital zurück, während die Zinszahlungen eingestellt werden. Angenommen, Sie haben eine Obligation für 10 000 Franken mit einem fixen Zinscoupon von 4 Prozent und einer Laufzeit von 10 Jahren gezeichnet, dann erhalten Sie während der Laufzeit 400 Franken Zinsen pro Jahr und am Ende der Laufzeit bzw. beim Verfall den Nennwert (10 000 Franken) zurück.

Wenn die Marktzinsen nun aber plötzlich steigen, könnte eine neu ausgegebene Obligation, die der ursprünglichen Anleihe sehr ähnlich ist, einen Zinscoupon von 5 Prozent tragen und jährlich 500 Franken Zinsen zahlen. Ihre Anleihe ist also im Vergleich zu der neu emittierten Obligation weniger attraktiv. Grund dafür ist, dass der Zinscoupon Ihrer Obligation nun unter dem Marktzins liegt. Also sinkt der Marktwert Ihrer Anleihe, um sie in Einklang mit der Rendite der 5-Prozent-Coupon-Obligation zu bringen.

Einige Obligationen reagieren empfindlicher auf eine Zinsbewegung als andere.

Die Anleihenrendite entspricht dem Gesamtertrag, wenn man die Anleihe heute kauft und bis zum Verfall hält. Sie berücksichtigt nicht nur die Coupons, sondern auch die zu erwartenden Kursgewinne bzw. -verluste. Bei steigenden Zinsen fallen die Preise von Obligationen. Die vom tiefen Niveau aus zu erwartenden Kursgewinne bis zum Verfall kompensieren den Nachteil, dass der Coupon nun unter dem Marktzinsniveau liegt. Entsprechend verhält es sich im umgekehrten Fall – mit dem Unterschied, dass bei einem Zinsrückgang Ihre Obligation attraktiver wird und der Preis daher steigt.

Obligationen mit gleicher Bonität sind indes nicht identisch, und einige Anleihen reagieren empfindlicher auf eine Zinsbewegung als andere. Eine zehnjährige Anleihe beispielsweise ist mit einem höheren Zinsänderungsrisiko behaftet als eine fünfjährige, da das Kapital über einen längeren Zeitraum gebunden ist. Zur Kompensation des Zinsrisikos bieten daher langfristige Anleihen in der Regel eine höhere Rendite als kurzfristige Anleihen gleicher Bonität.

Doch wie lässt sich messen, wie sensitiv eine Obligationenanlage auf Zinsbewegungen reagiert? Hier kommt die Duration ins Spiel. Diese Kennzahl fasst mehrere Obligationenmerkmale (wie Verfallsdatum, Couponzahlungen usw.) zu einer einzigen Zahl zusammen.

Im Gegensatz zur Laufzeit einer Obligation ist die Duration einer Anleihe ein abstrakter Begriff. Die einfache Duration drückt den Zeitraum aus, den ein Investor (im Mittel gerechnet) bis zum Erhalt der Rückflüsse aus der Anlage warten muss. Die Duration ist jeweils kürzer als die Restlaufzeit einer Obligation, und zwar aus dem Grund, weil sich durch zwischenzeitliche Zinszahlungen auf das angelegte Kapital die Amortisationsdauer verkürzt. Bei sogenannten Null-Coupon-Anleihen (Zerobonds) indes entspricht die Duration der Laufzeit, da die Zinszahlungen erst am Ende der Laufzeit anfallen.

Wichtig ist die Duration vor allem für Anleger, die ihre Anleihen vor der Fälligkeit verkaufen wollen. Wenn Sie für 10 000 Franken eine zehnjährige Anleihe mit einem fixen Zinscoupon von 4 Prozent kaufen, erhalten Sie 400 Franken Zinsen pro Jahr und nach zehn Jahren die investierten 10 000 Franken zurück – unabhängig davon, was mit den Zinssätzen passiert. Wenn Sie diese Anleihe jedoch vor Fälligkeit verkaufen, wird der Kurs Ihrer Obligationen durch Zinsänderungen beeinflusst.

Die sogenannte Macaulay Duration stellt die durchschnittliche Restlaufzeit aller Zahlungsströme einer Obligationenanlage dar. Diese Kennzahl zeigt an, wie lange das Kapital durchschnittlich gebunden ist. Ihre Masseinheit sind Jahre. Die Macaulay Duration gibt den Zeitraum an, zu welchem sich der Kurseffekt und der Couponeffekt (Reinvestition der Ausschüttungen zu veränderten Marktzinsen) bei verändernden Zinsen die Waage halten. Entspricht die Duration dem Anlagehorizont, ist man gegen Zinsveränderungen abgesichert. Es ist deshalb wichtig, dass der Anleger die Duration mit dem Anlagehorizont abgleicht.

Je höher die Duration einer Anleihe bzw. eines Obligationenfonds ist, desto mehr sinkt der Wert bei steigenden Zinsen – und umgekehrt.

Die Modified Duration, die aus der Macaulay Duration abgeleitet wird, misst hingegen die Elastizität des Anleihekurses vom Marktzins. Die Modified Duration ist ein approximatives Konzept, dem vereinfachende Annahmen betreffend Zinsstruktur (flach) und -veränderung (Parallelverschiebung) zugrunde liegen. Technisch gesehen drückt diese Kennziffer das Zinsänderungsrisiko einer Anleihenanlage aus. Sie stellt dar, wie sensitiv der Kurs einer Obligation oder eines Obligationenfonds auf eine Zinsänderung von 1 Prozentpunkt reagiert.

In der Regel ändert sich der Kurs einer Anleihe bei einer Zinsbewegung von 1 Prozentpunkt für jedes Jahr der Laufzeit um etwa 1 Prozentpunkt in die entgegengesetzte Richtung (vgl. dazu untenstehenden Textkasten). Bei einem Zinsanstieg von 1 Prozentpunkt beispielsweise würde eine Anleihe oder ein Obligationenfonds mit einer durchschnittlichen Restlaufzeit von fünf Jahren wahrscheinlich etwa 5 Prozent seines Wertes verlieren. Als Faustregel können Sie sich merken: Je höher die Duration einer Anleihe bzw. eines Obligationenfonds ist, desto mehr sinkt der Wert bei steigenden Zinsen – und umgekehrt.

Verdeutlichen wir das an einem Beispiel: Angenommen, Sie haben eine Anleihe mit einer Restlaufzeit von fünf Jahren und einem Coupon von 4 Prozent. Die Marktzinsen betragen derweil 5 Prozent. Somit fehlt Ihnen jedes Jahr ein Prozentpunkt zur Marktrendite. Um dies auszugleichen, müssten Sie einen Kursgewinn von 5 Prozentpunkten erzielen. Der Kurs der Obligation müsste also bei 95 Prozent liegen.

Nur weil die Duration einer Anleihe oder eines Obligationenfonds niedrig ist, bedeutet das aber nicht, dass die Investition risikofrei ist.

Anleihen mit langen Laufzeiten und niedrigen Coupons haben die längste Duration. Solche Anleihen reagieren am empfindlichsten auf eine Veränderung der Marktzinsen, entsprechend volatil sind sie in einem sich verändernden Zinsumfeld. Umgekehrt haben Obligationen mit kürzeren Laufzeiten oder höheren Coupons eine kürzere Duration. Anleihen mit kürzeren Laufzeiten reagieren weniger sensitiv auf Zinsänderungen und sind daher in einem sich ändernden Zinsumfeld weniger volatil.

Die Duration ist somit ein sehr nützliches Instrument für den Aufbau von Anleihenportfolios und die Risikosteuerung. Wenn sich der Zinsausblick eines Portfoliomanagers ändert, kann er beispielsweise die durchschnittliche Duration des Portfolios durch Änderungen der Bestände im Portefeuille an seine Zinsprognose anpassen. Diese Anpassungen können entweder für das gesamte Portfolio oder für ein bestimmtes Segment innerhalb des Portfolios vorgenommen werden. Rechnet ein Fondsmanager mit steigenden Zinsen, ist es sinnvoll, sich stärker auf Anleihen mit kürzerer Laufzeit (d.h. mit geringerem Zinsrisiko) zu konzentrieren. Erwartet er dagegen, dass die Zinsen während der Laufzeit der Anleihe sinken, wären Obligationen mit längerer Laufzeit attraktiv, da der Wert der Anleihen stärker steigen würde als bei vergleichbaren Obligationen mit kürzerer Laufzeit.

Nur weil die Duration eines Obligationenfonds niedrig ist, bedeutet das aber nicht, dass die Investition risikofrei ist. Neben dem Durationsrisiko unterliegen Anleihen und Obligationenfonds dem Inflationsrisiko, dem Ausfallrisiko und anderen Risikofaktoren. Die Duration eines Anleihenportfolios oder eines Anleihenfonds verändert sich auch permanent, da sich die Restlaufzeit der gehaltenen Anleihen täglich verkürzt, Anleihen fällig werden und die Zinsen schwanken. Risikostreuung und Rebalancing ist für den langfristigen Anlageerfolg sehr wichtig, aber nicht so einfach. Die Fondsprofis der Migros Bank übernehmen das in unseren Anlagelösungen gerne für Sie.

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