Rohstoffpreise in der Korrektur

Nachdem die Preise für Rohstoffe zu Beginn des Jahres immer luftigere Höhen erklommen, hat der Wind in den letzten Wochen gedreht. Grund sind die zunehmenden Rezessionssorgen.

Anfang März markierte der Preis für eine Tonne Kupfer bei rund 10’600 Dollar ein neues Allzeithoch. Die hohe Nachfrage im post-pandemischen Wirtschaftsaufschwung in Kombination mit Angebotsknappheit infolge der globalen Lieferengpässe liessen den Preis für eines der wichtigsten Industriemetalle in den ersten Monaten des Jahres stark steigen. Vor zwei Wochen ist der Kupferpreis nun zum ersten Mal seit 18 Monaten wieder unter die Marke von 8000 Dollar gefallen – und hat sich seither nicht wieder erholt. Aktuell wechselt eine Tonne Kupfer für etwas mehr als 7500 Dollar den Besitzer.

Ähnlich sieht das Bild bei anderen wichtigen Industriemetallen wie beispielsweise Aluminium, Eisenerz oder Stahl aus: Alle gerieten in den vergangenen Wochen stark unter Druck. Diesem Abwärtsdruck nicht entziehen konnten sich auch die Preise anderer Rohstoffe, welche lange Zeit als zentraler Treiber der Inflation fungierten. So ist beispielsweise der Preis der Rohölsorte Brent am Dienstag unter die Marke von 100 Dollar pro Fass gefallen – noch im März notierte Brent nur knapp unter 140 Dollar. Dieser Preiszerfall wird sich positiv auf die Inflationsproblematik auswirken; er spiegelt aber auch die deutlich gestiegenen Konjunkturrisiken.

Rohstoffe als wichtiges Konjunkturbarometer

Im Börsenjargon wird Kupfer gerne als «Doctor Copper» bezeichnet. Gemeint ist damit die dem Preis des Metalls nachgesagten Fähigkeiten, gewissermassen der globalen Konjunktur den Puls nehmen zu können. Kupfer ist ein unverzichtbarer Bestandteil weiter Teile der industriellen Produktion. In diesem Sinn darf die ausgeprägte Kurskorrektur bei einem der wichtigsten Industriemetalle – und anderer Rohstoffe – durchaus als Vorbote einer sich zunehmend abkühlenden globalen Wirtschaft interpretiert werden.

Galt die Sorge der Anleger*innen im Anschluss an den Kriegsausbruch in der Ukraine noch vermehrt der ausufernden Inflation, prägen inzwischen die Befürchtungen eines bevorstehenden Wachstumseinbruchs die Märkte. In vielen Regionen ist das Risiko einer Rezession in den letzten Wochen deutlich gestiegen – nicht zuletzt in Europa, wo insbesondere eine Verschärfung der aktuellen Gaskrise die Konjunktur stark einzutrüben droht. Aber auch andernorts mehren sich die Anzeichen für einen zunehmenden konjunkturellen Gegenwind: In China drohen erneute Lockdowns das wirtschaftliche Umfeld einzutrüben. In den USA zeigen sich angesichts des inflationsbedingten Kaufkraftverlusts erste Anzeichen von Zurückhaltung bei den Konsumausgaben und den Unternehmensinvestitionen. Das Fed dürfte angesichts des noch immer heisslaufenden Arbeitsmarkts weiterhin die Inflationsbekämpfung über eine allfällige Stützung der Konjunktur stellen – das birgt nach wie vor die Gefahr, dass eine sanfte Landung der US-Wirtschaft nicht gelingen wird.

The chart shows the significant decline in commodity prices since June 2022, as measured by the Bloomberg Commodity Index.
Wachstumssorgen lasten auf den Rohstoffpreisen.

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