Im Bann der Corona-Pandemie

Im Zuge der Corona-Krise sind die Aktienmärkte so stark eingebrochen wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Der Schaden für die Weltwirtschaft ist trotz umfangreicher Hilfsmassnahmen durch Notenbanken und Regierungen immens. Sobald sich Anzeichen einer nachhaltigen Eindämmung der Pandemie zeigen, wird die Wirtschaft jedoch wieder Tritt fassen und die Märkte werden sich erholen.

In den ersten Wochen des Jahres unterschätzten die Anleger die Auswirkungen des Coronavirus noch massiv. Die Aktienmärkte markierten Allzeithöchststände, während in China ganze Regionen hermetisch abgeriegelt wurden. Umso brachialer brach der Sturm über den Finanzmärkten los, als klar wurde, dass sich die rasche globale Ausbreitung des Virus nicht stoppen liess und massive Einschränkungen des öffentlichen Lebens notwendig sein würden, um die Pandemie einzudämmen.

An den Aktienmärkten erfolgte ein historischer Kurseinbruch und die Volatilität erreichte ein Niveau, das zuvor einzig auf dem Höhepunkt der Finanzkrise verzeichnet wurde. Die um sich greifende Panik erfasste zeitweise selbst sicher geglaubte Häfen wie Staatsanleihen und Gold.

Massive Nothilfe durch Notenbanken und Regierungen

Die Notenbanken fluteten die Märkte mit dringend benötigter Liquidität und verhinderten damit einen Kollaps des Finanzsystems. Umfang und Art der geldpolitischen Nothilfe übertreffen selbst die aus der Finanzkrise bekannten Rettungsmassnahmen. Die Hilfspakete werden mittelfristig zur Beruhigung an den Börsen beitragen und eine wichtige Rolle in der kommenden Erholung spielen.

Ebenso zentral sind die Rettungsschirme der Regierungen und internationalen Organisationen. Die umfangreichen Hilfsmassnahmen werden die Auswirkungen der Krise auf die Wirtschaft abfedern. Sie werden eine Rezession nicht verhindern – aber die Schäden in der Realwirtschaft mindern.

Unseres Erachtens werden die Folgen der Corona-Pandemie aber tendenziell unterschätzt. In den USA schiessen die Fallzahlen steil nach oben. Und es bleibt zu befürchten, dass die Corona-Welle auch die Schwellenländer stark in Mitleidenschaft ziehen wird. Diese haben weniger finanziellen Spielraum für Rettungspakete und teilweise auch eine schlechtere medizinische Grundversorgung.

Wie schnell lässt sich die Pandemie eindämmen?

Wie es weitergeht, hängt vor allem davon ab, wie schnell sich die Pandemie in einem Mass eindämmen lässt, dass die Schutzmassnahmen für die Bevölkerung deutlich gelockert werden können und die Wirtschaft wieder in die Gänge kommt.

Um eine weitgehende und anhaltende Normalisierung des gesellschaftlichen Lebens und der Wirtschaftstätigkeit zu erreichen, sind Fortschritte in der Diagnose und der Behandlung der Krankheit von zentraler Bedeutung. Ausserdem gilt es, durch das konsequente Anwenden von Contact Tracing und Quarantänemassnahmen weitere Ansteckungswellen zu verhindern oder zumindest einzuschränken. Voraussetzung dafür sind breit angelegte Tests in der Bevölkerung. Die verbesserte Behandlung Erkrankter könnte das strapazierte Gesundheitssystem entlasten.

Wirtschaftliche Erholung in der zweiten Jahreshälfte

Wir gehen davon aus, dass sich die Pandemie durch die angesprochenen Massnahmen in den nächsten Monaten eindämmen lässt, und spätestens im Herbst der grösste Teil der Einschränkungen des öffentlichen Lebens aufgehoben sein wird. Dann sollte die Wirtschaft wieder auf den Wachstumskurs einschwenken und aufgrund von Nachholeffekten in den folgenden Quartalen deutlich expandieren.

Die Finanzmärkte werden in den nächsten Wochen nervös bleiben – erneute Kurstaucher an den Aktienmärkten sind wahrscheinlich, denn das Virus breitet sich weiterhin rasant über den Globus aus. Sobald sich aber Anzeichen einer nachhaltigen Eindämmung der Pandemie abzeichnen, dürfte sich an den Börsen ein Boden bilden.

Migros Bank bleibt vorerst vorsichtig

Die Migros Bank hat Anfang März auf das sich rasant verschlechternde Umfeld reagiert und die Aktienquote deutlich reduziert. Der Zeitpunkt für eine Erhöhung der Aktienquote erscheint uns indes noch nicht reif. Mit sich verdichtenden Anzeichen einer Bodenbildung an den Aktienmärkten, werden wir selektive Zukäufe ins Auge fassen. Dabei fokussieren wir auf Unternehmen mit einwandfreier Kapitalstruktur und solidem Liquiditätspolster. Eine Umschichtung von defensiven Werten hin zu Zyklikern erscheint uns erst dann sinnvoll, wenn sich Umfang und Dauer der kommenden Rezession präziser abschätzen lassen.

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