Die Anlagepolitik der Migros Bank im 2017

Nach einem teils turbulenten Börsenjahr wagt Markus Wattinger, Leiter Investment Office der Migros Bank, einen Ausblick auf das, was wir im neuen Jahr von den internationalen Finanzmärkten erwarten dürfen und erklärt, warum Aktien noch immer den Obligationen zu bevorzugen sind.

2016: Turbulentes Jahr der grossen Überraschungen

Das vergangene Jahr an den globalen Finanzmärkten stand ganz im Zeichen der grossen politischen Überraschungen: Nachdem sich die Märkte bis zum Sommer vom katastrophalen Start ins Jahr erholt hatten, folgte mit dem überraschenden Brexit-Votum des britischen Stimmvolks die nächste Hiobsbotschaft. Erstaunlicherweise verdauten die Anleger auch dieses Ereignis relativ schnell – genauso wie die von den Auguren in keiner Weise prognostizierte Wahl Donald Trumps zum neuen US-Präsidenten. Entgegen den Erwartungen vermochte die Wahl Trumps gar eine Dynamik auszulösen, welche in einem beispiellosen Zinsanstieg und einer Herbstrally an den Aktienmärkten mündete. Die Renditen stiegen quasi über Nacht markant an und die globalen Aktienmärkte kletterten unter der Führung der US-Märkte zu neuen Jahreshöchstständen. Was war passiert?

Das Comeback der Fiskalpolitik weckt Konjunkturhoffnungen für 2017

Die Wahl Trumps weckte bei den Anlegern die Hoffnung auf eine deutliche Beschleunigung des Reflationsprozesses und liess die Inflationserwartungen frappant ansteigen – die Zinsanstiege sind vor diesem Hintergrund zu interpretieren. Unter der Administration Trump soll es zu einer Renaissance der expansiven Fiskalpolitik kommen: Tiefere Steuern, höhere Staatsausgaben und weniger Regulation sollen das Wachstum in den USA befeuern und den laufenden Konjunkturzyklus verlängern. Angesichts des kerngesunden Arbeitsmarkts und einer rigideren Aussenhandelspolitik dürften diese Massnahmen die ohnehin schon zum Leben erwachte Inflation weiter antreiben und wohl über den Zielwert des Fed heben. Noch sehen wir hinter den Wirtschaftsplänen Trumps viele Fragezeichen bezüglich der konkreten Umsetzung, allerdings stehen die Chancen auf die Rückkehr einer wirtschaftsfreundlicheren Fiskalpolitik angesichts des republikanisch dominerten Kongresses nicht schlecht.

Globale Konjunktur sollte auch profitieren

Im Schlepptau der amerikanischen Konjunkturlokomotive sollte sich schliesslich auch das globale Wachstum merklich beschleunigen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die US-Aussenhandelspolitik unter Trump nicht übermässig protektionistisch ausgerichtet und damit zum Bremsklotz des globalen Wachstums wird. Davon gehen wir zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht aus.

Daneben dürfte auch die anhaltende Erholung grosser Schwellenländer einen positiven Beitrag zum weltweiten Wirtschaftswachstum leisten. Schwergewichte wie Brasilen und Russland sollten 2017 den Weg aus der Rezession finden und erstmals wieder positive Wachstumsbeiträge leisten. In diesem Zusammenhang spielt auch die fortschreitende Erholung der Rohstoffmärkte eine entscheidende Rolle: Rohstoffexporteure sollten vom höheren Preisniveau profitieren, während dieses für die asiatischen Länder als Nettoimporteure tendenziell eher einen konjunkturellen Gegenwind darstellt. Allgemein wird die Region Asien weiterhin von der persistenten Wachstumsschwäche Chinas gebremst. Zwar mehren sich die Zeichen einer konjunkturellen Aufhellung in China, für 2017 bleiben wir aber zurückhaltend, was das chinesische Wachstum anbelangt.

Auch die Konjunkturentwicklung in Europa dürfte unserer Meinung nach nur eine beschränkte Dynamik aufweisen. Hier fehlt derzeit noch der politische Wille, die Konjunktur mit einer expansiven Wirtschaftspolitik zu unterstützen – auch aufgrund der noch immer hohen Staatsverschuldung gewisser Regionen. Daneben dominieren in Europa 2017 die politischen Risiken in Form wichtiger Wahlen in Frankreich, den Niederlanden und Deutschland und könnten zwischenzeitlich für eine gewisse Verunsicherung an den Märkten sorgen.

Aktienmärkte mit Potential

Im Umfeld einer expandierenden Konjunktur sollten sich auch die weltweiten Aktienmärkte positiv entwickeln. Zentraler Treiber für die Risikopapiere dürften im Jahresverlauf aber die steigenden Unternehmensgewinne sein. Nach einer sich über mehrere Quartale hinziehenden Gewinnrezession erwarten wir 2017 endlich wieder anziehende Unternehmensgewinne in den USA, aber auch weltweit. Hauptgrund für diese positive Entwicklung ist die Erholung im Energiesektor aufgrund des auf höherem Niveau stabilen Ölpreises, sowie bei den Finanzwerten. Diese sollten von einer Ausweitung der Zinsmarge ebenso profitieren, wie von einer Redimensionierung des regulativen Apparats in den USA.

Aber auch die in grossen Teilen der Welt weiterhin höchst expansive Geldpolitik sollte ihren Teil zu den erwarteten Kursgewinnen an den Aktienmärkten beitragen. Zwar dürfte die moderate geldpolitische Straffung im Jahresverlauf in den USA die Kursanstiege der US-Aktien etwas begrenzen, in Europa und Japan hingegen erfreuen sich die Risikopapiere nach wie vor uneingeschränkter Unterstützung durch die Notenbanken.

Trotz gestiegener Zinsen bleiben Aktien gerade im Vergleich mit Obligationen auch 2017 attraktiv, wie ein Blick auf die noch immer stattliche Risikoprämie verrät. Zudem bleiben die Dividendenrenditen auch im neuen Jahr im historischen Vergleich hoch und tragen damit viel zur relativen Attraktivität von Aktien bei. Angesichts des positiven Umfelds geben wir uns optimistisch, was die mittelfristige Entwicklung der Beteiligungspapiere angeht und halten an unserer taktischen Übergewichtung von Aktien fest.

Obligationen bleiben wenig attraktiv

Dagegen scheinen uns die Obligationen – trotz gestiegener Zinsen – nicht zuletzt für langfristig orientierte Anleger weiterhin unattraktiv. Wenig hat sich gerade im CHF-Segment an der Situation geändert, dass der Anleger für das eingegangene Risiko nicht gebührlich entschädigt wird. Noch immer ist er gezwungen, für qualitativ hochwertige Titel mit verantwortbarem Zinsänderungsrisiko negative Renditen in Kauf zu nehmen. An dieser Situation dürfte sich im Jahresverlauf angesichts der anhaltend lockeren Geldpolitik der EZB und der SNB mindestens in der Eurozone und der Schweiz nur wenig ändern. Wir behalten deshalb unsere taktische Untergewichtung bei den Obligationen bei.

Devisenmärkte im Banne des US Dollar

Die seit Mitte 2016 anhaltende Dollarstärke dürfte auch 2017 im Zentrum der Entwicklung an den Devisenmärkten stehen. Aufgrund des Zinsvorteils gegenüber den global wichtigsten Währungen und mit Blick auf die Dynamik des Reflationsprozesses sowie der erwarteten Konjunkturbeschleunigung in den USA gibt es derzeit wenig Gründe, welche für ein Ende des Aufwertungsdrucks auf den Dollar sprechen.

Im Gegensatz dazu dürfte der Euro 2017 weiterhin unter einem gewissen Abwertungsdruck stehen. Sowohl die noch immer harzige Inflationsentwicklung, als auch die weiterhin höchst lockere Geldpolitik sorgen dafür, dass der Euro mittelfristig nur wenig Aufwärtspotential hat. Dazu gesellen sich die angesprochenen politischen Risiken, welche die europäische Gemeinschaftswährung im Verlauf des Jahres immer wieder unter Druck setzen dürften.

Also Folge dieser anhaltenden Euro Schwäche dürfte auch der Schweizer Franken 2017 unter gewissem Aufwertungsdruck bleiben. Dies gilt vor allem gegenüber dem Euro, während er gegenüber dem USD tendenziell schwächer notieren dürfte. Wenig sollte sich damit auch an der geldpolitischen Ausrichtung der SNB ändern, welche den Fokus weiterhin auf einen stabilen Wechselkurs des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro legt: Die SNB wird unserer Meinung nach an ihrer bewährten 2-Säulen-Strategie festhalten und neben der Aufrechterhaltung der negativen Zinsdifferenz zur Eurozone weiterhin auf gezielte Devisenmarktinterventionen setzen, um eine markante Aufwertung der Schweizer Währung gegenüber dem Euro zu unterbinden.

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5 Kommentare zu Die Anlagepolitik der Migros Bank im 2017

  1. Ich wäre da etwas vorsichter mit der Euforie.Hr. Trump ist auf bestem Wege den Handel abzuwürgen mit seinen Vorhaben. Ein Beispiel: Wallmarkt hat viele Artikel die nicht in den USA fabriziert werden, ist aber ein Riesenkonzern, weltweit tätig und beschäftigt tausende MitarbeiterInnen. Wenn nun Trump die Steurn auf Artikel aus dem Ausland anhebt, werden rund 80% der Artikel einiges teurer und die Leute leisten sie sich nicht mehr. Die Verkäufe gehen zurück und das Resultat ist dass Wallmarkt Angestellte entlassen muss. Die Leidtragenden sind also die „kleinen“ Leute. Trump ist kein Wohltäter für die USA und ihre Firmen und wenn er mit dem Starttempo weiter macht, werde das seine Landsleute sehr schnell merken….

  2. Interessante und offene Darstellung der Situation. Es ist ehrlicher auf schwer definierbare Gegebenheiten hinzuweisen als sog. Oberexperte Voraussagen und Empfehlungen zu publizieren die bei genauerem hinsehen freies Wunschdenken zeigen. Auch das hilft Anlageentscheidungen zu treffen!

    1. Sehr geehrte Damen & Herren ,
      ich habe mal ne frage könnte man da auch weniger Geld einzahlen .

      Freundliche Grüsse
      Meierreinke Thomas

  3. „Obligationen bleiben wenig attraktiv“ es kommt immer auf den Investitionshorizont an und auf die Risiken. In diesem Beitrag wurde dies total vernachlässigt (sehr schlecht für eine Bank).
    Untern dem Titel „Die Anlagepolitik der Migros Bank im 2017“ wurden diverse Themen beschrieben. Leider, langatmig, nicht zielgerichtet, wischiwaschie. Schlussendlich, was soll der Leser daraus ziehen? Eigentlich nichts, ist nur eine Zeitverschwendung resp. Migrosbank versucht gewisse Themen in Ihre Richtung zu lenken. Schade !!!!!

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