Rund ums Geld

Der Sparplan ist eine echte Alternative zum Sparkonto

Aufgrund der tiefen Zinsen taugt das Sparkonto nicht mehr für den langfristigen Vermögensaufbau. Mit dem Sparplan gibt es aber eine Alternative.

Als Sparer werden Sie mir bestätigen, dass es in Anbetracht des gegenwärtigen Zinsniveaus nicht viel bringt, Geld in Kontoform anzulegen. Denn der bei der Kapitalakkumulation so wichtige Zinseszinseffekt kann unter diesen Umständen nicht für den Sparer arbeiten. Zinseszinseffekt bedeutet, dass jeweils nicht nur das einbezahlte Kapital verzinst wird, sondern auch die in der Vergangenheit erzielten Zinserträge selber. Tendiert die Kontoverzinsung gegen null, wie dies heute der Fall ist, gibt es kaum Zinserträge, und schon gar keine Zinserträge auf die Zinserträge der Vergangenheit. Das langfristige Anlegen via Sparkonto ist unter diesen Umständen keine lohnenswerte Form des Vermögensaufbaus.

Zinseszinseffekt
Der Zinseszinseffekt ist umso ausgeprägter, je länger der Anlagedauer ist und je höher das Anlagevermögen verzinst wird. In der Grafik zeigt sich dies durch die zunehmende Steigung der Kurve, welche die Entwicklung des Anlagevermögens über die Zeit zeigt. Ausgehend von einem Anlagevermögen von 10’000 Franken zu Beginn werden über eine Anlagedauer von 20 Jahren Zinssätze von 1, 3 und 5% unterstellt.

Doch gibt es attraktive Alternativen zum Kontosparen. Wer kontinuierlich in einen Sparplan investiert, darf sich langfristig Hoffnung auf ein ansehnliches Vermögen machen, und dies bei bescheidenen periodischen Einzahlungen.

Reich wird man nicht durch das, was man verdient, sondern durch das, was man nicht ausgibt.

Nach diesem Motto des US-Autopioniers Henry Ford funktioniert der Sparplan. Bei monatlichen Einzahlungen von 100 Franken und der jährlichen Rendite von 6.6%, welche der Schweizer Aktienmarkt (SPI) im Schnitt erzielt hat, hätte über die letzten 20 Jahre ein Betrag von 41’500 Franken «angespart» werden können. Nebenbei – einbezahlt wurden in dieser Zeit nur 24’000 Franken. Die Differenz wäre ihr Anlageerfolg gewesen. Vergleichsweise bescheiden präsentiert sich der Stand des Sparkontos mit 28’000 Franken.

Vermögensaufbau mittels Sparkonto vs. Aktien
So haben sich monatliche Einzahlungen von 100 Franken entwickelt, wenn sie in den letzten 20 Jahren auf ein Sparkonto oder in den Schweizer Aktienmarkt geflossen sind.

Aber sind solche Investitionen in Aktien etwas für Kleinanleger? Sicher!

Wenn sie regelmässig und langfristig in Aktien investieren, im Idealfall sprechen wir hier von monatlichen Einzahlungen von der Geburt bis zur Erreichung des Erwachsenenalters eines Kindes, müssen eigentlich nur zwei Aspekte berücksichtigt werden: die Kosten und die Diversifikation. Eine gute Diversifikation ist dann gegeben, wenn die zu investierende Anlagesumme auf eine Vielzahl von Wertpapieren aufgeteilt wird. Damit ist das Anlagevermögen breit abgestützt und die negative Entwicklung eines einzelnen Wertpapieres hat kaum Einfluss auf das Anlageergebnis. Den Kosten für die diversifizierte Anlagelösung muss ebenfalls Beachtung geschenkt werden. Denn grundsätzlich gilt: Die Kosten schmälern den Anlageerfolg.

Mit einem Sparplan haben Sie die Möglichkeit, zu fairen Kosten in eine diversifizierte Anlagelösung zu investieren. Um den oft zitierten richtigen oder falschen Einstiegszeitpunkt bei Aktien müssen Sie sich nicht sorgen. Dieser spielt in diesem Fall eine zu vernachlässigende Rolle. Denn die Vielzahl unterschiedlicher Einstiegspunkte durch die periodischen Einzahlungen bewirkt automatisch eine «zeitliche» Diversifikation. In diesem Zusammenhang wird auch vom Durchschnittskosteneffekt gesprochen (vgl. Box).

Viel wichtiger als der Durchschnittskosteneffekt ist jedoch das Verhindern prozyklischen Verhaltens.

Wir Anleger tendieren dazu, dem allgemeinen Markttrend zu folgen. Das heisst, wir kaufen beispielsweise Aktien bei steigenden Kursen und verkaufen sie wieder bei sinkenden Notierungen. Damit handeln wir prozyklisch und investieren im Extremfall dann, wenn die Preise bereits Höchststände erreicht haben, und trennen uns panikartig von Wertpapieren, wenn Märkte im Fallen begriffen sind. Dies ist eine denkbar schlechte Strategie, um erfolgreich zu investieren. Gefragt wäre vielmehr eine antizyklische Strategie, also der Kauf von Wertpapieren zum günstigsten Preis und der Verkauf zum höchsten Preis. Hierbei stehen uns jedoch unsere Emotionen im Weg. Diese verhindern ein antizyklisches Vorgehen, da wir nicht im Stande sind, in einer Krisensituation zu kaufen beziehungsweise in der grössten Euphorie zu verkaufen.

Da wir es ganz offensichtlich nicht schaffen, antizyklisch zu handeln, ja im Gegenteil eine Tendenz zum nachteiligen zyklischen Verhalten haben, muss man zum Schluss kommen, dass Timing beim Investieren unterlassen werden sollte und damit nicht als Teil der persönlichen Anlagestrategie betrachtet werden darf.

Gerade wenn es darum geht, schlechtes Timing beim Investieren zu verhindern, kann der Sparplan seine Vorteile ausspielen. Denn zyklisches Verhalten spielt beim Sparplan keine Rolle, indem der Anleger die Emotionen beiseite lässt und stur nach Plan investiert.

Frei nach dem Motto: «Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht» wird das Sparkonto trotz der unattraktiven Zinssituation weiterhin bevorzugt.

Gegen das Aktiensparen wird mit möglichen Börsencrashes argumentiert, die zu starken Kursverlusten führen können. Ein solches Kursbild kann in der Tat auftreten, allerdings nur als Momentaufnahme. So waren in den vergangenen 20 Jahren durchaus einschneidende Börsenkorrekturen und Krisen zu verdauen. Davor wäre auch unser Sparplan, der in den Schweizer Aktienmarkt investiert, nicht verschont geblieben. Doch lediglich während der Finanzkrise im Jahr 2008 musste eine grössere negative Wertveränderung im Umfang von 6’000 Franken hingenommen werden.

Jährliche Wertveränderung des Sparplan
Die Grafik zeigt die jährliche Wertveränderung des Sparplans, unter der Annahme einer Investition in den Schweizer Aktienmarkt (SPI) und monatlicher Einzahlungen im Umfang von 100 Franken während der Anlagedauer von 20 Jahren.

In der Folge wurde der in der Finanzkrise erlittene Verlust jedoch rasch wettgemacht. Und mehr noch: In den vergangenen Jahren konnte der Sparplan von der positiven Börsenstimmung profitieren, wodurch das Anlagevermögen weiter aufgebaut wurde. Phasen mit negativen Börsenkursen und entsprechenden Wertminderungen wird es immer geben. Diese sind auszuhalten. Doch mit Fokus auf das grosse Ganze, nämlich den langfristigen Vermögenaufbau, lassen sich zwischenzeitliche Verluste besser ertragen. Dieses Ziel kann am besten mit Aktieninvestitionen via Sparplan erreicht werden.

Auch wenn regelmässige und langfristige Einzahlungen in einen Sparplan die Erfolgschancen erhöhen, besteht dazu keine Verpflichtung. Sie können Höhe und Periodizität der Einzahlungen jederzeit anpassen oder die Zahlungen auch mal aussetzen.

Daher der Tipp, liebe Eltern, Gotten und Göttis: Der Sparplan ist eine echte Alternative zum Sparkonto.

Prüfen Sie sie! Sie tun den Kindern damit einen Gefallen. Mit richtig investierten 100 Franken im Monat bestehen gute Chancen, dass am Ende ein schöner Batzen für die Jungmannschaft herausschaut.

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