Crowdsupporting – Finanzieren aus Idealismus

Crowdsupporting bietet eine einfache Möglichkeit für die Finanzierung von Projekten aller Art. Geldgeber müssen sich bewusst sein: Im Vordergrund steht der Idealismus, nicht die Rendite.

Die Entwicklung eines Computer-Games, ein neues Bienenhaus für die Alp, ein Kochbuch mit armenischen Rezepten: Auf Online-Plattformen wie 100-days.net, funders.ch oder wemakeit.ch finden sich zahllose Finanzierungsprojekte. Ihre Initianten hoffen, via Internet eine Menge Unterstützer zu finden – daher der Begriff Crowdsupporting für diese Art der Geldbeschaffung. Im Gegenzug erhalten die Geldgeber z.B. ein Exemplar aus der ersten Buchauflage, ein Glas Alpenhonig, den Vorabzugang zur Alpha- und Beta-Version des Computer-Games bzw. bei Marktreife das ganze Spiel. Ohne Crowd könnten unabhängige Spielentwickler viele Games gar nicht entwickeln, weil sich keine Geldgeber fänden.
Doch längst nicht jedes Finanzierungsvorhaben kommt zustande: Die Erfolgsquote im Schweizer Crowdsupporting beträgt 68 Prozent, wie Zahlen der Hochschule Luzern zeigen. Kommt zu wenig Geld zusammen, zahlt die Online-Plattform die Beiträge an die Unterstützer zurück. Heikler wird es, wenn die Finanzierung zwar glückt, die Projektumsetzung aber danach floppt.

Crowdsupporting gilt als Schenkung

So sicherte sich z.B. das deutsche Projekt Panono für die Entwicklung einer 360-Grad-Kamera 1,25 Millionen Dollar auf der US-Plattform indiegogo.com – weit mehr als geplant. Doch Produktionsprobleme führten bald darauf zur Insolvenz. Die Unterstützer, die auf den vergünstigten Erwerb einer Kamera gehofft hatten, gingen leer aus.
Das ist kein Einzelfall: Eine Entschädigung ist nicht garantiert, und diverse Plattformen sprechen beim Crowdsupporting daher ausdrücklich von «Spenden». Damit wird die Finanzierungsform mit Crowddonating gleichgesetzt (siehe Textbox). Beim Crowddonating spendet man z.B. über spezialisierte Plattformen wie givengain.com, icareforyou.ch oder sosense.org für rein ideelle Projekte wie behindertengerechte Spezialvelos oder Schulgeld von afrikanischen Kindern, ohne jeden Anspruch auf eine Gegenleistung. Auch der Bundesrat hält in einer Antwort auf eine parlamentarische Interpellation fest, dass es sich bei Crowddonating und -supporting um Schenkungen handle.

Spagat zwischen Idealismus und Kapitalismus

Je nach Projekt mag die Gleichsetzung von Crowddonating und -supporting Sinn machen – wie beim Online-Magazin «Republik», für dessen Gründung in einer der grössten Schweizer Crowdsupport-Aktionen mehr als drei Millionen Franken gesammelt wurden. Auch wenn es sich letztlich um ein kommerzielles Unternehmen handelt, standen bei den meisten Unterstützern ideelle Motive im Vordergrund.
Andererseits: Warum soll man den Aufbau einer Kaffeerösterei, die Gründung einer Tanzschule oder eines anderen x-beliebigen Nebenerwerbs von Privatpersonen mittels Crowdsupporting finanzieren helfen? Noch grundsätzlicher lässt sich fragen: Warum soll man überhaupt einem Jungunternehmer das unternehmerische Risiko entschädigungslos abnehmen? Es sind im Wesentlichen drei Gründe: Die Risikoprämie ist im betreffenden Geschäftsfeld extrem hoch, es gibt keine herkömmliche Finanzierung, oder diese wird erst im Nachgang eines Crowdsupporting möglich. Es gibt auch das Umgekehrte: Beispielsweise der junge Genfer Uhrenhersteller MyKronoz verfügte bereits über Finanzinvestoren; die Entwicklung seiner neuen Smartwatch ZeTime liess er sich dagegen durch eine Crowdsupporting-Aktion sponsern – der bislang grössten eines Schweizer Unternehmens. Die sechs Millionen Dollar, die letztes Jahr bei Technikbegeisterten eingesammelt wurden, waren punkto Kapitalkosten sehr viel günstiger, als wenn MyKronoz bei den professionellen Finanzinvestoren neues Geld hätte beschaffen müssen.

Crowdinvesting als Alternative

Auch Private können sich bei gewissen Unternehmen als Finanzinvestoren betätigen – über den Erwerb kleiner Firmenbeteiligungen auf spezialisierten Online-Plattformen wie beedoo.ch, c-crowd.com oder investiere.ch. Man spricht hier von so genanntem Crowdinvesting, denn die Geldgeber agieren als Investoren und nicht als idealistische Unterstützer wie beim Crowdsupporting. Damit gehen die Geldgeber zwar unternehmerische Risiken ein. Der Vorteil zeigt sich aber z.B. im Fall der eingangs erwähnten Kameraprojekts Panono. Nur einen Monat nach der Insolvenz fand sich ein neuer Eigentümer. Dieser sah sich Medienberichten zufolge nicht verpflichtet, die noch nicht ausgelieferten Kameras an die Crowdsupporter zu liefern. Finanzielle Forderungen gegenüber ihm hätte nur geltend machen können, wer am Unternehmen als Investor beteiligt gewesen wäre.
Noch grösser war der Frust bei den Crowdsupportern der Virtual-Reality-Brille Oculus Rift, für die 2012 auf kickstarter.com knapp 2,5 Millionen Dollar gesammelt wurden. Zwei Jahre später wurde das Startup für zwei Milliarden Dollar von Facebook übernommen. Die Unterstützer hatten keinen Anspruch auf Gewinnbeteiligung; sie wurden Jahre später und nach anhaltender Kritik mit einem Gratis-Headset abgespiesen.

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