Bitcoins unter Strom

Im Gewand der Bitcoins hat die Blockchain-Technologie 2017 alle Rekorde gesprengt. Aber auch in einem anderen Bereich setzt die Technik der Kryptowährung neue Massstäbe: beim Energieverbrauch. Im Fall der Bitcoin-Blockchain entspricht der jährliche Energieverbrauch bereits dem eines mittelgrossen Landes.

Bitcoins scheinen das neue Zaubermittel zu sein. Sie versprechen niedrige Transaktionskosten, dafür schwindelerregende Renditen, basierend auf der Blockchain-Technologie sind sie dezentral, eliminieren Mittelsmänner und weisen eine hohe Sicherheit auf. Es überrascht daher nicht, dass gemäss einer Umfrage des Vergleichsdienstes Comparis im Dezember 2017 elf Prozent der Schweizer im laufenden Jahr Bitcoins und andere Kryptowährungen kaufen wollen. Auch die Blockchain an sich, die als technisch tragendes System für virtuelle Währungen entwickelt wurde, wird als einzigartiger Alleskönner gefeiert. Es scheint fast so, als hätte man es hier mit lauter Vorteilen ohne Nachteile zu tun, mit Transaktionen, die umsonst sind oder maximal einen marginalen Preis kosten – mit einem Free Lunch (als Free Lunch wird an den Finanzmärkten ein risikoloser Gewinn bezeichnet).

Neue Bitcoins lassen sich nur noch mit sehr hohem Stromeinsatz und extrem schnellen Prozessoren erzeugen.

Dass der digitale „Goldrausch“ doch nicht ganz ungetrübt ist, zeigt unter anderem die Volatilität der Bitcoins, und ein Blick hinter die Kulissen der Blockchain offenbart eine bittere Realität: der Energieverbrauch. Dabei ist der wachsende Energiebedarf konstruktionsbedingt: Bitcoins entstehen durch sogenanntes Schürfen, bei welchem Computer zunehmend komplexe Rechenaufgaben lösen müssen. Vereinfacht gesagt sorgt der Bitcoin-Code für knappes Geld, indem es immer schwieriger bis letztlich unmöglich wird, neue Bitcoins zu schaffen. «Schürfer» müssen Transaktionen verifizieren und dabei gleich die gesamte Kette aller bisherigen Bitcoin-Transaktionen dokumentieren. Damit steigen der Rechenaufwand und als Folge auch der Energieverbrauch.

Neue Bitcoins lassen sich mittlerweile nur noch mit sehr hohem Stromeinsatz und extrem schnellen Prozessoren erzeugen, die meistens in grossen Server-Farmen extra für diesen Zweck eingebaut sind. Die Mehrheit unserer Heim-PCs kann in diesem Wettbewerb schon lange nicht mehr mithalten. Viele Schürfer sind entsprechend dort angesiedelt, wo Strom besonders günstig ist, beispielsweise in der Nähe der chinesischen Kohlekraftwerke in der Inneren Mongolei oder bei den Wasserkraftwerken in der Südprovinz Sichuan.

Bitcoin wird bereits im Juli 2019 so viel Strom benötigen wie heute die USA.

Gemäss dem «Bitcoin Energy Consumption Index» des Digiconomist verbrauchte die Bitcoin-Welt für die Produktion ihrer virtuellen Währung per 29. Dezember 2017 auf das Jahr hochgerechnet satte 36.81 Terawattstunden (TWh). Das entspricht 0.16 Prozent des weltweiten jährlichen Energieverbrauchs oder 291 Kilowattstunden (KWh) pro Transaktion. Zum Vergleich: Dänemark konsumiert 33 Terawattstunden pro Jahr, Qatar 39 Terawattstunden und dem gegenwärtigen Bitcoin-Stromkonsum am nächsten ist Bulgarien. Noch fällt die Kryptowährung auf dem weltweiten Strommarkt zwar kaum ins Gewicht, jedoch prognostiziert der Digiconomist Alex de Vries, dass Bitcoin bereits im Juli 2019 so viel Strom benötigen wird wie heute die USA.

Bitcoin Energy Consumption Index
Quelle: https://digiconomist.net/bitcoin-energy-consumption

Die Hoffnung, den wachsenden Energiehunger von Bitcoin zu bremsen, beruht stark auf dem technischen Fortschritt der Chip-Industrie. Zur Veranschaulichung: Kryptogeld-Schürfmaschinen der aktuellen Generation ASIC (Application-Specific Integrated Circuits) benötigen halb so viel Energie für dieselbe Rechenleistung wie zwei Jahre alte Maschinen. Verglichen mit handelsüblichen Prozessoren aus dem Bitcoin-Gründungsjahr 2009 sind aktuelle ASICs sogar hundert Millionen Mal schneller. Anders formuliert, gesucht sind die stärksten Rechner und die günstigsten Strompreise. Letzteres erklärt, weshalb ein Grossteil des Minings heute in China angesiedelt ist.

59 Prozent der Bitcoins werden in China produziert.

Gemäss einer Studie der britischen Universität Cambridge aus dem Frühjahr 2017 werden 59 Prozent der Bitcoins in der Volksrepublik produziert. So verfügt die Region im Norden Chinas über reichlich Kohlekraftwerke mit derzeit überschüssiger Kapazität. Laut verschiedenen Berichten subventioniert die Provinzregierung den Kohlestrom, sodass die Miner nur vier Cent pro Kilowattstunde berappen müssen. Bedenkt man zusätzlich, dass die grössten Minen Pools betreiben, an welchen «Bitmain» beteiligt ist, ein Unternehmen, das zugleich auch einer der führenden Hersteller von ASICs-Geräten ist, wird schnell klar: Tiefe Strompreise zusammen mit State-of-the-Art Prozessoren sind kaum zu schlagen.

Aber es gibt auch Positivmeldungen betreffend des ökologischen Fussabdrucks von Bitcoins, denn nicht alle Bitcoins werden mit Kohlekraft hergestellt. In der südchinesischen Provinz Sichuan wird billiger Strom aus riesigen Wasserkraftwerken fürs Mining genutzt. Neuerdings häufen sich auch Meldungen von Firmen, die Wasserkraft in Nordamerika oder Nordeuropa zum Bitcoin-Mining verwenden. Ein anderes Mining-Unternehmen betreibt seine Aktivitäten auf Island und verwendet dabei Geothermie, eine Technologie, bei der natürliche Erdwärme zur Energieerzeugung genutzt wird. Es bleibt zu hoffen, dass sich diese Tendenz weiter durchsetzt. Eines aber ist klar: Bitcoin bleibt unter Strom.

BeschreibungWert
Geschätzter aktueller jährlicher Bitcoin-Stromverbrauch* (TWh) 36.81
Jährlicher globaler Mining-UmsatzUSD 16'060'453'831
Geschätzte jährliche globale Mining-KostenUSD 1'840'328'007
Land, dessen Stromverbrauch am stärksten mit dem Bitcoin-Stromverbrauch vergleichbar istBulgarien
Geschätzter Stromverbrauch des Vortages (KWh)100'839'891
Impl. Watt je GH/s0.277
Gesamte Netzwerk-Hashrate in PH/s (1 000 000 GH/s)15'151
Stromverbrauch je Transaktion (KWh)291.00
Anzahl US-Haushalte, die durch Bitcoin mit Strom versorgt werden könnten3'408'015
Anzahl US-Haushalte, die 1 Tag lang mit dem Stromverbrauch einer einzigen Transaktion versorgt werden9.82
Stromverbrauch von Bitcoin in Prozent des globalen Stromverbrauchs0.16%
Jährlicher C02-Fussabdruck (kt von C02)18'035
C02-Fussabdruck je Transaktion (kg von C02)142.4
Quelle: https://digiconomist.net/bitcoin-energy-consumption

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1 Kommentar zu Bitcoins unter Strom

  1. Sehr guter Bericht. Fasst genau die wichtigsten Facts zum Bitcoin zusammen. Der Energieverbrauch ist in der Tat ein Problem. Er hat mit der zunehmenden Difficulty zu tun, die dazu dient, den Aussstoss neuer Bitcoins ca. alle vier Jahre zu halbieren. Die Menge der Bitcoins ist endlich und auf 21 Millionen begrenzt. Aber mit 8 Nachkommastellen!
    Es ist zu hoffen, das die Community eine Lösung für das Energieproblem findet. Zudem gibt es ja auch noch andere Kryptowährungen, die ein anderes Miningverfahren anwenden.
    Ich denke, einige Krypowährungen werden sich durchsetzen, andere verschwinden. Aber das ist beim Fiat-Geld nicht anders. Es gab auch einmal italienische Lira, spanische Peseta,….usw.. Die Blockchain-Technologie wird sich definitv durchsetzen.

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