Zinsausblick: Die Zinswende ist erneut vertagt

Eigenheimbesitzer und jene, die es noch werden möchten, können sich weiterhin über günstige Finanzierungsmöglichkeiten erfreuen. Die Zinsen in der Schweiz werden länger tief bleiben als bisher erwartet. Eine weitere Senkung ist indes nicht in Sicht.

Erneut hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) an ihrer vierteljährlichen geldpolitischen Lagebeurteilung den Leitzins unverändert belassen. Die Mitte des Zielbands für den Dreimonats-Libor in Schweizer Franken, aktuell bei -0.75 Prozent, notiert damit bereits seit über vier Jahren im Negativbereich. Vor dem Hintergrund des weiterhin hoch bewerteten Schweizer Frankens und einer Jahresteuerung, die deutlich unter dem Zielwert von 2 Prozent verharrt, überraschte der Entscheid nicht.

Die Zinserwartungen der Anleger haben sich hingegen stark verändert. Noch vor kurzem erschien eine Leitzinsanhebung durch die SNB Anfang 2020 als realistisch. In der Zwischenzeit wurde dieses Szenario wieder weitgehend verworfen. Die Zinsen dürften nun länger tief bleiben, als bisher erwartet.

Grund dafür ist die Änderung der Forward Guidance der Europäischen Zentralbank (EZB). In der Ratssitzung Anfang März kommunizierte EZB-Präsident Mario Draghi die Absicht, die Leitzinsen in der Eurozone neu bis mindestens Ende 2019 unangetastet zu belassen. Zuvor hatte es geheissen, dass die Zinsen mindestens «bis Ende Sommer 2019» auf dem aktuellen Niveau verbleiben sollen. Die SNB wird ihren Leitzins wohl nicht vor der EZB anheben, um eine weitere Aufwertung des Franken zu vermeiden.

Zudem kündigte Draghi ein neues Refinanzierungsprogramm für Geschäftsbanken an, das sogenannte TLTRO III (Targeted Longer-Term Refinancing Operations; gezielte langfristige Refinanzierungen). Vereinfacht beschrieben handelt es sich dabei um vergünstigte Kredite für Geschäftsbanken. Dadurch soll die Kreditvergabe der Geschäftsbanken angeregt werden, mit dem Ziel, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln und die Inflation auf Kurs zu bringen.

Mit diesen expansiven Massnahmen werden der schwachen Inflation und der schleppenden Konjunktur in der Eurozone Rechnung getragen. Die EZB hat ihre Wachstums- und Inflationsprognosen in der März-Sitzung stark nach unten revidiert. Angesichts einer drohenden Rezession ist es denkbar, dass die EZB sämtliche unkonventionelle geldpolitische Instrumente ausschöpft (inklusive einer Wiederaufnahme von Quantitative Easing), ehe sie eine Leitzinssenkung in Erwägung zieht. Klar ist: Falls die Eurozone dieses Jahr in eine Rezession rutschen sollte, so rückt eine Zinswende weiter nach hinten.

In der Schweiz erwarten wir eine längere Seitwärtstendenz der Zinsen im gesamten Laufzeitenspektrum. Für Eigenheimbesitzer heisst dies, dass Finanzierungen noch länger günstig bleiben werden als bisher erwartet. Eine weitere Senkung der Hypothekarzinsen ist allerdings nicht absehbar, da Leitzinssenkungen in der Eurozone und in der Schweiz zurzeit unwahrscheinlich sind.

Trends Hypothekarzinsen in den nächsten Monaten

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