Apropos

Wie sieht der Return on Investment bei Spielertransfers aus?

Der im Sommer über die Bühne gegangene Transfer von Fussballstar Neymar vom FC Barcelona zu Paris St. Germain (PSG) für 222 Millionen Euro lanciert die Diskussion über horrende Ablösesummen im Fussball aufs Neue. Die immer höheren Ausgaben für Gehälter und Transfers, die «König Fussball» verursacht, sollten dank Financial Fairplay im Verhältnis zu den Einnahmen der betroffenen Fussballclubs stehen. Aber wie sieht es eigentlich mit dem Return on Investment bei solchen Transfers aus?

Grundsätzlich wird als Financial Fairplay (FFP) das Reglement des europäischen Fussballverbands UEFA zur Klublizenzierung für die Teilnahme an den europäischen Klubwettbewerben der UEFA verstanden. Im FFP, welches seit 2015 rechtsgültig ist, sind u.a. sportliche, infrastrukturelle, rechtliche und finanzielle Kriterien geregelt, die von den Klubs zu erfüllen sind. Bereits in der Vergangenheit gab es ähnliche Regularien für die verschiedenen Klubs. Die wesentlichen Änderungen gegenüber früher bestehen im FFP vor allem in der Anpassung und Verschärfung der finanziellen Kriterien, welche die steigende Verschuldung der europäischen Vereine unterbinden soll.

Vereinfacht ausgedrückt soll das FFP sicherstellen, dass die Vereine nicht mehr ausgeben, als sie einnehmen. Während einer Bewertungsperiode von drei Jahren dürfen nicht mehr als fünf Millionen Franken Verlust gemacht werden. Allerdings erlaubt das FFP, dass Eigentümer, Mäzene oder Unternehmen innerhalb dieser Periode mit maximal 30 Millionen Euro einem in Schieflage geratenen Verein unter die Arme greifen dürfen – dies ohne die Erfordernis einer genaueren Begründung. Salopp beurteilt, gilt ein Minus von 35 Millionen Euro über drei Jahre als legal. Ausgaben, die in die Nachwuchsarbeit, in die Stadioninfrastruktur oder die Entwicklung des Frauenfussballs fliessen, werden vom Topf der beurteilten Ausgaben ausgeschlossen. Mit dem Fall Neymar steht das FFP nun vor seiner Zerreissprobe. Die abschliessende Beurteilung wird aber erst in den kommenden Jahren möglich sein.

Eine weitere Frage stellt sich nach dem wirtschaftlichen Sinn des Transfers. Dieser scheint bei einer Ablösesumme von 222 Millionen Euro und geschätzten 30 Millionen Euro Jahresgehalt auf den ersten Blick nicht gegeben. Verschiedene potentielle Mehreinnahmen, die durch den Spieler Neymar generiert werden können, schliessen die wirtschaftliche Sinnhaftigkeit zumindest nicht komplett aus. Eine etwas philosophische Frage deren Antwort ich auch nicht kenne. Nachfolgend trotzdem ein Versuch, die Sichtweise eines Investors einzunehmen.

Welche Faktoren sind bei der Refinanzierung eines Fussballstars zu beachten?

Die am meisten zitierte Einnahmequelle bei Spielertransfers sind die zusätzlichen Erlöse durch Merchandising, insbesondere durch die Trikotverkäufe des Vereins. Manchester United erzielte zum Beispiel mit der Verpflichtung von Zlatan Ibrahimovic im Sommer 2016 innerhalb von sieben Tagen Einnahmen im Gesamtwert von 99 Millionen Franken – alleine durch Trikotverkäufe. So sollen auch am ersten Tag nach Bekanntwerden des Neymar-Deals alleine die beiden PSG-Fanshops in Paris 10 000 Trikots verkauft und insgesamt über 1 Million Euro eingenommen haben. Allerdings ist die prozentuale Verteilung des Umsatzes zwischen Trikothersteller und Club nicht bekannt. Auch die neu erworbenen Bildrechte am Spieler von 45 Millionen Euro dürfen nicht ausser Acht gelassen werden.

Wichtiger Bestandteil dieser Rechnung sind auch die Mehreinnahmen durch den sportlichen Erfolg, welchen man sich in der französischen Hauptstadt dank Neymar verspricht. Die nationalen Titel sollten von dieser Rechnung jedoch ausgeschlossen werden. Erfolge und Pokale auf nationaler Ebene konnten bereits vor dem Transfer in Serie gefeiert werden (und stellen daher keinen Mehrwert dar). In sportlicher Hinsicht ist vor allem der lang ersehnte Gewinn der Champions League die treibende Kraft dieses Transfers. Der Sieger der Champions League erhält ca. 60 Millionen Euro Leistungsprämie, die jedoch auch von der Anzahl Siege in der Gruppenphase abhängt. Bislang kam der Club nicht über das Viertelfinale hinaus. Neymar soll PSG in Zukunft sportlich die europäische Krone garantieren mit der 22 Millionen Euro Mehreinnahmen für den Halbfinal und Finalsieg einhergehen. Nicht mit eingerechnet sind die zusätzlichen, durch die UEFA ausbezahlten, Erlöse der TV-Marktgelder, da diese starken Schwankungen unterliegen. Die Verteilung der TV-Gelder setzen sich zum einen aus dem Wert des jeweiligen Fernsehmarktes zusammen, wie auch aus der Anzahl teilnehmender Clubs aus der heimischen Liga. Hier lautet die Faustregel: Je kleiner der Fernsehmarkt und je mehr einheimische Clubs, desto weniger bleibt für den eigenen Verein übrig.

Ein weiterer, jedoch schwierig zu beziffernder Wert, ist die angestrebte Internationalisierung des Clubs. So kann der Global Player Neymar den Markenwert des Vereins steigern und so die Merchandising-Verkäufe im asiatischen Raum ankurbeln.

Rein hypothetisch liegt eine Refinanzierung nicht im Bereich des Unmöglichen

Die oben beschriebenen Werte und Messgrössen lassen erahnen, dass der Deal nicht zwingend in einem Verlustgeschäft enden muss. Und allenfalls könnte auch ein Weiterverkauf des Spielers ohne massiven Wertverlust das Investment rechtfertigen. Allerdings muss festgehalten werden, dass die erwarteten Mehrwerte allesamt extrem spekulativer Natur sind und in hohem Masse vom sportlichen Erfolg des Projekts abhängig sind. Zudem dürfte es schwierig sein, das Wachstum des globalen Markenwertes des Clubs, nach Ende der Vertragslaufzeit von Neymar, transparent beziffern zu können.

Ein erfolgreicher Wettbewerb setzt viele konkurrenzfähige Teilnehmer voraus.

Aus sportlicher aber auch wirtschaftlicher Sicht ist es jedenfalls eine Notwendigkeit, dass viele konkurrenzfähige Teams an einem Wettbewerb teilnehmen. Nur wenn ein Wettbewerb spannend ist, werden die Leute zuschauen und hohe Einschaltquoten sichern. Wenn nur noch zwei oder drei Clubs erfolgreich wären, würde sich auf Dauer niemand mehr dafür interessieren. FFP ist ein Versuch, solche Entwicklungen zu verhindern oder zumindest zu erschweren. Zum Glück ist Fussball ein Teamsport – ein Spieler alleine garantiert noch keinen Champions League Titel.

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