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Vier Praxistipps zur Auswahl nachhaltiger Anlagen

Wie in allen Bereichen des Kapitalmarkts stehen dem interessierten nachhaltigen Anleger eine Vielzahl von Anlagestrategien offen. Nachfolgend zeigen wir Ihnen anhand von vier Praxistipps, wie Sie die passende Strategie für Ihr Portfolio finden.

Langfristige Trends

Praxistipp 1: Es empfiehlt sich, nur einen kleinen Teil des Vermögens in Themenfonds zu investieren, welche einzelne langfristige Zukunftsherausforderungen abdecken. So kann ein allzu grosses Klumpenrisiko vermieden werden.

 

Langfristige Trends wie die Energieproduktion aus erneuerbaren Ressourcen, Wassermanagement oder die Verringerung des Karbonausstosses werden von Anbietern Schweizer Anlagefonds aus Marketinggründen immer wieder gerne aufgegriffen. Dass diese Produkte oftmals nicht den gewünschten langfristigen Effekt an der Börse haben, lässt sich am Beispiel der Solarindustrie bestens illustrieren. Vor fast einem Jahrzehnt begann der Boom bei der Produktion von Solarzellen zur Stromerzeugung. Angelockt von einem schnell wachsenden Absatzmarkt schossen neue Hersteller von Photovoltaik-Anlagen wie Pilze aus dem Boden. In der Folge entwickelte sich ein knallharter Preiskampf, der bis heute andauert. Nicht ganz unschuldig daran sind auch staatliche Subventionen für Alternativen zur fossilen Energieerzeugung. Dies führte jüngst zum Insolvenzantrag des einst weltgrössten Solarherstellers, dem deutschen Unternehmen SolarWorld.

Der erbitterte Preiskampf hat auch die Börsenkurse überlebender Konzerne, wie z.B. des Schweizer Unternehmens Meyer Burger, einbrechen lassen. Die Aktien des Maschinenbauers, der vor allem für seine Silizium-Drahtsägen für die Solarindustrie bekannt ist, büssten in den letzten fünf Jahren über 70% an Wert ein. Effekte wie der erwähnte Preiskampf, die sich auf ganze Branchen auswirken, stellen gerade für Anleger von Themenfonds ein erhöhtes Risiko dar.

Ausschlüsse

Praxistipp 2: Fragen Sie Ihren Kundenberater, welche Anlagen aus nachhaltiger Perspektive ausgeschlossen werden sollen. Achten Sie darauf, dass diese Ausschlussliste auch Ihren persönlichen Vorstellungen entspricht. Eine Übersicht des investierten Vermögens von Schweizer Anlegern in die gängigsten Ausschlüsse finden Sie nachstehend.

 

Top Ten Ausschlusskriterien
RangKriteriumMit Ausschlusskriterien angelegtes Vermögen (Mrd. CHF)*
1.Kernenergie100.0
2.Menschenrechtsverletzungen93.0
3.Arbeitsrechtsverletzungen65.1
4.Korruption und Bestechung62.9
5.Umweltzerstörung61.7
6.Waffen (Handel und Produktion)59.7
7.Tabak56.6
8.Gentechnik49.6
9.Pornographie46.8
10.Glücksspiel21.8
* Interpretation: Der Ausschluss von Kernenergie ist in der Schweiz der am weitesten verbreitete Ausschluss. Er gilt für ein investiertes Vermögen von insgesamt 100 Milliarden Franken.
Quelle: Swiss Sustainable Finance, 2016

Das Ausschlussverfahren ist die ursprünglichste Form nachhaltiger Anlagestrategien. Sie bildet auch heute noch die Basis der meisten Investitionsansätze. Unter den verschiedenen Anbietern gibt es allerdings nach wie vor keinen Konsens, welche Branchen ausgeschlossen werden sollten. Häufig spielen bei der Festlegung der Kriterien unterschiedliche Wertvorstellungen eine grosse Rolle.

Veranschaulichen lässt sich dies am Thema gentechnisch veränderter Lebensmittel. Während in den USA gentechnisch veränderte Lebensmittel in jedem Supermarkt zu finden sind und keiner speziellen Kennzeichnungspflicht unterliegen, gelten in Europa sehr viel strengere Regeln.

Diese Differenz zeigt sich auch in der Umsetzung nachhaltiger Anlageprodukte. Amerikanische Anbieter schliessen Produzenten von genetisch veränderten Organismen wie Syngenta oder Monsanto nicht zwingend aus, europäische Anbieter hingegen schon.

Best-in-Class / Best-of-Class: Wählen Sie nur jene Unternehmen aus, die die besten Nachhaltigkeitsleistungen erbringen

Praxistipp 3: Kombinieren Sie das Ausschlussverfahren mit einem Best-in-Class-Ansatz. So landen nur die nachhaltigsten Unternehmen in Ihrem Portfolio. Gleichzeitig ermöglicht der Best-in-Class-Ansatz dank seiner Orientierung an einem gängigen Aktienindex ein marktübliches Performance- und Risikoprofil.

 

Der Best-in-Class-Ansatz und der Best-of-Class-Ansatz lassen nur Unternehmen zur Investition zu, welche in den Bereichen Ökologie, Soziales und Unternehmensführung eine führende Stellung einnehmen. Der Unterschied zwischen den beiden Ansätzen liegt in der Anwendung der Kriterien auf verschiedene Anlageuniversen. Während bei einem Best-of-Class-Ansatz nur die nachhaltigsten Unternehmen des gesamten Anlageuniversums in Frage kommen, werden beim Best-in-Class-Ansatz die besten Unternehmen jeder einzelnen Branche berücksichtigt. Da der Best-in-Class-Ansatz dadurch keine Branche komplett ausschliesst, ist er ideal geeignet, um einen traditionellen kapitalgewichteten Aktienindex wie den Swiss Performance Index (SPI) trotz eingeschränktem Anlageuniversum abzubilden.

Für den privaten Anleger gibt es heute noch keine frei verfügbare Datenbank mit vergleichbaren Nachhaltigkeitsdaten auf Unternehmensstufe und entsprechenden Ranglisten. Umso wichtiger ist daher ein Blick in den Beschrieb des Nachhaltigkeitsansatzes des Fondsanbieters.

Anlageuniversum

Praxistipp 4: Prüfen Sie, wie stark das Anlageuniversum durch den Investmentansatz verkleinert wird. Verbleiben über die Hälfte der Unternehmen im Universum, kann kaum von einem nachhaltigen Produkt die Rede sein. Bei einem strikten Ansatz schrumpft die Anzahl der investierbaren Unternehmen häufig auf einen Viertel oder einen noch kleineren Anteil

 

Die Wahl des Ansatzes garantiert jedoch noch keine strikte Umsetzung. Werden die Regeln von Best-of-Class oder Best-in-Class zu weit ausgelegt, besteht die Gefahr des sogenannten «Greenwashing». Das heisst der Anbieter verringert das Anlageuniversum nur geringfügig und verpasst aus Marketinggründen seinem traditionellen Produkt einen grünen Anstrich. Erhalten fast alle Unternehmen das Prädikat Nachhaltig, erzeugt dies wenig bis gar keinen Druck auf die Konzerne, die bestehenden Geschäftspraktiken zu überprüfen. Entsprechend lässt auch das Anlageprodukt die gewünschte Wirkung in Sachen Nachhaltigkeit vermissen. Darum lohnt es sich für den Anleger, die Grösse des Anlageuniversums zu prüfen.

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