Mit Reggae gegen die Inflation

Für ihre Kommunikation wählt die Notenbank von Jamaika ein besonders innovatives Vorgehen: Wichtige geldpolitische Ziele werden neu als Kampagne per Musikvideo verbreitet.

Jamaika kennt man als Insel der riffgesäumten Strände und dichten Regenwälder. Und natürlich als Geburtsstätte der Reggae-Musik. Doch der Inselstaat leidet auch unter einer hohen Inflation. Diese lag durchschnittlich bei rund 9 Prozent seit dem Jahr 2000, mit einem Extremwert von 22 Prozent 2008. Auch für 2019 schätzt der Internationale Währungsfonds, dass die Inflation im Land immerhin noch bei rund 3,6 Prozent liegen wird.

Deshalb hat sich Nationalbank des Inselstaates eine ungewöhnliche und originelle Massnahme ausgedacht. Sie hat diverse Musiker angeheuert und Musikvideos mit ihnen gedreht, um geldpolitische Inhalte zu vermitteln. Auf ihrem Youtube-Kanal hat die Notenbank mehrere Videos mit verschiedenen Interpreten aufgeschaltet. Alle davon sind Teil einer Kampagne, um die Notwendigkeit der Inflationsbekämpfung zu erklären und den wirtschaftlichen Aufschwung zu unterstützen. «Die Idee ist, auf die bestmögliche Weise zu kommunizieren, und in Jamaika unterstützt nichts die Kommunikation so sehr wie Musik», sagte Nigel Clarke, der Minister für Finanzen und öffentlichen Dienst, in einem Interview. «Musik hilft beim Lobbyieren, und dasselbe gilt auch bei der komplexen Geldpolitik.»

Unter anderem hat die Bank of Jamaica den Reggae-Star Tarrus Riley für eine Zusammenarbeit gewinnen können. Im neuesten Video der jamaikanischen Nationalbank verwendet Riley seinen rauen Gesang, um die niedrige, stabile und vorhersehbare Inflation zu loben: «Hohe Inflation ist eine böse Sache, und wir müssen sie wie Sklaverei abschaffen» (…) «Wir wollen eine niedrige Inflation, damit wir planen und gedeihen können», singt er im Song. «Niedrige, stabile und vorhersehbare Inflation ist für die Wirtschaft wie die Basslinie für Reggae-Musik», fügt er hinzu. «Reggae-Musik beherrscht das Land, genau wie eine niedrige und stabile Inflation der Wirtschaft beim Weiterkommen hilft.»

Das Video von Riley und andere von der Bank of Jamaica produzierte Musikvideos, die zur selben Kampagne gehören, sind viral gegangen. Sie wurden rund um die Welt auf Twitter und anderen Social Media-Kanälen hunderttausendfach angeschaut.

Im Schweizer Kontext kann man sich ein ähnliches Vorgehen kaum vorstellen. Wir warten noch darauf, wie Lo & Leduc in einem Musikvideo die neuste Banknote der Schweizerischen Nationalbank (SNB) ankündigen oder Eurovision-Songcontest-Vertreter Luca Hänni den SNB-Leitzins besingt. Oder wie Beatrice Egli in einem Lied vermittelt, warum der Negativzins wohl nicht so schnell wieder abgeschafft wird. Leider Fehlanzeige. So cool wie die Jamaikaner sind unsere Notenbanker bei weitem nicht.

Ähnliche Beiträge

Schreiben Sie einen Kommentar

Wir sind an einer offenen Diskussion in den Kommentaren interessiert. Die Kommentare sollen jedoch einen fachlichen Bezug zum Beitragsthema haben. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

* Pflichtfelder