Die Börse im Zeichen der Fussball-WM

WM-Jahre, in denen die Schweizer Fussballnationalmannschaft an der Endrunde mitspielt, scheinen gute Aktienjahre zu sein. In drei der vier WM-Jahre, in denen die Nati seit 1994 an der Endrunde mitwirkte, schloss der Swiss Performance Index (SPI) das Börsenjahr mit einem Gewinn ab: Das Aktienbarometer stieg um durchschnittlich 7 Prozent. Nur 1994 beendete der SPI das Börsenjahr auf der Verliererseite. Zufall? Wahrscheinlich ja. Dennoch ist der WM-Effekt an den Börsen spürbar.

Wer die Kursentwicklung der Aktienmärkte unter dem Blickwinkel der Fussball-WM betrachtet, stellt fest: Seit der WM 1966 in England steht die Börse des Gastgeberlands im ersten Semester eines WM-Jahres üblicherweise auf der Gewinnerseite. Auch dieses Jahr schien sich diese Feststellung zu bestätigen. Denn ehe die USA gegen Russland und russische Oligarchen Sanktionen verhängten, hatte der russische Aktienmarkt klar im Plus notiert. Bislang erlitt die Börse des Gastgeberlands nur zwei Mal eine «Niederlage» im ersten Halbjahr: 1974 in Deutschland und 1982 in Spanien.

Ab der zweiten Jahreshälfte dreht allerdings das «Börsenspiel», und Anleger sollten ihr Abwehrdispositiv gegenüber dem Gastgeberland deutlich stärken. Denn ab Jahresmitte zeigt die Formkurve der Börse des WM-Gastgebers absolut wie auch im Vergleich zum Weltaktienmarkt üblicherweise klar nach unten.

Die Börse des Weltmeisters wiederum erfährt in den ersten dreissig Handelstagen nach dem Finalspiel einen Stimmungsaufschwung. Sie schneidet in dieser Zeitspanne fast immer deutlich besser ab als der Weltaktienmarkt. Ein Effekt, der allerdings sehr kurzlebig ist und sich in der Regel nach drei Monaten wieder verflüchtigt hat. Als wäre eine Niederlage im Endspiel nicht schon bitter genug, steht dem Aktienmarkt des Endspiel-Verlierers jeweils der Börsenblues bevor. Üblicherweise hinkt die Börse des WM-Zweiten über die nächsten drei Monate dem Weltaktienmarkt deutlich hinterher.

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