Und es werde Industrie

Die Schweizer Industrie klagt regelmässig über den starken Franken, die hohen Löhne und die globale Konkurrenz. Trotzdem steht sie immer noch sehr gut da. Ist das Gejammer übertrieben?

Nichts weniger als die „dritte industrielle Revolution“ will die EU-Kommission in Gang setzen. Der hochfliegende Plan kontrastiert indes mit dem desolaten Zustand der europäischen Industrie. Drei Millionen Arbeitsplätze hat der Sektor durch die Krise verloren. Schwer getroffen hat es Frankreich, wo die ehemals stolze Autobranche reihenweise Fabriken schliesst. Italien erlebt laut EU-Report eine „echte Deindustrialisierung“: Seit 2007 ist die Produktion um über 20 Prozent geschrumpft. Angesichts des pickelharten Umfelds sind die Sorgen der Schweizer Firmen durchaus berechtigt.

Auch hierzulande ist die Industrieproduktion in der Krise um 15 Prozent eingebrochen. Doch im Gegensatz zu den meisten europäischen Ländern hat sich unsere Industrie rasch wieder aufgerappelt.

Dabei ist der Franken erst noch ein Fünftel stärker als vor der Krise. Diese Robustheit der einheimischen Industrie ist beeindruckend. Überraschend allerdings kommt sie nicht. In der Grafik im Dossier sehen Sie, dass die Schweiz ihren Vorsprung auf die westlichen Industrienationen schon seit längerem ausbauen kann.

Die vergessenen Vorteile einer starken Industrie

Die Warnsignale bestanden also, doch blieben sie angesichts der verbreiteten Vision einer „postindustriellen Wirtschaft“ weitgehend unbeachtet. Ein fataler Irrtum, wie wir seit der Finanzkrise wissen. Nun besinnt man sich wieder darauf, dass jede neu geschaffene Arbeitsstelle in der Industrie 2,5 bis 3,5 zusätzliche Jobs in anderen Branchen kreiert – deutlich mehr als im Dienstleistungssektor. 80 Prozent der Exporte und vier Fünftel der Forschungsinvestitionen entfallen ebenso auf die Industrie. In der Schweiz wie auch in Deutschland ist das industrielle Fundament nach wie vor intakt, wie die jüngste kräftige Erholung verdeutlicht. In den meisten EU-Ländern dagegen ist die Industrie dermassen geschwächt, dass auf den Absturz nur noch eine minimale Wiederbelebung folgte. Nichtsdestotrotz hat die EU-Kommission die klare Vorstellung, dass die „dritte industrielle Revolution“ bis im Jahr 2020 stattfinden wird. Frei nach dem Motto: Und es werde Industrie.

Wie beurteilen Sie die Sorgen vor einem industriellen Niedergang? Diskutieren Sie mit!

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