Zehn Tage, die zählen

Privatanleger, die kurzfristige Aktienwetten eingehen, fahren vielfach unterdurchschnittliche Renditen ein. Denn niemand kann kurzfristige Marktschwankungen exakt vorhersagen. Für einen konstanten Vermögensaufbau eignet sich regelmässiges Investieren und ein langfristiger Anlagezeitraum besser.

Die meisten Investoren sind keine guten Trader. Das heisst, sie können kurzfristige Marktschwankungen nicht besonders erfolgreich antizipieren. Vor allem Privatanleger machen auch oft den Fehler, dass sie aufgrund des Herdentriebs Aktien am Höhepunkt kaufen und am Tiefpunkt verkaufen. Und wenn die Börse mal rasant talwärts fährt, geraten viele umgehend in Panik, trennen sich von ihren Aktien – und verharren an der Seitenlinie.
Natürlich ist es nicht einfach, einen Börsencrash zu durchleben. Kursverluste schmerzen immer, und eine Baisse auszusitzen, kann mitunter fürchterlich lange dauern. Aber für den langfristigen Anlageerfolg kann es sich enorm auszahlen, einen kühlen Kopf zu bewahren und stets voll im Aktienmarkt investiert zu bleiben. Denn an der Börse ist die Zeit Ihr bester Freund. Oder wie man im angelsächsischen Raum sagt: «Time in the market beats market timing».
Gerade während eines Börsensturms sind die Kursschwankungen am extremsten. In diesen volatilen Zeiten fallen jeweils nicht nur die höchsten Tagesverluste, sondern in der Regel auch die bedeutendsten Tagesgewinne an. Wer aber versucht, den besten Zeitpunkt für den Kauf und Verkauf vorherzusagen, wird mit grösster Wahrscheinlichkeit die Handelstage mit den höchsten Kursgewinnen verpassen.

Der Zinseszinseffekt macht auf lange Sicht einen erheblichen Unterschied

Wenn ein Investor von 1990 bis 2017 stets vollständig im Swiss Performance Index investiert geblieben wäre, hätte er eine Rendite von durchschnittlich 8,4 Prozent pro Jahr erzielt. Hätte er in dieser Zeitspanne aber die zehn besten Börsentage verpasst, so wäre die annualisierte Rendite auf 6 Prozent geschmolzen. Bei einem Startkapital von 10’000 Franken hätte ein stets voll investierter Anleger am Ende rund 43’000 Franken mehr verdient (vgl. nachfolgende Grafik). Im Langzeitvergleich fällt auf, dass Panik und Abstossen von Aktien in Zeiten extremer Volatilität wahrscheinlich einer der grössten Fehler ist, den ein langfristig orientierter Privatanleger machen kann.
Zugegeben, es ist während eines Börsencrashs unglaublich schwer, sich selbst davon zu überzeugen, dass es nicht schlimmer wird. Es wird womöglich auch schlimmer. Bei der Betrachtung historischer Aktienmarktdaten lässt sich aber feststellen, dass auf Handelstage mit extremen Kurseinbrüchen oft auch eine ebenso rasante Gegenbewegung folgt. Statt auf die kurzfristigen Schwankungen sollten sich Privatanleger vorzugsweise auf die langfristigen Markttrends konzentrieren, um das Wellenbad der Volatilität erfolgreich zu meistern. Denn die Geschichte zeigt, dass sich der Schweizer Aktienmarkt stets von Börsenbaissen erholt hat – und anschliessend seinen langfristigen Aufwärtstrend wiederaufgenommen hat. So gesehen, sind Börsencrashs immer eine Zukaufgelegenheit, kraft derer sich der langfristige Anlageerfolg noch steigern lässt.

Wer die besten Börsentage verpasst, fährt deutlich geringere Anlageerfolge ein
(10’000 CHF am 01.01.1990 in den Swiss Performance Index investiert: Endvermögen am 31.12.2017) | Quelle: Migros Bank, Bloomberg

Weshalb ist die Diskrepanz in der Vermögensentwicklung aber so gross, wenn doch «nur» die zehn besten Tage verpasst werden? Sie erklärt sich mit dem Zinseszinseffekt. Auf den Aktienmarkt übertragen: Wenn man an den besten Börsentagen nicht investiert war, verringert sich aufgrund der entgangenen Gewinne die Vermögensbasis, auf der man zukünftige Renditen erwirtschaftet. Dieser Effekt macht auf lange Sicht einen erheblichen Unterschied.

Ein aktiver Investor mag an dieser Stelle einwenden: Wenn in dieser Betrachtung die besten Börsentage ausgelassen werden, warum nicht auch die schlechtesten Handelstage? Ein faires Argument. Die zehn besten Börsentage auszulassen ist im Grunde genommen eine etwas «unrealistische Annahme», eine Zahlenspielerei. Wie schaut der Vergleich also aus, wenn man jeweils den zehn grössten Kursstürzen an der Schweizer Börse ausgewichen wäre? Man hätte nun ein fast doppelt so hohes Endvermögen wie ein Anleger, der durch die Börsenturbulenzen hindurch stets an seinen Titeln festgehalten hätte. Denn ohne die zehn schlechtesten Tage verbessert sich die annualisierte Rendite von 8,4 auf 10,9 Prozent.

Ohne die schlechtesten Börsentage steigt der Anlageerfolg enorm
(10’000 CHF am 01.01.1990 in den Swiss Performance Index investiert: Endvermögen am 31.12.2017) | Quelle: Migros Bank, Bloomberg

Ein Lottosechser ist wahrscheinlicher, als jeweils die zehn besten oder schlechtesten Börsentage zu treffen

Der Vollständigkeit halber nachfolgend die Vermögensentwicklung, wenn jeweils die besten und schlechtesten Börsentage aus der Berechnung fallen.

Die besten und schlechtesten Börsentage verpasst
(10’000 CHF am 01.01.1990 in den Swiss Performance Index investiert: Endvermögen am 31.12.2017) | Quelle: Migros Bank, Bloomberg

Um diese Vergleiche einzuordnen: Letztlich ist es wahrscheinlicher, im Lotto einen Sechser zu haben, als in unserem Langzeitvergleich jeweils exakt die zehn besten oder schlechtesten Tage zu treffen. Sie zeigen uns aber auch: Für einen erfolgreichen Vermögensaufbau ist es ratsam, in Aktien zu investieren und dabei nicht allzu viele kurzfristige Marktwetten einzugehen. Speziell mit Blick auf die künftige Altersvorsorge empfiehlt sich langfristiges und regelmässiges Anlegen, beispielsweise mit einem Fondssparplan der Migros Bank. Denn je früher man mit dem Investieren beginnt und je mehr man monatlich in einen Fondssparplan einbezahlt, umso mehr profitiert man vom Zinseszinseffekt. Ganz generell gilt: Die Verlängerung des Anlagehorizonts ist eine der einfachsten Methoden, die Anlageerträge zu verbessern. Je länger der Zeithorizont einer breit diversifizierten Anlage ist, desto geringer ist auch die Wahrscheinlichkeit eines Verlusts.

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1 Kommentar zu Zehn Tage, die zählen

  1. In Panik zu verkaufen, ist tatsächlich kein guter Weg. Aber bei einem Crash kontrolliert zu verkaufen (indem das schon beim Kauf als Notbremse geplant wird), macht durchaus Sinn. Das Aussitzen über viele Jahre sehe ich als nicht sinnvoll, weil man in dieser Zeit mit anderen Anlagen schönes Geld machen kann.

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