Wie sich das Internet verändert

Vom Smartphone über Social Media, Streaming-Dienste und Videoplattformen bis hin zu Businessapplikationen und dem «Internet of Things», das die Welt der Dinge mit der Welt der Daten verknüpft – aus dem Privat- und Geschäftsleben ist das Netz heute nicht mehr wegzudenken.

Das Internet durchdringt unseren Alltag unaufhaltsam. Unzählige Analysten und Marktforscher beschäftigen sich daher mit den unterschiedlichsten Wachstumstrends im Internet. Aber nur wenige haben einen so breiten Überblick und ein so gutes Gespür fürs Internet wie Mary Meeker. Seit Mitte der Neunzigerjahre veröffentlicht die frühere Wallstreet-Analystin jährlich ihre Studie zu den Internet-Trends.

Vom renommierten US-Anlegermagazin Barron’s zur Zeit des Dotcom-Booms als die «Queen of Internet» ausgezeichnet, sind ihre Internet-Studien bis heute jeweils überaus reichhaltige und informative Nachschlagewerke, die auf grosse Beachtung stossen. Auf 333 Seiten beleuchtete die Venture-Capital-Spezialistin im diesjährigen Report die verschiedenen digitalen Trends. Nachfolgend präsentieren wir Ihnen einige interessante Grafiken aus Meekers Bericht.

Asien klar an der Spitze

So zeigt die Studie beispielsweise, dass es im Jahr 2018 weltweit 3,8 Milliarden Internetnutzer gab. Dies entspricht mehr als der Hälfte der Weltbevölkerung (51 Prozent verglichen mit 49 Prozent im Jahr zuvor). 21 Prozent aller Internetuser sind in China beheimatet. Den zweitgrössten Anteil stellt Indien mit 12 Prozent. Die Vereinigten Staaten weisen die drittgrösste Nutzerbasis (8 Prozent) auf. Aufgeschlüsselt nach Regionen liegt Asien (53 Prozent) vor Europa (15 Prozent) und Afrika/Naher Osten (13 Prozent).

Rund die Hälfte der Weltbevölkerung nutzt das Internet

Quelle: Bond Capital

Bei einer Marktdurchdringung von erst 51 Prozent gäbe es eigentlich ein beträchtliches Wachstumspotenzial. Es wird jedoch zusehends schwieriger, weitere Teile der Weltbevölkerung online zu bringen. Denn in den reichen Industriestaaten nutzen die meisten Bürger bereits Internetangebote. So verwenden 78 Prozent der Europäer und gar 89 Prozent der Nordamerikaner Internetdienste. Das Wachstum der Anzahl neuer Internetuser verlangsamt sich daher kontinuierlich. Stieg die Nutzerbasis zwischen 2010 und 2013 um mehr als 10 Prozent pro Jahr, betrug der Zuwachs im vergangenen Jahr noch 7 Prozent.

In einigen Marktsegmenten fällt es Internet- und Technologieunternehmen immer schwerer, die früheren Wachstumsraten aufrecht zu erhalten, die den Siegeszug des Internets beflügelt hatten. 2018 wurden beispielsweise weltweit 4 Prozent weniger Smartphones abgesetzt als im Vorjahr. Schon 2017 hatten die Absatzzahlen stagniert. In etlichen Entwicklungsländern haben Smartphones der Bevölkerung den Zugang zum Internet überhaupt erst ermöglicht.

Weniger Smartphones abgesetzt

Quelle: Bond Capital

Andere Marktbereiche entwickeln sich nach wie vor kräftig, aber deutlich langsamer als früher, beispielsweise der E-Commerce in den Vereinigten Staaten. Der Handel übers Internet nimmt zwar weiter zu und steuert in den USA inzwischen rund 15 Prozent zum landesweiten Detailhandelsumsatz bei. Aber im ersten Quartal 2019 ist das Umsatzwachstum auf 12,4 Prozent abgeflacht, gegenüber 15 bis 20 Prozent in früheren Jahren. Verglichen mit den traditionellen US-Detailhandelsverkäufen, die solide 2 Prozent zugenommen haben, ist das Wachstumstempo jedoch noch immer ein Vielfaches höher.

Der US-Onlinehandel wächst kräftig, aber langsamer

Quelle: Bond Capital

Verlagerung ins Web

Wie der Detailhandel verlagert sich auch das Marketing immer stärker ins Internet. In den USA beispielsweise entfielen 2018 bereits 33 Prozent der Werbeausgaben auf mobile Endgeräte. Zum Vergleich: 2010 waren es erst 0,5 Prozent. Unter den US-Internetriesen erwirtschaften Google und Facebook mit grossem Vorsprung die weltweit grössten Online-Werbeumsätze. Aber andere amerikanische Plattformen wie Amazon, Twitter, Snap und Pinterest wachsen in diesem Bereich schneller und gewinnen Marktanteile. Während Googles Online-Werbeeinnahmen über die letzten neun Quartale um das 1,4-fache zunahmen, verbesserten die neuen Herausforderer ihre kombinierten Werbeumsätze um das 2,6-fache.

Neue Wettbewerber gewinnen Marktanteile

Quelle: Bond Capital

Die enormen Werbeumsätze, die Google, Facebook & Co im Internet erwirtschaften, erklären sich durch die immensen Reichweiten ihrer Dienste. Rund 30 Prozent der 16- bis 64-jährigen Internetuser nutzen global mindestens einmal pro Tag Facebook. Zuletzt haben vor allem YouTube und Instagram kräftig zugelegt.

Facebook vorweg, aber YouTube holt auf

Quelle: Bond Capital

Die Studie durchleuchtet viele weitere interessante Aspekte, die zum Nachdenken anregen. So finden sich beispielsweise unter den wertvollsten Publikumsgesellschaften der Welt nur drei börsenkotierte Konzerne, die nicht zum Technologiebereich zählen. Von den 25 wertvollsten US-Technologieunternehmen wiederum, deren Aktien in Wall Street gehandelt werden, wurden 60 Prozent entweder von Einwanderern der ersten oder der zweiten Generation gegründet. Oder Sie besuchen alternativ das Archiv und staunen bei der Lektüre älterer Internet-Reports, wie rasant sich das Internet entwickelt und verändert.

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