Wie in Gold investieren?

Gold gehört in ein gut diversifiziertes Portfolio. Es gibt mehrere Möglichkeiten, das Anlagethema Gold zu spielen. Dabei gilt es einiges zu beachten.

Gold übt seit jeher einen grossen Reiz auf Investoren aus. Doch der Kauf des gelben Edelmetalls ist nicht immer einfach. Unerfahrene Privatanleger können sich rasch in einer Vielzahl von Optionen verlieren: Soll ich physisches Gold kaufen – in Form von Barren, Anlage- oder Raritätenmünzen? Ist ein Finanzprodukt, ein börsengehandelter Exchange Traded Funds (ETF) auf Gold, die vielversprechendere Variante? Oder sind Aktien von Minenbetreibern besonders lukrativ? Nachfolgend geben wir Ihnen einige Tipps, auf was beim Anlagethema Gold zu achten ist.

Die Rolle von Gold in einem Portfolio

Diversifikation ist eines der wichtigsten Anlagekonzepte bei der Verwaltung eines Portfolios. Gold ist ein nützlicher Baustein in einem breit diversifizierten Portefeuille. Es hat sich in unsicheren Zeiten als gute Krisenanlage erwiesen und geniesst daher den Ruf eines sicheren Hafens. Das gelbe Edelmetall weist unterschiedliche Chancen und Risiken gegenüber Aktien, Anleihen und Immobilien auf. Es korreliert nur teilweise mit diesen Anlageklassen, oft entwickelt sich der Goldpreis gegenüber den Aktienmärkten in die entgegengesetzte Richtung. Gold als «Krisenwährung» dient zur Absicherung gegen hohe Marktvolatilität, politische Instabilität, Inflation, Währungsabwertungen oder Wirtschafts- und Finanzmarktkrisen. Darum sollten Anleger ihrem Anlagedepot einen Gold-Anteil von rund drei bis fünf Prozent beimischen.

Im Vergleich zu anderen Edelmetallen wie Silber, Platin oder Palladium ist der Goldmarkt der weitaus liquideste. Gold ist aber keine risikofreie Anlage. Der Goldpreis kann zeitweise erheblich schwanken. Er wird vor allem von der Marktnachfrage aus der Schmuckindustrie und dem Investmentbereich bestimmt. In Indien etwa spielt Gold traditionell eine wichtige Rolle. In keinem anderen Land kaufen die Menschen so viel Goldschmuck wie auf dem Subkontinent. Während der Hochzeitsaison werden Brautpaare von Bekannten und Verwandten mit Gold und Goldschmuck beschenkt. Die indische Hochzeitsaison bewegt daher jedes Jahr den Goldpreis. Silber wird in deutlich mehr industriellen Anwendungen genutzt, sein Preis ist stärker von den Wirtschaftszyklen abhängig. Der Hauptvorteil von Silber ist, dass es viel günstiger als Gold ist und somit für Kleinanleger leichter zugänglich. Da der Markt für Silber weniger liquid ist als jener für Gold, ist es grösseren Preisschwankungen ausgesetzt und daher ein spekulativeres Investment.

Goldnachfragen in Tonnen

Quelle: World Gold Council

Zentralbanken wie die US-Notenbank oder die Schweizerische Nationalbank und Institutionen wie der Internationale Währungsfonds sind wichtige Teilnehmer am Goldmarkt. Sie halten einen Teil ihrer Währungsreserven jeweils in Gold. Die Vereinigten Staaten verfügen über die höchsten Goldreserven der Welt. Länder wie China, Russland und Indien haben ihre Goldreserven über die vergangenen Jahre kräftig aufgestockt. Umfangreiches Datenmaterial rund um das Thema Gold finden Sie auf der Homepage des World Gold Council.

Die zehn Länder mit den grössten Goldreserven weltweit (Stand: März 2019)

Quelle: World Gold Council

Da das gelbe Edelmetall an den internationalen Märkten in Dollar gehandelt wird, beeinflusst der Verlauf des Greenbacks den Goldpreis. Ein fester Dollar kann den Goldpreis belasten, ein schwacher beflügeln. Mit physischem Gold gehen Sie daher auch ein gewisses Währungsrisiko ein. Fällt der Dollar gegenüber dem Schweizer Franken, sinkt der Goldpreis in Franken – und umgekehrt. Auch das Zinsniveau ist zu beachten. Steigt es, büsst Gold gegenüber Anleihen an Attraktivität ein. Seit der Jahrtausendwende hat sich Gold zwar massiv verteuert, in einer Langzeitbetrachtung hat sich der Goldpreis aber über lange Zeiten kaum bewegt oder ist zeitweise stark gefallen. Wer seit 1990 an den US-Aktienbörsen auf Standardwerte gesetzt hat, ist trotz zwei verheerender Börsencrashs mit Aktien letztlich besser gefahren.

Auf lange Sicht haben sich die US-Standardwerte besser entwickelt als die Edelmetallpreise

Quelle: Bloomberg

Gold eignet sich dennoch gut für die Kapitalbewahrung, da es auf lange Sicht im Grossen und Ganzen seine Kaufkraft behält. Es generiert aber keinen laufenden Ertrag. Anders als Anleihen oder Aktien wirft Gold weder Zinsen noch Dividenden ab und ist daher eine «unproduktive» Kapitalanlage. Gewinne können Anleger nur über Preissteigerungen einfahren, das heisst, wenn Sie Gold zu einem höheren Kurs als dem Einstandspreis verkaufen können. Zudem fallen bei der Aufbewahrung von Gold wie bei einem Wertschriftendepot Gebühren an.

Anleger- oder Sammlermünzen?

Die älteste und einfachste Methode für Goldanlagen ist der Kauf einiger physischer Münzen oder Barren. Je kleiner die Stückelung ist, desto höher ist jedoch der Aufpreis, den Sie gegenüber dem Goldwert der Münze bzw. des Barrens bezahlen. Kaufen Sie zwei Halbunzen, zahlen Sie aufgrund der Prämie mehr als für eine Goldunze. Bei der Migros Bank können Sie Gold am Schalter oder über den Kundenberater erwerben. Sie können es über die sogenannte Sammelverwahrung in Ihrem Wertschriftendepot einbuchen lassen, in einem Tresorfach deponieren oder in einem Metallkonto halten. Bei der Sammelverwahrung und dem eigenen Tresorfach befindet sich das Gold in Ihrem Eigentum. Das Metallkonto dagegen verkörpert «nur» einen Lieferanspruch gegenüber der Bank.
Für die meisten Privatinvestoren sind bekannte Anlagemünzen (Bullion coins) wie American Eagle, Canadian Maple Leaf, Wiener Philharmoniker und Krügerrand oder Barren mit gängigem Prägestempel die geeignetere Wahl als Sammlermünzen. Für Laien ist der Sammlerwert einer Raritätenmünze schwer abschätzbar und solche Münzen werden gegenüber ihrem Goldwert mit teilweise substanziellen Aufpreisen gehandelt. Bei Goldbarren sollte der Hersteller von der London Bullion Market Association (LBMA) zertifiziert sein. Nur so ist ein weltweiter Handel und Wiederverkauf des Goldbarrens problemlos möglich. Der London Bullion Market ist der wichtigste ausserbörsliche Handelsplatz für Edelmetalle wie Gold und Silber. Hersteller von Goldbarren, die ihre Produkte am Londoner Goldmarkt verkaufen wollen, müssen sich einer strengen Prüfung durch die LBMA unterziehen. Die Wurzeln dieses Goldmarkts reichen zurück bis zum Ende des 17. Jahrhunderts, als Unternehmen wie die East India Company mit dem Goldhandel begannen.

Kein Gegenparteirisiko bei physischem Gold

Derivate und Zertifikate bilden den Goldpreis bloss nach, schlimmstenfalls können sie wertlos verfallen. Für unerfahrene Privatanleger sind solche Produkte ihrer Komplexität wegen oft schwer verständlich. Einen Anspruch auf physisches Gold verkörpern sie nicht. Einer der wichtigsten Vorteile von physischem Gold ist: Im Gegensatz zu Derivaten oder Zertifikaten besteht kein Gegenparteirisiko. Der Anleger ist somit nicht abhängig von der Zahlungsfähigkeit eines Emittenten. Sollte eine Bank insolvent werden oder gar Konkurs erleiden, wird sie ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen können.
Beim Kauf eines börsengehandelten Gold-ETF sollte der Indexfonds vollständig mit physischem Gold hinterlegt sein. Durch den Erwerb des Fondsanteils ist der Anleger der rechtmässige Besitzer des hinterlegten Golds. Prüfen Sie jedoch, wann und zu welchen Konditionen der Indexfonds zur Auslieferung des hinterlegten Golds verpflichtet ist. Das kann ab einer Goldunze (31,1 Gramm) sein, aber auch erst ab einem Barren von 12,5 Kilogramm. Im Falle einer Systemkrise, wenn viele Anleger gleichzeitig ihr Gold ausliefern lassen wollen, ist die Bank mitunter nicht zur Lieferung des physischen Golds verpflichtet. In der Regel ist eine Auslieferung mit hohen Gebühren verbunden.

Spekulative Minenaktien

An den Aktienmärkten gibt es eine Vielzahl von Gold- und Silberbergbauunternehmen, in die investiert werden kann – vor allem in Toronto (Kanada), London (Grossbritannien), Sydney (Australien) und Johannesburg (Südafrika). Es gibt auch etliche ETFs, die breit in Gold- und Silberaktien investieren. Im Allgemeinen steigen und fallen Minenaktien schneller als die Edelmetallpreise. Goldaktien sind allerdings viel spekulativer als ein Engagement in physischem Gold. Sie sind mit Risiken verbunden, die nicht unmittelbar mit dem Goldpreis zusammenhängen. Das können Umweltskandale, regulatorische Auflagen, Missmanagement oder Betrug sein (Dazu ein kleiner Filmtipp: Schauen Sie sich den Spielfilm «Gold» an. Er beruht auf dem Skandal des kanadischen Minenunternehmens Bre-X Minerals und dem angeblich grössten Goldfund des 20. Jahrhunderts). Auch wenn die Kurschancen verlockend erscheinen, meiden Sie besser Einzelengagements in Titeln von sogenannten Gold Juniors (Aktien von jungen Minenunternehmen). Solche Valoren sind meistens Top oder Flopp. Viele dieser Gesellschaften schreiben rote Zahlen. Sinkt der Goldpreis, fallen sie tief in die Verlustzone. Bleiben auf der Suche nach neuen Vorkommen die Bohr- und Produktionserfolge aus, brechen die Kurse umgehend ein.

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