Wie hart die Corona-Pandemie die Wirtschaft trifft

Der Kampf gegen die Corona-Pandemie legt in betroffenen Ländern das Wirtschaftsleben lahm. Der Stillstand trifft die Unternehmens- und Finanzwelt massiv. Prognosen zum weiteren Verlauf der Wirtschaftskrise haben derzeit eine kurze Halbwertszeit.

Mit dem raschen Anwachsen zur Pandemie hat das Coronavirus etliche Wirtschaftsprognosen und Analysteneinschätzungen teilweise innert weniger Tagen zur Makulatur werden lassen. Sie müssen neu überdacht werden. So wurde vor kurzem noch vielfach erwartet, dass sich das Bruttoinlandprodukt (BIP) betroffener Länder im zweiten Quartal glimpflich zurückbilden wird, eine kurze Wachstumsdelle sozusagen.

Doch nun steht das öffentliche Leben vielerorts weitgehend still, ebenso weite Teile der Wirtschaft. In vielen Staaten wurde die Notlage schon ausgerufen, weitere werden folgen. Die Wirtschaftsleistung wird daher in zahlreichen Ländern heftig einbrechen, aus heutiger Sicht sicherlich im zweiten Jahresviertel. Es zeichnet sich ab, dass die Weltwirtschaft dieses Jahr bestenfalls etwa ein Prozent wachsen wird. Abgesehen von der Finanz- und Weltwirtschaftskrise 2008/09 entspräche dies dem langsamsten Zuwachs seit Jahrzehnten. Wahrscheinlich wird die Weltwirtschaft sogar stagnieren. Es lässt sich derzeit schlichtweg nicht abschätzen, wie gravierend und langanhaltend die Wirtschaftsschäden ausfallen werden.

Zwingend notwendig

Etliche Volkswirtschaften befinden sich in einem Lock- bzw. Shutdown oder haben scharfe Bestimmungen erlassen, um die weitere Ausbreitung der Corona-Pandemie zu verlangsamen. Wahrscheinlich wird dieser Ausnahmezustand vielerorts auch länger anhalten als derzeit angekündigt. Auch hier müssen Regierungen und Behörden die Situation täglich neu analysieren. Aus Sicht des Gesundheitswesens und zum Schutz unser aller Gesundheit sind diese Massnahmen zwingend notwendig und unerlässlich. Sie treffen das Wirtschaftsleben aber hart.

Neu erwarten wir etwa, dass die US-Wirtschaft, die grösste Volkswirtschaft der Welt, in den nächsten zwei Quartalen eine scharfe Rezession durchlaufen wird, zumal sie gleich zwei Schocks verdauen muss: die Corona-Krise und den Einbruch der Ölpreise. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) dürfte im zweiten Jahresviertel je nach Prognose diverser US-Wertschriftenhäuser um drei bis fünf Prozent einbrechen. Die Migros Bank geht aber weiterhin davon aus, dass die US-Wirtschaft ab Herbst allmählich auf den Erholungspfad zurückkehren wird. Auch in weiten Teilen der Welt dürfte sich die Wirtschaft wohl ähnlich entwickeln. Diese Einschätzung ist aber eine Momentaufnahme und mit vielen Unsicherheiten behaftet.

Ein Teufelskreis

Im Flugverkehr, im Tourismus, in der Gastronomie und vielen anderen Wirtschaftszweigen bricht die Aktivität ein oder ist bereits zum Stillstand gekommen. Auch wenn nicht alle Unternehmen umgehend Mitarbeitende entlassen müssen, sondern vorerst auf Mittel wie Kurzarbeit oder Ferienabbau zugreifen können, hat dies für das weitere Wirtschaftsgeschehen weitreichende Konsequenzen. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die weniger verdienen, oder ihre Stelle gar verlieren, werden auch ihre Ausgaben zurückfahren. Entsprechend werden sich die Konsumausgaben in vielen Ländern in den nächsten Monaten deutlich abschwächen. Dieser Effekt zieht weitere Wirtschaftsbereiche in Mitleidenschaft.

Andere Unternehmen leiden darunter, dass die Versorgungsketten schwer gestört oder gar unterbrochen sind. Wenn der Lieferant in einem Land ansässig ist, das sich in einem Sperrzustand befindet, ist die Lieferkette arg strapaziert. Wenn früher oder später für die Produktion notwendige Komponenten oder andere Wirtschaftsgüter Mangelware werden, müssen auch diese Unternehmen ihren Betrieb stärker zurückfahren. Ganz allgemein führt der düstere Wirtschaftsausblick dazu, dass Unternehmen ihre ursprünglich geplanten Investitionsvorhaben aufschieben oder bereits gesprochene Investitionspläne zurückstutzen.

Panik an den Finanzmärkten

All diese Unsicherheiten reflektieren sich an den Finanzmärkten, die unter massivem Stress stehen. Die Aktienkurse sind in den letzten Wochen weltweit eingebrochen – mit einer Wucht und in einem Tempo, das viele Anleger in Panik versetzt hat und weiter ängstigt. Auch an den Kapitalmärkten ist die Stimmung angespannt. Die Risikoaufschläge von Unternehmensanleihen haben sich deutlich ausgeweitet, die Finanzierungsbedingungen für hochverschuldete Unternehmen haben sich verschlechtert. Die Liquiditätsverengung ist kurzfristig eine erhebliche Belastung für die Unternehmenswelt, obschon der nun einsetzende Ausleseprozess für die Realwirtschaft und Finanzmärkte auf lange Sicht eigentlich von gesunder Natur ist. Gleichzeitig gilt es aber, schwerwiegende Strukturschäden in der Realwirtschaft möglichst zu verhindern.

Viele Fragezeichen

Es ist derzeit höchst ungewiss, wie die Corona-Pandemie weiter verlaufen wird. Vieles hängt davon ab, ob es den Behörden weltweit gelingen wird, die Pandemie in den kommenden Wochen unter Kontrolle zu bringen und die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Wir alle können unseren Teil dazu beitragen, indem wir die Behörden und Regierungen unterstützen, uns an die Notmassnahmen halten, den Regeln folgen und damit das Gesundheitswesen zumindest teilweise entlasten.

Gelingt dies, werden die Wachstumseinbrüche womöglich weniger gravierend ausfallen als derzeit in Schreckensszenarien skizziert wird. Falls es in den kommenden Monaten nicht gelingt, zumindest die Ausbreitungsdynamik zu verlangsamen, verschlechtern sich die Wirtschaftsperspektiven entsprechend weiter. Ein grosses Fragezeichen ist zudem, ob sich das Virus nicht wieder rasch ausbreitet, wenn die Eindämmungsmassnahmen gelockert werden.

Umfangreiche Stützungsmassnahmen

In Anbetracht all dieser Erschütterungen sind weltweit die Notenbanken den Finanzmärkten bereits zur Hilfe geeilt, sei das in Form von Zinssenkungen und/oder mit riesigen Liquiditätsspritzen. Wir erwarten, dass die Zentralbanken in den kommenden Wochen weitere Massnahmen zur Stützung der Märkte ergreifen werden. Sie haben ihre Mittel noch nicht voll ausgeschöpft. Mit geldpolitischen Instrumenten allein lässt sich diese Wirtschaftskrise indes nicht bekämpfen.

Die Wirtschaftshilfe wird zusätzlich vor allem von Regierungen kommen, etwa in Form von umfangreichen Konjunkturpaketen und Überbrückungskrediten. Viele Staaten haben denn auch bereits milliardenschwere Notprogramme und Unterstützungspakete angekündigt. Um eine Kreditkrise und einen starken Anstieg der Arbeitslosigkeit abzuwenden, werden die Regierungen in den kommenden Wochen und Monaten weitere Schritte unternehmen müssen.

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