Wer sind die «Dogs of the Dow»?

Die Anlagestrategie «Dogs of the Dow» ist ein einfacher Investmentansatz. Auf lange Sicht sind Anleger mit dieser Strategie gut gefahren.

«Das Leben ist wirklich einfach, aber wir bestehen darauf, es kompliziert zu machen», lehrte uns schon der chinesische Philosoph Konfuzius. Einfachheit ist wichtig in unserem Leben. Denn ein einfacher Prozess lässt sich besser umsetzen und auf lange Sicht auch besser einhalten als ein komplexer. Je komplizierter wir die Sachen machen, umso schwieriger wird es, damit zu arbeiten. Auch beim Investieren gilt für die meisten Privatanleger: Je einfacher die Anlagestrategie, desto besser. Für ihre Einfachheit äusserst bekannt ist die Anlagestrategie «Dogs of the Dow». Sie ist vor allem in den Vereinigten Staaten populär. Zugeschrieben wird sie dem Vermögensverwalter Michael B. O’Higgins, der die Methode in seinem 1991 veröffentlichten Buch «Beating the Dow» vorgestellt hatte. Anleger sind in der Vergangenheit mit dieser Strategie gut gefahren.

Der Dow Jones Industrial ist das Leitbarometer der US-Aktienmärkte. Dieser Index umfasst die Aktien von 30 führenden US-Unternehmen, die gemeinhin als Blue Chips oder Standardwerte bezeichnet werden. Dow-Werte sind also Titel von namhaften Weltkonzernen wie Apple, Microsoft, Boeing oder Johnson & Johnson. Diese Unternehmen sind im Markt gut etabliert und zeichnen sich normalerweise durch eine erstklassige Bonität, hohe Ertragskraft, solide Finanzstruktur sowie eine nachhaltige und attraktive Dividendenpolitik aus. Daher gelten Blue Chips als Qualitätstitel, die risikoärmer und weniger schwankungsanfällig sind als viele andere Aktien. Alle Dow-Komponenten schütten eine Dividende aus, die Dividendenrenditen fallen aber unterschiedlich hoch aus.

Die zehn renditeträchtigsten Dow-Titel

Bei der Dogs-of-the-Dow-Strategie investiert der Anleger jeweils zu Beginn eines neuen Börsenjahres einen gleich hohen Betrag in die zehn Dow-Aktien mit der aktuell höchsten Dividendenrendite – und hält diese Titel bis zum Jahresende. Oftmals handelt es sich dabei um Valoren, die im zurückliegenden Anlagejahr deutlich hinter dem Gesamtmarkt zurückgeblieben sind. Im Börsenjahr 2019 setzten sich die «Dogs of the Dow» aus folgenden Titel zusammen: Chevron (Börsenticker: CVX), Cisco Systems (CSCO), Coca-Cola (KO), Dow Inc (DOW), Exxon Mobil (XOM), IBM (IBM), JP Morgan Chase (JPM), Pfizer (PFE), Procter & Gamble (PG) und Verizon (VZ). Nach einem Jahr werden abermals die zehn Dow-Aktien mit der höchsten Dividendenrendite ausgewählt und erneut für zwölf Monate im Portfolio gehalten. Die Titel, die nicht mehr zu den zehn besten Dividendenzahlern gehören, werden jeweils verkauft. Eine gute Übersicht, die ihnen hilft, die entsprechenden Valoren rasch zu finden, bieten beispielsweise die Webseiten Dividend.com und Dogs of the Dow.

Die Strategie geht davon aus, dass die Aktien mit der höchsten Dividendenrendite unterbewertet sind und die Titel daher im neuen Börsenjahr ein Erholungspotenzial offerieren. Denn die Dividendenrendite berechnet sich als Verhältnis der Dividende pro Aktie zum Aktienkurs: Je niedriger der Kurs, desto höher die Dividendenrendite. Dahinter steht die Überlegung, dass Dow-Werte in der Regel nur zeitweise aus der Anlegergunst fallen und eine hohe Dividendenrendite deshalb auf einen günstigen Einstiegskurs hinweist. Aufgrund der Einschränkung auf die zehn Top-Dividendenzahler fährt der Anleger mit dieser Anlagestrategie gleichzeitig überdurchschnittlich hohe Dividendeneinnahmen ein.

Ihre Ursprünge hat die Dogs-of-the-Dow-Strategie in der Fokussierung auf die Titel mit der schlechtesten Vorjahresperformance. Diese Titel wurden «Dogs» (Hunde) genannt. Oft sind es dieselben Titel, weshalb der Begriff «Dogs of the Dow» mittlerweile die zehn grössten Dividendenzahler umschreibt. Inzwischen gibt es weitere Abwandlungen, beispielsweise die «Small Dogs of the Dow». Diese Gruppe setzt sich zusammen aus den fünf Top-Dividendenzahler mit den niedrigsten Kursen am Ende des Vorjahres.

Langfristig haben Investoren sowohl mit den «Dogs of the Dow» als auch mit den «Small Dogs» schöne Gewinne eingefahren. Im Zeitraum von 2000 bis Ende 2018 haben die «Hunde» und die «Kleinen Hunde» mit einer durchschnittlichen Gesamtrendite von 9,0 bzw. 10,0 Prozent pro Jahr den Dow Jones Industrial und den S&P-500-Index übertrumpft (vgl. Grafik). Auch über drei, fünf und zehn Jahre haben beide Anlagestrategien bis Ende 2018 besser performt als die Vergleichsindizes. Im Börsenjahr 2019 indes sind die «Dogs of the Dow» hinter diesen Anlagebarometern geblieben. Dies zeigt unter anderem: Für einen konstanten Vermögensaufbau eignen sich auch bei dieser Strategie ein regelmässiges Investieren und ein langfristiger Anlagezeitraum am besten. Wie Finanzstudien zeigen, lässt sich der Dogs-of-the-Dow-Investmentansatz auch in anderen Aktienmärkten erfolgversprechend umsetzen.

Quelle: dogsofthedow.com

 

Vor- und Nachteile

Eine Investition in die «Dogs of the Dow» bietet mehrere Vorteile: Die Strategie ist einfach umzusetzen und vergleichsweise pflegeleicht. Sie generiert attraktive Dividendeneinnahmen, während der Anleger in starken, bekannten Unternehmen mit einem langjährigen Leistungsausweis investiert ist, deren Aktien das Potenzial haben, den Gesamtmarkt zu schlagen. Gerade in Zeiten von Negativ- und Tiefzinsen kann diese Strategie auch eine Alternative zu einem Engagement in Anleihen darstellen.

Anleger sollten sich allerdings bewusst sein, dass diese Art von Strategie kein garantiertes Erfolgsrezept ist. Finanzwerte beispielsweise zählten unmittelbar nach der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise von 2007/08 zu den besten Dividendenzahlern. Die Titel haben sich nachfolgend aber viele Jahre lang schlecht entwickelt, wobei etliche Finanzinstitute ihre Dividenden gekürzt und anschliessend niedrig gehalten haben. Die Konzentration auf nur zehn Titel kann ebenso dazu führen, dass Aktien aus einer Einzelbranche zeitweise überproportional stark im Portfolio vertreten sind. Darunter leidet die Diversifikation. Ebenso besteht das Risiko, sich eine Niete ins Portefeuille zu holen, die von einem Tief zum nächsten fällt und früher oder später aus dem Dow Jones Industrial gekippt wird.

Nicht zuletzt ist jede Anlagestrategie gewissen «Modeströmungen» unterworfen. Angesichts der weltweit tiefen Zinsen sind Dividendenaktien seit einigen Jahren als Ersatz für Obligationen en vogue. Dieser Trend kann wieder umschlagen, obwohl etliche Studien belegen, dass langfristig ein substanzieller Teil der Aktienperformance den Dividenden zuzuschreiben ist. Während der Dotcom-Manie Ende der Neunzigerjahre beispielsweise verschmähten viele Investoren Dividendenvaloren aus der «Old Economy» zugunsten der «heissesten» Tech- und Internetaktien.

Nachfolgend präsentieren wir Ihnen die zehn Dow-Dogs für das Anlagejahr 2020. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein hoffentlich erfolgreiches, neues Börsenjahr.

Die Dogs of the Dow für das Anlagejahr 2020

UnternehmenBörsenkürzelAktienkurs in USD 1)Dividendenrendite in % 1)
Dow IncDOW54.735.12%
Exxon MobilXOM69.784.99%
IBMIBM134.044.83%
VerizonVZ61.404.01%
ChevronCVX120.513.95%
PfizerPFE39.183.88%
3MMMM176.423.26%
WalgreensWBA58.963.10%
CiscoCSO47.962.92%
Coca-ColaKO55.352.89%
1) am 31.12.2019Quelle: Bloomberg

 

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