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Was ist eine Spac?

Börsengänge mittels Spac sind derzeit in Mode. Vor allem an den US-Börsen. Was steht hinter diesem Finanzakronym?

Trotz Corona-Krise hat sich der US-Markt für Initial Public Offerings (IPO) im vergangenen Jahr prächtig entwickelt. Auch ins laufende Jahr ist der amerikanische IPO-Markt schwungvoll gestartet. Anstelle eines klassischen Börsengangs ziehen allerdings zahlreiche Unternehmen eine Publikumsöffnung mittels einer Spac vor. Dieser Begriff steht für Special Purpose Acquisition Company. Darunter versteht man eine Mantelgesellschaft, die ein privates Unternehmen (oftmals ein Start-up) erwirbt und an die Börse bringt.

In den Vereinigten Staaten boomen diese Akquisitionsvehikel. Populär sind Spacs, weil sie Unternehmen einen einfacheren und schnelleren Weg an die Börse ermöglichen. Dem Finanzdienstleister Refinitiv zufolge erreichte das Volumen der Börsengänge in den USA im vergangenen Jahr 159 Milliarden Dollar und damit einen neuen Rekord. Davon entfielen knapp 76 Milliarden Dollar auf Spacs. Im laufenden Jahr sind bereits zahlreiche neue Spacs an den US-Aktienmarkt gekommen. Spac-Gesellschaften an sich gibt es schon lange. In der Vergangenheit wurden sie in der Finanzwelt allerdings vielfach skeptisch betrachtet. In den Neunzigerjahren etwa eilte ihnen der Ruf voraus, kleine, unreife Unternehmen an die Börse zu bringen. Etliche Unternehmenspleiten und eine oftmals enttäuschende Aktienperformance waren die Folge. 

IPO-Volumen auf dem höchsten Stand seit 2007

Erlöse aus Börsengängen nach Region oder Typ in Milliarden US-Dollar

Grafik: Erlöse aus Börsengängen nach Region oder Typ in Milliarden US-Dollar

Leere Unternehmenshülle

Eine Spac hat zunächst kein operatives Geschäft oder Produkt. Es ist sozusagen eine leere Hülle – mit dem alleinigen Geschäftszweck, in der Zukunft ein bestehendes Privatunternehmen zu erwerben. Die Spac selbst geht an die Börse, ehe ihr Übernahmeziel identifiziert ist (die Branchenzugehörigkeit ihres Akquisitionsziels ist üblicherweise aber bekannt). Aus diesen Gründen werden solche Vehikel oft als Blankoscheck-Gesellschaft bezeichnet. 

Gegründet werden Spacs durch eine Einzelperson oder ein Unternehmen. Die Gründer werden als Sponsor bezeichnet. Im Zuge ihres Börsengangs nimmt die Spac-Gesellschaft Kapital auf. Die Erlöse aus dem Börsengang werden treuhänderisch verwaltet und meistens in Staatsanleihen investiert. Die Mittel können nur für folgende Zwecke verwendet werden: zum Erwerb eines Unternehmens, zur Einzahlung in das Kapital eines Unternehmens, zur Ausschüttung an die Aktionäre im Rahmen der Liquidation, wenn die Spac eine Fusion/Übernahme nicht vollzieht, oder zur Rücknahme von Aktien. Das Management begibt sich dann auf die Suche nach einem oder mehreren geeigneten Unternehmen, die noch nicht an der Börse gelistet sind. 

Wette auf den Sponsor

Die Spac selbst wird an der Börse wie jedes andere börsennotierte Unternehmen gehandelt. Hier kommen auch Privatanleger ins Spiel. Da das künftige Übernahmeziel noch unbekannt ist, kaufen Anleger solche Titel aufgrund ihres Vertrauens in den Sponsor oder des Versprechens auf eine aussichtsreiche Akquisition in einer Wachstumsbranche beispielsweise. Sie vertrauen quasi der Expertise des Sponsors, es ist eine Wette auf das Spac-Management. Schliesst die Spac eine Akquisition ab, wird das übernommene Unternehmen in der Regel an der Nasdaq oder der New York Stock Exchange notiert. Das Börsensymbol ändert sich üblicherweise, um den Namen des akquirierten Unternehmens zu spiegeln.

Die Spac-Struktur ist für institutionelle Investoren vor allem wegen des begrenzten Risikos attraktiv. Wenn sich Investoren beim Börsengang der SPAC beteiligen, erwerben sie in der Regel eine sogenannte «Einheit». Die «Unit» repräsentiert eine Kombination aus einer Aktie und einem Optionsschein (Warrant). Mit dem Optionsschein kann der Investor nach der Bekanntgabe des Zielunternehmens üblicherweise in einem bestimmten Verhältnis zu einem voraus bestimmten Preis weitere Aktien kaufen. Ausserdem können die Investoren ihre Anteile zurückgeben, wenn sie mit dem Akquisitionsziel unzufrieden sind. Kommt keine Übernahme zustande, erfolgt die Auflösung der Spac und die Aktionäre erhalten ihr Kapital zurück. Normalerweise beträgt das Zeitfenster für die angestrebte Akquisition 18 bis 24 Monate. Das Spac-Management kann eine Verlängerung dieses Zeitrahmens beantragen. Der Antrag muss aber von den Anlegern genehmigt werden.

Börsengang im Schnelltempo

Warum gehen private Unternehmen über eine Spac an die Börse? Dafür gibt es mehrere Gründe. Sie wollen beispielsweise vom Know-how des Sponsors profitieren, der in der Vergangenheit schon andere Unternehmen erfolgreich an die Börse gebracht hat. Unternehmen können sich auf diesem Weg auch den langwierigen Börsenzulassungsprozess und die hohen Gebühren eines traditionellen IPO teilweise sparen. Das Unternehmen ist in diesem Prozess aber nicht unbedingt mit weniger regulatorischen Anforderungen konfrontiert. Sein Börsengang erfolgt in einer kürzeren Zeitspanne. Obschon die Spac bereits von der SEC zugelassen wurde, muss das Zielunternehmen ebenfalls die Genehmigung der Aufsichtsbehörden einholen. 

Eine Spac bietet dem Unternehmen auch eine gewisse Sicherheit. Bei einem typischen Börsengang ist der Emissionspreis für die Aktien des Unternehmens lange Zeit nicht sicher. Er wird unter anderem durch den Appetit der Investoren, das Marktumfeld und die Fundamentaldaten des Unternehmens bestimmt. Ein Unternehmen weiss erst kurz vor dem Börsengang, wie hoch der Emissionserlös ist, auch wenn der traditionelle IPO-Prozess bis zu zwei Jahre dauern kann. Bei einer Spac-Transaktion dagegen kann das Management den Kaufpreis aushandeln. Nicht zuletzt erwerben Spacs private Unternehmen oftmals mit einem Aufschlag.

Was haben die Spac-Gründer davon? In der Regel erhalten sie einen 20-Prozent-Anteil am Spac-Unternehmen für eine nominelle Summe von 25‘000 US-Dollar. Dieses Aktienpaket ist der Ausgleich dafür, dass der Sponsor kein Gehalt oder keine Provision für seine Arbeit erhält, bis die Übernahme abgeschlossen ist.

Vorsicht angebracht

Warum boomen Spacs? Ein wesentlicher Grund ist die Covid-19-Pandemie, die die Investoren- und Unternehmerwelt verunsichert hat. Etliche Privatunternehmen benötigten Zugang zu Kapital, waren sich aber nicht sicher, ob sie im garstigen Wirtschafts- und Börsenumfeld grosse Finanzierungsrunden durchführen können. Angesichts der Marktvolatilität war das traditionelle Going public auch weniger verlockend, da es aus Unternehmenssicht ungewiss war, wie viel Kapital eine traditionelle Publikumsöffnung einspielt. Andere Unternehmen nutzen jetzt das verbesserte Marktumfeld für einen zügigen Börsengang, ehe sich das IPO-Fenster wieder zu schliessen beginnt. 

Aus Sicht eines Privatanlegers heisst es: Aufgepasst! Der Spac-Boom erscheint nicht nachhaltig. Die Börsenperformance nach dem Zusammenschluss mit dem Zielunternehmen verläuft vielfach durchwachsen. Die Struktur der Akquisitionsvehikel ist für Privatanleger oft schwer durchschaubar. Einer universitären US-Studie zufolge sind die Kosten der Spac-Struktur undurchsichtig und höher als angenommen. Das Anlegerinteresse kann auch mit dem Eigeninteresse des Sponsors kollidieren. Wenn sich die Zeitspanne für eine Übernahme ihrem Ende nähert, könnte ein Spac-Management versucht sein, ein Privatunternehmen zu akquirieren, das bei einer eingehenderen Betrachtung eigentlich nicht börsenreif ist. Nicht zuletzt geraten Spac-Gründer wegen ihrer lukrativen Vergütungen zunehmend in die Kritik.

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