Warum der starke Franken für die Schweiz ein Segen ist

Die Wachstumsstärke der Schweiz wird regelmässig unterschätzt. Deshalb zeigen wir, wie gut sich unsere Wirtschaft im internationalen Vergleich geschlagen hat. Und erklären, welche Rolle der harte Franken dabei spielt.

74’000 Milliarden Dollar: So hoch ist der Wert aller Güter und Dienstleistungen, die letztes Jahr auf unserem Planeten hergestellt wurden. Dieses Welt-Bruttoinlandprodukt betrug vor 20 Jahren noch 32’000 Milliarden Dollar und hat sich somit mehr als verdoppelt. Dazu beigetragen hat einerseits, dass die globale Bevölkerung um 1,6 Milliarden Menschen zugenommen hat. Wichtiger aber ist ein anderer Faktor: Den Menschen geht es deutlich besser als früher.

Die Profiteure des grösseren Wohlstands sind primär die Schwellenländer. Ihr Anteil am Welt-BIP stieg nämlich von 22 auf 39 Prozent. Dahinter steht vor allem der sensationelle Aufstieg Chinas. Im Gegenzug ist das Gewicht der Industrieländer von 78 auf 61 Prozent geschrumpft. Relativ gesehen sind die westlichen Länder also die klaren Verlierer der beiden letzten Jahrzehnte.

Wie die Grafik eindrücklich zeigt, gibt es allerdings grosse Unterschiede unter den Industriestaaten. Geradezu dramatisch ist der Abstieg von Japan. Dessen Anteil am Welt-BIP hat sich von 13,7 auf 6,0 Prozent halbiert. Gut geschlagen haben sich dagegen die USA. Dank der raschen Erholung nach der Finanzkrise hat Amerika den Rückstand auf das weltweite BIP-Wachstum beinahe wieder wettgemacht.

Die Gewinner und Verlierer der letzten 20 Jahre
So hat sich das nominale BIP verschiedener Länder in Relation zum Welt-BIP entwickelt.
Lesebeispiel 1: Der Anteil der Schwellenländer stieg von 1997 bis heute von 22% auf 39%. Ihr Gewicht am Welt-BIP ist damit rund 80% grösser als vor 20 Jahren.
Lesebeispiel 2: Der Anteil der Schweiz betrug 1997 0,91% und ist seither nur ganz leicht auf 0,88% gesunken. Entsprechend ist die Kurve der Schweiz nahezu konstant geblieben.
(Daten: IWF)

Sehr erfreulich ist das Abschneiden der Schweiz. Vor 20 Jahren erreichte unser Land einen Anteil von 0,9 Prozent am globalen Ausstoss von Waren und Dienstleistungen. Und dieses Niveau konnte bis heute trotz dem Vorrücken der Schwellenländer gehalten werden. Doch wie ist dieser Erfolg möglich? Während sich das Welt-BIP seit 1997 verdoppelt hat, erlebte die Schweiz ja keinen vergleichbaren Wachstums-Boom. (Konkret erhöhte sich das BIP von 420 Milliarden Franken im Jahr 1997 auf 650 Milliarden Franken im letzten Jahr).

Die Antwort gibt die Entwicklung des Schweizer Frankens.

Um das Wachstum der verschiedenen Länder vergleichen zu können, müssen die BIP-Zahlen in einer einheitlichen Währung – in der Regel Dollar – gemessen werden. Weil der Franken als stärkste Währung der Welt kontinuierlich an Wert gewonnen hat, ist auch das Wachstum der Schweiz im Vergleich zu den meisten Industrieländern stärker ausgefallen.

Deutlich sichtbar in der Grafik ist der zunehmende Vorsprung gegenüber Deutschland: Obwohl unser nördlicher Nachbar punkto Wachstum zu den europäischen «Musterknaben» gehört, ist der Anteil am weltweiten BIP rückläufig. Weshalb? Ein wesentlicher Unterschied zur Schweiz besteht in der Entwicklung der Währung: Denn im Gegensatz zum Franken wertet sich der Euro immer mehr ab – womit Deutschland, wie auch die Eurozone insgesamt, einen ständig kleineren Beitrag zum Welt-BIP beisteuert.

Besonders Europa und Japan suchen ihr Heil derzeit in der Schwächung ihrer eigenen Währung.

Zwar kann eine solche Abwertungspolitik kurzfristig durchaus stimulierend wirken. Die Exportfirmen profitieren zunächst, weil sie die Produkte im Ausland billiger anbieten können. Letztlich jedoch begünstigt eine schwache Währung den wirtschaftlichen Abstieg eines Landes.

Vor allem für die Konsumenten ist eine starke Währung von Vorteil, weil ihre Kaufkraft dadurch zunimmt. Deshalb hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) richtig gehandelt, als sie vor zwei Jahren den Euro-Mindestkurs wieder aufhob. Ohne Zweifel sind vorübergehende Stützungskäufe der SNB sinnvoll, um die Exportindustrie vor einer allzu abrupten Aufwertung des Frankens zu schützen. Doch gerade die letzten 20 Jahre haben die Robustheit unserer Firmen eindrücklich unter Beweis gestellt. 1997, als der Euro bei 1.70 Franken und der Dollar bei 1.40 Franken notierten, erreichten die gesamten Exporte 100 Milliarden Franken. Inzwischen exportiert die Schweiz Güter für knapp 300 Milliarden Franken. Der Überschuss im Aussenhandel ist ebenfalls höher denn je: Aktuell übersteigen die Exporte die importierten Waren um 37 Milliarden Franken.

Auch wenn wir hierzulande gerne über den starken Franken klagen.

Im Grunde ist er ein Segen für die Wirtschaft. Er hilft mit, dass die Schweiz ihre Spitzenposition im internationalen Vergleich behaupten kann.

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5 Kommentare zu Warum der starke Franken für die Schweiz ein Segen ist

  1. Die hervorragende Grafik zeigt eindrücklich die langjährige Stabilität der Schweizer Wirtschaftskraft durch alle Krisen der letzten Jahre hindurch. Der Titel des Berichtes lässt den Eindruck aufkommen, die Wirtschaft verdanke ihren Erfolg dem starken Franken. Da wird Ursache und Wirkung verwechselt. Die starke Währung ist natürlich nicht die Ursache des Erfolges sondern die Wirkung. Erfolgsursachen sind bekannte Faktoren wie politische Stabilität (zB direkte Demokratie, Föderalismus, Konkordanz, …), Bildungssystem, offene Handelsbeziehungen zur ganzen Welt (keine einseitige Ausrichtung auf EU), kluge politische Entscheidungen (zB Schuldenbremse), gute notenbankpolitik, etc.

    1. Guten Tag Herr Gut
      Es ist zweifellos richtig, dass die Stärke des Schweizer Frankens die von Ihnen genannten Qualitäten widerspiegelt. Gleichwohl gibt es etliche Möglichkeiten, den Franken zu schwächen – und diese werden ja auch intensiv diskutiert: So gibt es immer noch etliche Exponenten, welche eine erneute Einführung des Mindestkurses durch die SNB fordern. Überdies könnte der Franken sogar fix an den Euro gebunden werden, wie dies zum Beispiel Dänemark getan hat. Oder die Schweiz könnte sogar ganz der Euro-Zone beitreten. Diese Forderung ist heute zwar nicht mehr so häufig zu hören, war bis vor der Euro-Krise aber durchaus populär. Freundliche Grüsse, Albert Steck

  2. Als Unternehmer eines Schweizer KMU Betriebes mit über 95 % Exportanteil habe ich Ihren Blog mit Interesse gelesen. Ich möchte aber darauf hinweisen, dass Sie das ganze in einem Zeifaktor von 20 Jahren vergleichen. Da mag Ihre Aussage absolut zutreffen. Der Schweizer Franken ist aber erst besonders ab dem 15. Januar 2015 stark angestiegen, d.h. gerade einmal knapp 2 Jahre. Meine Meinung war immer das die Schweizer Exportwirtschaft den Negativeinfluss des starken Frankens in ein bis drei Jahren richtig zu spüren bekommt. Den viele Unternehmen wie auch unseres haben sehr treue und langfristige Kunden, welche aber nun langsam immer mehr auf günstigere Produkte von anderen Anbietern welchseln. Mein Fazit somit, es ist noch nicht ausgestanden!

    1. Ich bin ebenfalls Unternehmerin eines Mikro-KMU auf dem Gebiet der Oberflächentechnik. Zu ca. 60-70% haben wir für Kunden aus dem Exportsektor gearbeitet. Bis Ende 2012. Dann kam der erste Einbruch. Auslagerungen von einigen grösseren Kunden. Dann ab Jan. 2015 hat sich dieser Trend eindeutig verstärkt.
      Zudem bestellen heute viele Schweizer Firmen aus dem MEM-Bereich ihre Halbteile in Tieflohnländern Europas (Ungarn, Polen, Slowakei, Bulgarien). NB: Und auch Deutschland hat heute noch einen Drittel unserer Lohnkosten.
      Diese Halbteile werden dann in der Schweiz endmontiert und als Schweizer Produkt wieder exportiert. Alles in Allem eine sehr schwierige Situation für uns Zulieferer. Insofern wäre ein CHF-Euro von 1:1.15 sehr hilfreich und würde viele KMU’s aus der MEM-Branche aus der Talsohle führen.
      Zudem beziehen wir sehr viel unserer Spezialitäten-Chemie von deutschen Fachfirmen über Schweizer Vertretungen. Und auch hier haben die Preise immer noch einen „Schweiz-Zuschlag“. Es müssen also ganz klar auf der ganzen Linie die Einkaufspreise an Europa angepasst werden. Es kann nicht sein, dass ausländische Hersteller immer noch diesen Zuschlag machen können, weil die Schweiz ja reich ist und diese hohen Preise bezahlen kann. Dies gilt auch für die Produkte des täglichen Bedarfs. Hier ist eindeutig die Politik und der Preisüberwacher gefragt.
      Und auch die kreditgebenden Banken können ihren Teil dazu beitragen. Eine restriktive Kreditpolitik gegenüber KMU’s in Zeiten von Negativzinsen verstärkt die Probleme nur. Und auch eine Zinspolitik der Banken, die sich heute noch sehr stark an den Rating-Regeln der „goldenen Jahre“ orientiert, hilft momentan nicht zu einer Stärkung der Konkurrenzfähigkeit der KMU’s.
      Ich bin indessen für eine sehr krasse Massnahme: Helikoptergeld an die KMU’s ausschütten! Dies würde den Franken nachhaltig schwächen und die Industrie stärken.

  3. Meiner Meinung nach sollten wir nicht über einen „starken“ Franken reden, sondern über einen „schwachen“ Euro! Denn dies ist der Hauptgrund, dass die Nationalbank immer wieder Stützungskäufe tätigen muss um für unserer Exportwirtschaft konkurrenzfähige Bedingungen zu gewährleisten!

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