Die «Wall Street» gibt den Takt an

Geographisch ist es nur eine Strasse im New Yorker Stadtbezirk Manhattan, etwas mehr als einen Kilometer lang. Ihr Einfluss erstreckt sich aber weit darüber hinaus. Die «Wall Street» ist das Finanzzentrum der USA und die Weltleitbörse zugleich. Sie beeinflusst alle wichtigen Märkte in der Finanzwelt.

Die «Wall Street» ist die Speerspitze des US-Kapitalismus und der wichtigste Finanzplatz rund um den Erdball. Unzählige amerikanische Brokerunternehmen sind in Manhattans Finanzdistrikt zuhause, ebenso Versicherungsgesellschaften, Vermögensverwalter, Hedgefonds, Geschäfts- und Investmentbanken, Devisenhändler und andere Finanzinstitute. Riesenkonzerne wie Apple, Microsoft, Wal-Mart oder Boeing haben ihren Unternehmenshauptsitz zwar anderswo in den Vereinigten Staaten, sie alle sorgen aber dafür, dass sie in «Wall Street» präsent sind. Dass das US-Finanzviertel als Weltleitbörse gilt, hat mehrere Gründe.

Die Zahlen erzählen die Geschichte

Zunächst sind die Vereinigten Staaten die mit Abstand grösste Volkswirtschaft der Welt. Mit knapp 19,4 Billionen US-Dollar (Weltbank 2017) ist die Wirtschaftsleistung mehr als eineinhalb Mal so gross wie das Bruttoinlandprodukt der Volksrepublik China (12,2 Mrd. USD), die auf Platz zwei in der Rangliste der grössten Nationalökonomien liegt. Japan (rund 4,9 Billionen USD) rangiert in dieser Hitparade bereits weit abgeschlagen auf Platz drei. Diese wirtschaftliche Macht spiegelt sich auch an der Börse, denn die USA beheimaten den weitaus grössten Aktienmarkt der Welt. Fast 40 Prozent der weltweiten Gesamtmarktkapitalisierung entfallen auf die verschiedenen US-Aktienbörsen (siehe Grafik). Die Marktkapitalisierung entspricht dem Börsenwert eines kotierten Unternehmens. Er errechnet sich, indem der Kurs einer Aktie mit der Anzahl im Umlauf befindlicher Titel eines Unternehmens multipliziert wird.

USA unangefochten an der Spitze

(Anteil an der Weltmarktkapitalisierung)
Quelle: Bloomberg (Stand: 20. Feb. 2019)

Direkt an der «Wall Street» zuhause ist die New York Stock Exchange. Gemessen an der Marktkapitalisierung, aber auch am Handelsvolumen ist die Nyse die grösste Aktienbörse der Welt (siehe Grafik). In unmittelbarer Nähe, an der 33 Liberty Street, findet sich zudem die Federal Reserve Bank of New York, die grösste und bedeutendste der zwölf Regionalbanken der US-Notenbank. Sie setzt im amerikanischen Federal Reserve System traditionell die Geldpolitik der Zentralbank um. Ebenfalls in Manhattans Finanzdistrikt ansässig sind unter anderem der auf Wachstums- und Technologieunternehmen spezialisierte Börsenbetreiber Nasdaq (die Nummer zwei unter den grössten Börsenplätzen), die weltgrösste Warenterminbörse New York Mercantile Exchange (Nymex) und die international renommierte US-Wirtschaftszeitung «Wall Street Journal».

Die NYSE ist die weltgrösste Aktienbörse

Quelle: WFE (Stand: Dez. 2018)

Gemäss der World Federation of Exchanges sind an der Nyse über 2200 Unternehmen kotiert, die zusammen mehr als 24 Billionen USD an Marktkapitalisierung auf sich vereinen (siehe Grafik). Es ist die Heimat vieler führender amerikanischer «Blue-Chip»-Unternehmen, die seit Jahrzehnten existieren: Johnson & Johnson, Procter & Gamble, 3M, Exxon Mobil, General Electric oder IBM beispielsweise. Zurückzuführen ist das teilweise darauf, dass die Ursprünge der Nyse bis ins Jahr 1792 zurückreichen. Allerdings sind an der benachbarten Nasdaq inzwischen mehr Unternehmen kotiert, weil dieser Börsenplatz ein breiteres Spektrum betreffend der Unternehmensgrösse und ein einfacheres Zulassungsverfahren als die Nyse hat. Die Nasdaq ist vor allem bekannt für die führenden Technologie- und Internetunternehmen wie Amazon, Facebook, Google und Netflix. Von den über 3000 Nasdaq-notierten Unternehmen weisen allerdings viele eine Marktkapitalisierung von 200 Millionen USD oder weniger auf. Daher wird die 1971 ins Leben gerufene Nasdaq auch als Börse für junge Wachstumsunternehmen bezeichnet, während die Nyse als «Big Board» gilt.

Mehr wert als Apple, Facebook und Google zusammen

In der Rangliste der Börsen mit den meisten kotierten Unternehmen steht indes der Aktienmarkt in der indischen Finanzmetropole Mumbai an der Spitze. Der WFE zufolge sind an der Bombay Stock Exchange (BSE) mehr als 5000 Unternehmen kotiert, die meisten davon sind allerdings Small Caps, also Titel von Unternehmen mit geringer Marktkapitalisierung. Die Börse in der weltgrössten Demokratie hält noch einen weiteren Rekord. Mit Gründungsjahr 1875 ist die BSE Asiens älteste Aktienbörse.

An der Bombay Stock Exchange sind die meisten Unternehmen kotiert

Quelle: WFE (Stand: Dez. 2018)

Die Ursprünge des Wertschriftenhandels reichen zwar bis ins Jahr 1531 nach Antwerpen (Belgien) zurück. Als weltweit älteste Börse mit formalen Aktienhandel gilt indes Amsterdam. Heute als Euronext Amsterdam bekannt, wurde die Börse in der niederländischen Hauptstadt 1602 durch die ehemalige Dutch East India Company gegründet. Das zu jenen Zeiten im Gewürzhandel mit Asien aktive Handels- und Schifffahrtsunternehmen hält damit die Krone für das weltweit erste börsennotierte Unternehmen. Zu Spitzenzeiten der holländischen Tulpenmanie, der grössten Spekulationsblase aller Zeiten, war die «Vereenigde Oostindische Compagnie» im 17. Jahrhundert an der Börse gar mehr wert als heute Apple, Facebook und Google zusammen.

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