«Strafzoll» ist das Schweizer Finanzwort 2018

Eine Jury aus renommierten Finanzexperten hat das Schweizer Finanzwort 2018 gekürt. Es heisst «Strafzoll». Die Wahl aus mehr als 250 Einsendungen erfolgte unter Federführung des Schweizer Finanzportals finews.ch und der Migros Bank.

Kein anderes Thema hat dieses Jahr die Wirtschafts- und Finanzwelt Jahr so stark bewegt wie das Strafzoll-Programm, das die gegenwärtige US-Regierung unter Donald Trump durchzieht. Waren es zu Jahresbeginn noch geringe und harmlose «Sonderzölle» auf Solarmodule und Waschmaschinen, die Washington gegen seine Handelspartner verhängte, löste die nächste Runde mit höheren US-Importzöllen auf Stahl und Aluminium weltweit Empörung aus.

Die Strafzölle sind Ursprung und Kern des Handelskonflikts

Seither überziehen sich vor allem die Vereinigten Staaten und China mit Strafzöllen, und die Fronten zwischen Peking und Washington verhärten sich zusehends. Auch in den europäisch-amerikanischen Beziehungen rumort es. Die protektionistischen US-Schutzzölle haben ganz allgemein das Klima der globalen Wirtschafts- und Handelspolitik «vergiftet». Eng verbunden mit den Strafzöllen ist daher ein weiteres geflügeltes Wort, das 2018 die Runde machte: «Handelsstreit».

«Die Strafzölle sind Ursprung und Kern des Handelskonflikts», erklärt die Schweizer Finanzprofessorin Sita Mazumder. Sie stellt einen Richtungswechsel in der Weltwirtschaft fest. «Jahrzehntelang hat die Wirtschafswelt versucht, Zölle und Handelsschranken abzubauen. Jetzt aber wird das Rad der Zeit mit einer massiven Geschwindigkeit zurückgedreht.» Statt Schranken zu beseitigen, würden durch die Strafzölle neue Schutzwälle errichtet. Dies komme einem Paradigmenwechsel gleich, sagt Mazumder.

Donald Trump übersieht mit seiner protektionistischen Wirtschaftspolitik, dass «Amerikas Wirtschaftsmotor langfristig nur brummen kann, wenn auch die Weltwirtschaft läuft», gibt der Schriftsteller Michael Theurillat zu Bedenken. Zudem verweist er wie Mazumder darauf, dass Zölle mit Blick auf den Brexit auch im Verhältnis zwischen der EU und Grossbritannien ein wichtiges Thema sein werden.

«Neu in der Welt- und Wirtschaftspolitik ist, dass Trump China nicht hörig ist, sondern dem fernöstlichen Riesenreich selbstbewusst die Stirn bietet», sagt Theurillat weiter. Darum komme er mit seiner Zollpolitik bei vielen Amerikanern auch gut an. Fintech-Unternehmer Adriano B. Lucatelli kann diese Sympathien durchaus nachvollziehen und wirft eine Frage auf, die sich viele Amerikaner stellen: «Warum sind die prozentualen Zölle für ein amerikanisches Auto in Europa höher als umgekehrt für einen Mercedes in den USA?»

Ein Zoll ist letztlich immer ein Sinnbild für eine Grenze

Die Globalisierung und deren Tempo haben im Westen viele Verlierer hervorgebracht. Das Globalisierungspendel schlägt nun ein Stück weit zurück. Dies lässt sich auch an den rechtspopulistischen Tendenzen in Europa feststellen. In Italien beispielsweise heisse es heute, zuerst kommt unser Land und erst danach Europa, führt Lucatelli weiter aus. In der Schweiz verhalte sich das ähnlich, erklärt er.

Trump wiederum sei der erste Präsident einer grossen Wirtschaftsmacht, der den Verlierern eine Plattform biete und ihnen unüberhörbar eine Stimme verleihe, fassen Theurillat und Mazumder zusammen: «Ein Zoll ist letztlich immer ein Sinnbild für eine Grenze.» Der US-Präsident hat es verstanden, «die politische Unzufriedenheit zusätzlich auf eine wirtschaftliche Ebene zu transformieren», kommentiert finews.ch-Gründer Claude Baumann diese Entwicklung.

Um sein Strafzoll-Programm zu rechtfertigen, verweist Trump oft und gerne auf Amerikas bilaterale Handelsdefizite mit den US-Handelspartnern. Obschon Zölle Handelsströme teilweise lenken und verändern können, haben sie letztlich aber wenig Einfluss auf die Leistungsbilanz eines Landes. Denn diese wird durch die nationalen Ersparnisse und Investitionen bestimmt. «Hinken die Ersparnisse hinter den Investitionen her, so wie in den USA, wird eine Leistungsbilanz zwangsläufig defizitär ausfallen», sagt Thomas Pentsy von der Migros Bank

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2 Kommentare zu «Strafzoll» ist das Schweizer Finanzwort 2018

  1. Strafzoll und Protektionismus haben eine negative Konnotation. Ursprünglich wurden sie Schutzzölle (protectio = Schutz) genannt, weil sie die Volkswirtschaften und einheimischen Wirtschaft und die Landwirtschaft vor Importen mit Dumpingpreisen, Gentech usw. geschützt haben. Die negative Konnotation haben sie erst durch die Globalisierung und den sogenannten Freihandel erhalten, weil die globalen Konzerne die nationalstaatlichen Gesetze inkl. Umweltschutz usw. als Handelshemmisse betrachten.

  2. Wir haben auch Strafzölle! Wenn ich Fleisch aus EU Staaten importieren will sind die Zölle wesentlich höher. Übrigens ist der Fleischpreis in der EU bis dreimal tiefer als in der Schweiz. Lebensmittel sind im Ausland durchschnittlich bis 100% günstiger. Die Preise in der Schweiz sind auch höher weil die Marchen viel höher sind!

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