Rückschlag, Korrektur oder Bärenmarkt?

Wenn Aktienkurse rasch fallen, werden viele Anleger nervös. Doch nicht jeder Kurstaucher an der Börse ist ein Crash.

Wann spricht man am Aktienmarkt von einem Rückschlag, einer Korrektur oder dem Beginn eines Bärenmarkts respektive einer Baisse? Vielen Privatanleger fällt es schwer, zwischen diesen Finanzausdrücken zu unterscheiden. Erschwerend hinzu kommt, dass es keine wissenschaftliche Definition dazu gibt. Aber in der Finanzwelt werden diese unterschiedlichen Marktphasen klar differenziert. Die Abgrenzungen haben viel mit Marktpsychologie zu tun und dem Ausmass eines Kurseinbruchs und dessen Folgen für den Gesamtmarkt und die Wirtschaft.

Rückschlag

Wenn ein Aktienindex wie der Swiss Performance Index (SPI) um 5 bis 10 Prozent zurückfällt, spricht man an der Börse von einem Rückschlag. In der Regel sind solche Rückschläge eher kurzfristiger Natur. Sie kommen vergleichsweise häufig vor, oftmals von einem zuvor verzeichneten Hoch aus. Es sind an sich gesunde und normale Bewegungen im Marktzyklus. Sie finden in einem haussierenden Marktumfeld statt, in welchem das Aufwärtsmomentum intakt bleibt. Solche Rückschläge belasten die Anlegerstimmung nicht weiter, da sie zum Börsenalltag gehören. Die Marktteilnehmer beurteilen daher die Aussichten für den Aktienmarkt und das Wirtschaftswachstum auch weiterhin zuversichtlich.

Korrektur

Von einer Korrektur spricht man, wenn ein Aktienindex um 10 bis 20 Prozent fällt. Korrekturen können im Zuge der «Herdenmentalität» sehr heftig ausfallen und ziehen sich über zwei bis vier Monate hinweg. Die Intensität der Kursschwankungen ist hier deutlich höher als bei einem Rückschlag, weil die Angst der Anleger zunimmt und diese Markphasen oft von ungünstigen Marktbedingungen begleitet werden. Auch Panikverkäufe sind jetzt an der Börse teilweise beobachtbar. Ein gutes Beispiel dafür wäre das Schlussquartal 2018. Die Aktienmärkte gaben damals aufgrund des Handelsstreits und der sich in China eintrübenden Konjunkturperspektiven kräftig nach, zumal der internationale Warenhandel durch die Unsicherheiten stark belastet wurde.

Korrekturen werden oft als idealer Zeitpunkt angesehen, um Aktien von Unternehmen zu kaufen, die sich durch eine erstklassige Bonität, hohe Ertragskraft, solide Finanzstruktur sowie eine nachhaltige und attraktive Dividendenpolitik auszeichnen. In einer Korrekturphase können solche Qualitätsaktien teilweise zu attraktiven Kursen respektive Bewertungen gekauft werden. Dies gilt allerdings nur unter dem Vorbehalt, dass sich die Fundamentaldaten und Wachstumsaussichten des Unternehmens nicht wesentlich geändert haben. Wird die Marktlage oder das Unternehmen falsch eingeschätzt, kann dies rasch zu Kursverlusten führen.  

Bärenmärkte bzw. Baisse

Bricht ein Aktienindex vom letzten Höhepunkt um mindestens 20 Prozent ein, gilt dies üblicherweise als Beginn eines Bärenmarkts. Das Vertrauen der Marktteilnehmer ist in dieser Marktphase schwer erschüttert, etliche Anleger verkaufen ihre Aktien aus Angst vor weiteren Verlusten. Dies zieht sich oft über mehrere Monate hinweg und kann in ausgeprägten Bärenmärkten durchaus ein, zwei Jahre dauern, weshalb man auch von einer Baisse spricht. Die Kursschwankungen sind jetzt am extremsten, Panikverkäufe treten häufig auf. Die Angst der Anleger lässt sich dabei an sogenannten Volatilitätsbarometern wie dem VIX ablesen.

Die Furcht vor Verlusten und der Vertrauensschwund können zu einem regelrechten Teufelskreis führen, weil Anleger jede Erholungsbewegung dazu nutzen, in die vorübergehende Marktstärke hinein ihre Aktien zu verkaufen. Bärenmärkte tendieren daher dazu, etappenweise von einem Tief zum nächsten zu fallen. In der Talsohle einer Baisse lassen sich an den Aktienmärkten regelrechte Schnäppchenkäufe machen. Wenn ein Index die Tiefststände überwindet und in der anschliessenden Erholung nachhaltig neue Hochs markiert, verwandelt sich ein Bärenmarkt nach und nach in einen neuen Bullenmarkt bzw. in eine neue Hausse.

Historisch betrachtet gehen Bärenmärkte und Rezessionen oft einher. Ausgelöst werden sie allerdings aus unterschiedlichen Gründen. Es können absurd hohe Bewertungen für Tech- und Internet-Unternehmen wie zu Zeiten des Dotcom-Booms sein oder durch Ramschpapiere befeuerte Spekulationen am US-Immobilienmarkt, die zur Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008/09 führten. Die Phase vor dem Crash war meist durch eine Sorglosigkeit der Anleger geprägt.

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