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Nachhaltige Anlagen – «Tue Gutes und verdiene Geld damit»

Nachhaltige Anlagen erfreuen sich immer grösserer Beliebtheit. In der Schweiz wurden per Ende 2015 bereits 191.9 Mrd. Franken bzw. ca. 7% aller verwalteten Vermögen nach nachhaltigen Kriterien investiert. Was sind die Gründe für diesen Trend?

Bei nachhaltigen Anlagen werden bei der Auswahl der Investitionsziele nebst Risiko- und Rentabilitätskriterien auch ökologische, soziale und ethische Aspekte miteinbezogen. Nachhaltige Anlagen fokussieren sich somit auf Unternehmen, die einen Minimalstandard an gesellschaftlichem Verantwortungsbewusstsein erfüllen. Der Schweizer Markt für nachhaltige Anlagen weist zurzeit ein rasantes Wachstum auf.

Nachhaltiges Anlegen geht ohne Renditeverzicht

Dieser Boom erscheint auf den ersten Blick überraschend. Denn bei vielen Investoren hält sich hartnäckig das Gerücht, die gezielte Selektion von verantwortungsbewussten Unternehmen gehe mit einem Renditeverzicht einher. Zudem wird vielfach angezweifelt, dass mit nachhaltigem Investieren eine positive gesellschaftliche Wirkung erzielt werden kann.

In der Praxis wie auch in der Wissenschaft ist in den letzten Jahren jedoch die Erkenntnis gereift, dass nachhaltige Anlagen mit ihrem Fokus auf langfristige Geschäftsmodelle mindestens dieselbe Rendite abwerfen wie traditionelle Anlagen. Dies lässt sich beispielhaft mit einem Vergleich von nachhaltigen Indizes mit ihrem klassischen Gegenpart illustrieren. Mit einer Investition in den MSCI World Sustainable Responsible Investing Index (SRI), einem weltweiten nachhaltigen Aktienindex, hätte ein Anleger seit dessen Lancierung sogar etwas mehr verdient als bei einer Investition in einen Index mit demselben Anlageuniversum ohne Selektion der Titel nach Nachhaltigkeitskriterien.

Die langfristige Rendite lässt sich relativ einfach mit Zahlen belegen. Die Erklärung der gesellschaftlichen Wirkung gestaltet sich hingegen etwas komplexer. Klarer wird das Ganze, wenn man den Auswahlprozess der Banken und Vermögensverwalter bei nachhaltigen Anlagen genauer unter die Lupe nimmt. Dabei werden die klassischen Kriterien Rentabilität, Liquidität und Sicherheit um die Punkte Ökologie, Soziales und Ethik erweitert.

Förderung der Transparenz und Vergleichbarkeit

Während der Vermögensverwalter bei der klassischen Finanzanalyse die Zahlen eines Unternehmens in der Bilanz oder Erfolgsrechnung findet, erfordert diese neue Art von Unternehmensbewertung zusätzliche Informationen. Hier redet man nicht mehr nur von Gewinn und Verlust, sondern beispielsweise auch vom Energieverbrauch pro Tonne produziertem Produkt oder von Massnahmen gegen Kinderarbeit in der Lieferkette. Die Beschaffung dieser Informationen wird vom Vermögensverwalter häufig an eine spezialisierte Organisation übertragen. Die grössten dieser Organisationen, wie zum Beispiel MSCI ESG Research, beschäftigen inzwischen über 150 Analysten. Diese durchforsten und bewerten Geschäftsberichte, Presseartikel sowie Publikationen von Regierungen oder Nichtregierungsorganisationen. Beim Fehlen kritischer Informationen wird bei den Unternehmen auch direkt nachgefragt.

Um das gesteigerte Informationsbedürfnis zu decken, publizieren immer mehr Unternehmen nichtfinanzielle Kennzahlen, entweder in einem separaten Nachhaltigkeitsbericht oder direkt in einem sogenannt «integrierten Geschäftsbericht». In Europa schreibt eine Richtlinie für Grossunternehmen ab 500 Mitarbeitern die Veröffentlichung eines Nachhaltigkeitsberichts mit dem Geschäftsbericht 2017 sogar zwingend vor. Mit der vermehrten Veröffentlichung nichtfinanzieller Kennzahlen bildeten sich gleichzeitig verschiedene Reporting-Standards wie zum Beispiel die Global Reporting Initiative (GRI). Das Ziel dieser Initiativen ist die Standardisierung und Vergleichbarkeit der publizierten Informationen.

Diese Vergleichbarkeit und Transparenz machen sich auch Akteure aus der Zivilgesellschaft zu Nutze. Vorreiter sind häufig Nichtregierungsorganisationen wie der WWF oder Amnesty International. Diese prüfen die gewonnenen Informationen auf ihre Korrektheit und machen die Unternehmen oder die Presse auf Verfehlungen aufmerksam. Ausserdem werden Vergleiche zwischen verschiedenen Konzernen derselben Branche angestellt. Diese führen immer wieder dazu, dass schlecht abschneidende Unternehmen zu Verbesserungen gedrängt werden und so der Branchendurchschnitt angehoben wird.

Eine weitere Optimierungsmöglichkeit bietet sich durch staatliche Regulierung. Zum Beispiel wurden in der EU im Jahr 2010 Abgasnormen für Autos mit maximalem CO2-Ausstoss pro Kilometer eingeführt. Mit Beginn der Überwachung konnte Transparenz zwischen den einzelnen Autoherstellern geschaffen werden, der effektive Ausstoss fiel in der Folge deutlich unter das gesetzlich vorgeschriebene Maximum.

Eine Anlage mit langfristiger Wirkung

Natürlich geschehen all diese Veränderungen nicht von heute auf morgen. Von der Entstehung des Informationsbedürfnisses bis hin zu Massnahmen auf gesetzlicher Ebene vergehen mehrere Jahre. Bei einer Investition in den oben genannten MSCI World SRI im September 2007 wären Sie für Ihre Geduld jedoch mit einer jährlichen Rendite von 4.25% entschädigt worden. In Anlehnung an das Sprichwort «Tue Gutes und rede darüber» lässt sich abschliessend nur noch sagen: «Tue Gutes und verdiene Geld damit.»

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2 Kommentare zu Nachhaltige Anlagen – «Tue Gutes und verdiene Geld damit»

  1. Vielen Dank für den spannenden Artikel. Zwei Fragen beschäftigen mich in Bezug auf nachhaltiges Anlegen:
    1) Gibt es passive Nachhaltigkeitsfonds, die beispielsweise den erwähnten Index MSCI SRI abbilden?
    2) Wie steht es bspw. beim Mi-Fonds (CH) 45 Sustainable V mit der aktiven Wahrnehmung der Aktionärsstimmrechte? Wird das Abstimmungsverhalten veröffentlicht?

    1. Sehr geehrter Herr Moser
      Vielen Dank für Ihr Feedback.
      1) Die grossen Anbieter passiver Produkte wie iShares oder UBS haben verschiedene ETF mit dem SRI Ansatz von MSCI im Angebot. Die vorhandenen Produkte sind allerdings alle auf internationale Anleger ausgelegt. Für Schweizer Aktien und Obligationen gibt zum heutigen Stand kein Angebot.
      2) Die Stimmrechtsausübung des Mi-Fonds (CH) 45 – Sustainable ist im Fondsprospekt unter Punkt 2.4 geregelt. Kurz zusammengefasst übt die Fondsleitung die Mitgliedschafts- und Gläubigerrechte Interesse der Anleger aktiv aus. Eine automatische Offenlegung findet heute noch nicht statt.
      Mit freundliche Grüssen
      Benjamin Hampl

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