Langfristig Anlegen zahlt sich aus

Aktien sind zu riskant, die Börse ist ein Casino – aus diesen oder anderen Gründen sehen viele Schweizer Haushalte von Aktienanlagen ab. Ihr Erspartes deponieren sie vielfach lieber auf einem Sparkonto. Dadurch verpassen sie auf lange Sicht aber ein erhebliches Renditepotenzial.

Seit der Jahrtausendwende haben die weltweiten Aktienmärkte zwei grosse Krisen mit jeweils riesigen Kursverlusten durchlaufen: den Dotcom-Crash von 2000 bis 2002 und die globale Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise 2008/09. Rückblickend war die Zeitspanne von 2000 bis 2018 auch nicht die beste aller Zeiten für Buy-and-Hold-Anleger (Kaufen und halten). Denn der breit gefasste Swiss Performance Index (SPI) stand Ende 2018 «lediglich» 96 Prozent über seinem Jahresschlussstand von 1999. Dies entspricht einer im historischen Vergleich eher mageren Durchschnittsrendite von rund 3,6 Prozent pro Jahr. Aber sie liegt deutlich über dem durchschnittlichen Ertrag, den ein Sparkonto abgeworfen hätte.

Einen Börsencrash zu durchleben, ist natürlich nie einfach, weil Kursverluste immer schmerzen. Eine Baisse auszusitzen, kann mitunter auch sehr lange dauern. In unserem Blog-Beitrag «Die Leiden eines erfolgreichen Anlegers» haben wir beschrieben, welch Durststrecken Langzeitinvestoren am Schweizer Aktienmarkt teilweise erdulden mussten. Doch für den langfristigen Anlageerfolg kann es sich enorm auszahlen, einen kühlen Kopf zu bewahren und stets voll im Aktienmarkt investiert zu bleiben. Denn an der Börse ist die Zeit Ihr bester Freund. So hat der SPI von 1990 bis zum Jahresende 2018 um durchschnittlich 7,7 Prozent pro Jahr zugelegt.

Aktiensparen wird vernachlässigt

Trotzdem verzichten viele Schweizer Haushalte auf das Aktiensparen. Insbesondere die globale Finanz- und Wirtschaftskrise hat bei vielen zu einem tiefen Misstrauen gegenüber Finanzmärkten geführt, weshalb von Aktien und anderen Finanzanlagen oftmals abgesehen wird. Unerfahrene Privatanleger oder Börsenneulinge, die sich bei einem Aktiencrash womöglich gehörig die Finger verbrannt haben, kehren oft erst Jahre später an die Börse zurück oder mitunter gar nicht mehr. Andere wiederum wagen es erst gar nicht, ihr Erspartes an der Börse anzulegen – zu gross ist die Angst, womöglich einen Verlust zu erleiden. Häufig ist es auch mangelndem Finanzwissen zuzuschreiben, wie sich bereits mit geringen Anlagebeträgen und ohne spezifische Wirtschaftskenntnisse langfristig Vermögen aufbauen lässt.

Statt Kapital an der Börse anzulegen, darbt das Ersparte daher oft in einem sicheren Anlagehafen wie dem Sparkonto dahin. Doch angesichts des Tiefzinsumfelds bringt traditionelles und risikoloses Sparen kaum mehr Rendite, und unter Berücksichtigung der Teuerung verliert das Sparkapital langfristig sogar an Kaufkraft. Zudem stellt die Zinsflaute die Schweizer Vorsorgewerke zunehmend vor enorme Herausforderungen. Umso wichtiger ist es, die eigene Altersvorsorge auszubauen. Und dennoch hält die Risikoscheu etliche Schweizer Haushalte davon ab, mit Aktienanlagen ihre persönliche Vorsorge zu ergänzen und so die Sicherung des Lebensstandards zu verbessern.

Investitionen automatisieren

Aktiensparen eignet sich nur für Anleger mit einer gewissen Risikobereitschaft. Die historischen Daten zeigen, dass die zwischenzeitlichen Kursverluste sehr hoch sein können. Und es kann mitunter sehr lange dauern, bis die Verluste wieder ausgeglichen sind. Aber je länger Ihr Ihr Anlagehorizont ist, desto stärker sinkt das Risiko, dass Sie am Ende der Haltedauer einen Kursverlust erleiden (siehe Grafik). Dabei spielt es auch keine Rolle, ob Sie mit grossen oder kleinen Anlagebeträgen operieren. Wichtig ist vor allem, dass Sie das Investieren quasi automatisieren, beispielsweise in Form von regelmässigen Einzahlungen in einen Fondsparplan der Migros Bank. Wer langfristig erfolgreich Vermögen aufbauen will, sollte letztlich nicht auf Aktienanlagen verzichten. Denn keine andere Finanzanlage wirft auf lange Sicht eine bessere Rendite ab als die Dividendenpapiere. Lassen Sie sich dabei auch nicht durch die kurzfristigen Wertschwankungen von Aktien oder den Tageslärm in den Finanznachrichten verunsichern. Wenn man seine Aktienanlagen breit streut und beispielsweise auf ein Börsenbarometer wie den Swiss Performance Index setzt, dann ist ein Totalverlust so gut wie ausgeschlossen. Durch die Staffelung der Einzahlungen können Sie auch negative Effekte von Korrekturen abfedern. Generell gilt: Für einen konstanten Vermögensaufbau eignet sich regelmässiges Investieren, der Verzicht auf Markt-Timing und ein langfristiger Anlagezeitraum am besten.

Je länger der Anlagezeitraum ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit eines Verlusts

(gemessen am SPI; 1990 bis 2018)
Quelle: Migros Bank, Bloomberg

Wie in der Grafik zu sehen ist, sinkt die Wahrscheinlichkeit eines Verlusts mit zunehmender Anlagedauer. Das Diagramm basiert auf den Tagesdaten für den Swiss Performance Index im Zeitraum von 1990 bis Ende 2018 (die Daten sind nicht teuerungsbereinigt). Wir nehmen dabei an, dass Sie an einem x-beliebigen Tag in den SPI investiert haben. Je kürzer ihr Zeithorizont war, desto näher wäre die Verlustwahrscheinlichkeit bei 50 Prozent gelegen. Bei einer Haltedauer von zehn Jahren aber wäre sie auf rund 3,1 Prozent gesunken, bei einer Halteperiode von 20 Jahren wiederum hätten Sie stets einen Gewinn erzielt (basierend auf den historischen Daten) – und dies trotz zweier zeitweilig verheerender Börsencrashs. Die Verlängerung des Anlagezeitraums ist eine der einfachsten Möglichkeiten, um bessere Anlageergebnisse zu erzielen.

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