Was kostet das Eigenheim?

Ob Sie sich die laufenden Kosten für Wohneigentum leisten können, hängt nicht nur von den Zins- und Amortisationszahlungen ab. Mitberücksichtigen müssen Sie auch die Neben- und Unterhaltskosten.

Die Neben- und Unterhaltskosten Ihrer Immobilie sollten Sie nicht unterschätzen. Je nach Objekt können sie bei der Budgetierung mittlerweile mehr ins Gewicht fallen als die rekordtiefen Zinsen. Aber zunächst einmal: Was ist der Unterschied zwischen Neben- und Unterhaltskosten? Die Nebenkosten beinhalten laufende Ausgaben, etwa für Heizung, Strom, Kabelanschluss, (Ab-)Wasser, Kehricht, Hauswartung, Versicherungen usw. Die Unterhaltskosten dagegen umfassen Aufwendungen für Reparaturen zur Instandhaltung der Immobilie.
Bei den Neben- und Unterhaltskosten sind sich frisch gebackene Wohneigentümer oft zu wenig im Klaren, dass der Zustand des Gebäudes ganz wesentlich die Höhe dieser Kosten bestimmt. Bei einem qualitativ guten, energieeffizienten Neubau reichen pro Jahr oft 0,5 Prozent des Kaufpreises. Handelt es sich aber um ein älteres, schlecht gebautes Objekt, ist unter Umständen das Doppelte oder sogar das Dreifache zu budgetieren.

Wie hoch sind Neben- und Unterhaltskosten zu budgetieren?

Für Neben- und Unterhaltskosten zusammengerechnet setzen die Banken bei der Hypothekarfinanzierung in der Regel rund 1 Prozent des Verkehrswerts ein. Die Migros Bank ihrerseits kalkuliert mit 0,7 Prozent, bei Minergie- und bestimmten GEAK-Objekten mit 0,5 Prozent.
Diese Aufwendungen im Budget einzuplanen, ist das eine. Entscheidend ist aber, dass das budgetierte Geld im Bedarfsfall auch tatsachlich vorhanden ist. Diesbezüglich stellen sich bei den Nebenkosten kaum Probleme: Die Rechnungen für Heizung, Strom, Wasser, Kehricht, Versicherungen usw. fallen regelmassig an und lassen sich fortlaufend aus dem Haushaltseinkommen bezahlen. Dagegen kommen Unterhaltskosten in Form von Reparaturen unverhofft. Um gewappnet zu sein, legen Sie am besten jährlich einen Betrag für die Unterhaltskosten zur Seite, beispielsweise 0,5 Prozent des Gebäudeversicherungswerts. Je nachdem werden aber auch deutlich höhere Werte empfohlen.

Schreibt man die einzelnen Gebäudeteile innerhalb von 50 Jahren ab, ergibt sich langfristig die Quote von 2 Prozent für Unterhalt und Erneuerung.

Praktiker orientieren sich an der Tatsache, dass viele Gebäudeteile eines Wohnhauses innerhalb von 50 Jahren abzuschreiben sind. Wird diese Faustregel auf jährliche Unterhalts-, Reparatur- und Renovationskosten umgelegt, ergibt sich ein Satz von 2 Prozent des Gebäudeversicherungswerts für Unterhalt und Erneuerung. Für ein Einfamilienhaus mit einem Wert von 800’000 Franken (ohne Land) wären dies immerhin 16’000 Franken pro Jahr. Diese Rechnung setzt voraus, dass das Gebäude nach 50 Jahren seinen Wert vollständig verliert (was nicht realistisch ist). Und sie lässt auch das Land ausser Acht, das sich über die Jahre hinweg nicht entwertet und somit allenfalls eine Aufstockung der Hypothek zur Finanzierung von Renovations- und Sanierungsarbeiten erlaubt.
Diese Faustregel ist also relativ grosszügig gerechnet. Aber wer so budgetiert, ist gewiss auf der sicheren Seite.

Unterhaltskosten und Steuern

Die Unterhaltskosten (sowie zusätzlich auch die Gebäudeversicherungsprämien) können von den Steuern abgezogen werden. Sowohl bei der direkten Bundessteuer als auch in den Kantonen lasst sich für jedes Jahr wählen, ob man die effektiven Unterhaltskosten oder eine Pauschale geltend machen will. Letztere beträgt je nach Kanton und Haltedauer der Liegenschaft meist 10 bis 20 Prozent des Eigenmietwerts. In vielen Fällen ist dieser Entscheid rasch gefällt: In Jahren mit wenigen Unterhaltsausgaben wird man den Pauschalabzug wählen. Wenn dagegen in der Steuerperiode höhere Aufwendungen angefallen sind, sollten die tatsächlichen Kosten in Abzug gebracht werden.
Beachten Sie: Stockwerkeigentümer können neben den Unterhaltsausgaben für ihre Stockwerkeinheit auch die Einlagen in den Erneuerungs- und den Verwaltungsfonds der Stockwerkeigentümergemeinschaft abziehen (soweit die Mittel nicht für wertvermehrende Investitionen aufgewendet werden).

Die Steuerabzüge für Unterhaltskosten werden künftig wahrscheinlich weitgehend entfallen.

Die geschilderte Steuerpraxis für Wohneigentümer wird sich in den nächsten Jahren wohl ändern. Die ständerätliche Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK-S) hat im Februar 2019 Vorschläge für den Systemwechsel bei der Besteuerung von Wohneigentum präsentiert. Dabei soll folgender Grundsatz gelten: Für den Hauptwohnsitz wird kein fiktiver Mietertrag, also kein so genannter Eigenmietwert, mehr zum steuerbaren Einkommen hinzugerechnet; umgekehrt entfallen die Steuerabzüge für Unterhalt und Zinskosten weitgehend.

Ähnliche Beiträge

Schreiben Sie einen Kommentar

Wir sind an einer offenen Diskussion in den Kommentaren interessiert. Die Kommentare sollen jedoch einen fachlichen Bezug zum Beitragsthema haben. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

* Pflichtfelder