Im Bann der Corona-Krise

Im Januar sah es noch so aus, als ob es mit der Entspannung beim Handelskrieg zwischen den USA und China wirtschaftlich bergauf gehen würde. Mit der Corona-Pandemie haben sich diese Hoffnungen nicht erfüllt. Die Schweiz befindet sich in einer schweren Rezession. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Basler Wirtschaftsforschungsinstituts BAK Economics im Auftrag der Migros Bank.

Dieses Jahr dürfte das reale Bruttoinlandprodukt (BIP) um 5,3 Prozent schrumpfen (2019: +0,9 Prozent). Die Krise schlägt trotz Stützungsmassnahmen des Bundes (Kredite und Kurzarbeit) auch auf den Arbeitsmarkt durch. Nach dem kräftigen Ausbau der Beschäftigung in den letzten Jahren ist 2020 mit einem Abbau von 1,1 Prozent (in Vollzeitäquivalenten) zu rechnen (2019: +1,2 Prozent). Die Arbeitslosenquote steigt von 2,3 Prozent auf 3,8 Prozent.

Einbruch der Nachfrage

Auf der Nachfrageseite leidet zunächst der private Konsum. Dort, wo die Schutzmassnahmen den Konsum nicht verunmöglichen, erschweren sie ihn zumindest. Ausserdem hat sich die Konsumneigung der Bevölkerung angesichts steigender Jobunsicherheit verringert. Unnötige Ausgaben werden aufgeschoben, die Sparquote erhöht. Die sinkende Nachfrage der Konsumenten hat einbrechende Aufträge und Umsätze bei den Unternehmen zur Folge. Diese ihrerseits schieben aufgrund hoher Unsicherheit und erhöhten Liquiditätsbedarfs Investitionen auf die lange Bank.

Angebotsseitig stört die Pandemie die reibungslose Produktions- und Dienstleistungstätigkeit. So leiden zum Beispiel Industrieunternehmen mit stark internationalisierten Wertschöpfungsketten unter fehlenden Vorleistungsgütern.

Schnelle Erholung möglich, aber nicht garantiert

Konjunkturprognosen sind momentan stark vom zugrundeliegenden Pandemie-Szenario abhängig. BAK Economics geht im Basisszenario davon aus, dass sich die Gesundheitslage im Laufe des Sommers nachhaltig entspannt. In diesem Fall ist eine kräftige Erholung des Konsums und der Produktion im zweiten Halbjahr 2020 wahrscheinlich. Einige der aufgeschobenen Ausgaben werden dabei nachgeholt. Bei diesem V-förmigen Rezessionsverlauf ist 2021 ein hohes Wirtschaftswachstum von 5,6 Prozent zu erwarten, verbunden mit einer leichten Zunahme der Beschäftigung von 0,1 Prozent. Gelingt die nachhaltige Eindämmung der Pandemie hingegen nicht, ist ein mühseligerer Erholungsprozess wahrscheinlich.

Wen die Krise besonders hart trifft

Die Krise trifft nicht alle Branchen gleich. Besonders stark leiden jene, die unmittelbar von den Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung betroffen sind. So wurden rund 120’000 Arbeitsstätten aus der Gastronomie, dem Detailhandel, der Kultur-, Unterhaltungs- und Freizeitbranche sowie den persönlichen Dienstleistungen zwangsgeschlossen. Insgesamt betrifft dies eine halbe Million Arbeitnehmende, also rund zehn Prozent aller Beschäftigten. Branchen wie die Beherbergung oder die Luftfahrt mussten den Betrieb zwar nicht schliessen, leiden aber enorm unter den Reisebeschränkungen. Die meisten dieser Wirtschaftszweige haben zudem gemeinsam, dass bei ihnen nur bedingt Nachholeffekte zu erwarten sind. Entsprechend heftig fallen deren Einbussen 2020 aus.

Auch die konjunktursensitive Investitionsgüterindustrie wird überdurchschnittlich stark in Mitleidenschaft gezogen, da die in- und ausländischen Ausrüstungsinvestitionen zurückgehen. Ähnlich ergeht es der Uhrenindustrie, die zu spüren bekommt, dass langlebige Konsumgüter mit Investitionscharakter in der Krise dringenderen Bedürfnissen weichen. Schrumpfen dürften 2020 auch der Bau, das Immobilienwesen und die Konsumgüterindustrie, aber unterhalb des gesamtwirtschaftlichen Mittels.

Daneben gibt es auch vereinzelt Branchen, welche trotz der Krise wachsen. Hier ist zum einen die Pharmaindustrie zu nennen, die von der relativ konjunkturunabhängigen Nachfrage nach Medikamenten profitiert. Auch die Information und Kommunikation expandiert dieses Jahr, weil die ICT-Dienstleister eine wichtige Rolle in der Krisenbewältigung spielen. Letztere dürften auch längerfristig zu den Gewinnern der Krise gehören, da der Lockdown die Digitalisierung des wirtschaftlichen, öffentlichen und privaten Lebens nochmals beschleunigt.

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