Geldsegen aus dem Ausland

Migranten haben 2018 so viel Geld in ihre Heimat überwiesen wie noch nie. Die Schweiz ist eines der wichtigsten Ursprungsländer dieser Rücküberweisungen. Für viele Entwicklungsländer sind Rimessen inzwischen die wichtigste Devisenquelle.

Die neuesten Daten der Weltbank zeigen: Die Schweiz ist top. Sie steht auf Platz vier in der Rangliste der wichtigsten Herkunftsländer für Rimessen. Als Rimessen (auch Remittances genannt) bezeichnet man Bargeld oder Waren, die von Migranten und ausländische Arbeitnehmern in ihre Heimat transferiert werden. Mit den zumeist monetären Rücküberweisungen werden grösstenteils Familien im Ursprungsland unterstützt. Das können Geldbeträge sein, die ein ausländischer Bauarbeiter an Verwandte und Bekannte in übermittelt, oder Überweisungen eines Managers, der in der Schweiz arbeitet. Nur in den USA, den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und Saudi-Arabien überweisen Migranten und ausländische Arbeitnehmer mehr als in der Schweiz.

Die wichtigsten Herkunftsländer für Rimessen (2017)

Quelle: Weltbank (www.knomad.org/data/remittances)

Die Höhe der Rücküberweisungen exakt zu ermitteln, ist schwierig. Die Transfers erfolgen vielfach über informelle Kanäle. Das heisst, die Migranten nehmen beispielsweise die Gelder oder Güter selbst mit, wenn sie ihre Verwandten in der Heimat besuchen. Zudem führen viele Länder nur unvollständige Statistiken zu den grenzüberschreitenden Überweisungen. Die Weltbank schätzt die internationalen Geldtransfers deshalb mit Hilfe von statistischen Modellen.

Wichtige Kapitalquelle

Der Trend ist klar: Seit der Jahrtausendwende sind die weltweiten Rücküberweisungen kräftig gestiegen. Zuzuschreiben ist diese Entwicklung der wirtschaftlichen Liberalisierung, der zunehmenden Migration und der vermehrten Zuwanderung von gut ausgebildeten und somit besserverdienenden Arbeitskräften. Für viele Entwicklungs- und Schwellenländer stellen die Rimessen einen bedeutenden Kapitalzufluss aus dem Ausland dar. Teilweise übersteigen die Rücküberweisungen die ausländischen Direktinvestitionen, die Entwicklungshilfe oder die Portfoliogelder (ausländische Investitionen in lokale Finanzanlagen). Vor allem ist dieser Zustrom eine stabilere Devisenquelle als die Direktinvestitionen und Portfoliogelder.

Die wichtigsten Empfänger von Rücküberweisungen im Jahr 2018

Quelle: Weltbank (www.knomad.org/data/remittances)

Bermerkung: Zu den wichtigsten Empfängerländern gehören auch Länder mit hohem Wohlstand wie Frankreich und Deutschland (nicht in der Grafik aufgeführt). Gemessen am Bruttoinlandprodukt (BIP) sind die Überweisungsströme in diese Länder indes vernachlässigbar.

Gemäss der Weltbank wurden im Jahr 2018 weltweit rund 689 Milliarden US-Dollar überwiesen. Davon flossen rekordhohe 529 Milliarden US-Dollar in Länder mit niedrigem und mittleren Einkommensniveau. Gegenüber 2017 entspricht dies einer Zunahme von 9,6 Prozent. Kräftigen Zuwachs verzeichneten die Rücküberweisungsströme insbesondere in Südasien (+12,3 Prozent) sowie in Europa und Zentralasien (+11,2 Prozent). Begünstigt wurde das Wachstum durch eine bessere Wirtschafts- und Beschäftigungslage in den Vereinigten Staaten. Zudem haben sich die Rücküberweisungen aus den arabischen Golfstaaten und aus Russland erholt.

Weiter aufwärtsgerichtet

In etlichen Entwicklungsländern machen die Auslandsüberweisungen mittlerweile einen Grossteil der Wirtschaftsleistung aus und sind damit zu einer unverzichtbaren Finanzierungsquelle geworden. China ausgeklammert, haben die globalen Rücküberweisungen 2018 erstmals die Summe der ausländischen Direktinvestitionen überstiegen. Insgesamt sind die Remittances bereits mehr als dreimal so hoch wie die Gelder aus der öffentlichen Entwicklungshilfe.
Laut der Weltbank werden die Rücküberweisungen 2019 weiter zunehmen, obwohl sich die Konjunktur in den reichen Industriestaaten eingetrübt hat. Verbesserte Finanzierungskonditionen und höhere Rohstoffpreise federn den Effekt des konjunkturellen Abschwungs ab. Den Ländern mit niedrigem und mittleren Einkommensniveau werden dieses Jahr voraussichtlich rund 550 Milliarden US-Dollar zufliessen. Das sind 4 Prozent mehr als 2018. Damit werden die Rücküberweisungen für diese Länder die grösste Quelle für Auslandsfinanzierungen sein, selbst unter Einbezug der nach China fliessenden ausländischen Direktinvestitionen.

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