Fünf Grafiken zum Energie- und Metallmarkt

Im Zuge der Corona-Pandemie ist die Nachfrage nach Industriemetallen und Öl kräftig gefallen. Der weltweit geringere Rohstoffverbrauch hat teilweise seine guten Seiten: Die Luftqualität hat sich vielerorts verbessert. Dennoch steht uns wohl ein weiterer «heisser Sommer» bevor.

Rund ein Viertel der globalen Warenexporte entfallen auf Rohstoffe. Sie gelten daher als guter Gradmesser für das Weltwirtschaftsklima. Wächst der Welthandel, steigen die Rohstoffnotierungen tendenziell. Und im Umkehrschluss gilt: Eine schwache Weltkonjunktur führt zu einer sinkenden Nachfrage nach Rohstoffen. Dies schlägt sich in tieferen Notierungen nieder. Nachfolgend zeigen wir Ihnen fünf, teilweise nicht alltägliche Grafiken zum Energie- und Metallmarkt, die den Zustand der Weltwirtschaft spiegeln.

Kupfer: Ein interessantes Konjunkturbarometer

Während Rezessionen fallen typischerweise die Öl- und Metallpreise. Einer Studie der Weltbank zufolge traten die bislang stärksten Preisrückgänge während der globalen Rezession von 2009 auf, als die Öl- und Kupfernotierungen innert drei Monaten um etwa 60 Prozent einbrachen. Die Preise der meisten Industriemetalle sind nun erneut gefallen, aber wesentlich weniger stark als die Ölnotierungen und auch weniger kräftig als bei der Finanzkrise.

Zeitweise grosse Rückschläge verzeichneten dieses Jahr Industriemetalle wie Kupfer und Zink. Gegenüber Jahresbeginn sanken sie zwischenzeitlich um etwa 20 Prozent. Metalle sind stark betroffen von der schwächeren Industrienachfrage, insbesondere in China, das beispielsweise für mehr als die Hälfte der globalen Kupfernachfrage verantwortlich ist.

Metallpreise unter Druck

Für 2020 sagten internationale Finanzinstitute ursprünglich ein bedeutsames Kupferdefizit vorher. Nun wird ein Nachfragerückgang von etwa 8 bis 10 Prozent prognostiziert. Derweil ist auch die Verfügbarkeit von Altkupfer zurückgegangen, und Lieferunterbrechungen in Chile und Peru, die zusammen für rund 40 Prozent der weltweiten Kupferminenproduktion verantwortlich sind, haben zu einer angespannten Lage am Konzentratmarkt geführt.

Auf lange Sicht bleibt Kupfer ein gefragter Rohstoff. Das Basismetall wird vielseitig verwendet, unter anderem in Bereichen wie Ausrüstung, Bau, Infrastruktur, Verkehr und Industrie. Zudem durchdringt die Nachfrage vermehrt auch Segmente wie erneuerbare Energien und Elektrofahrzeuge. Daher ist es auch ein viel beachteter Indikator für die Weltwirtschaftslage und die Wendungen des Konjunkturzyklus.

Uran: Das ungeliebte Metall meldet sich zurück

Seit der Fukushima-Katastrophe 2011 in Japan, die zur Schliessung der meisten Kernreaktoren des Landes und zu einem weltweiten Umdenken hinsichtlich der Kernenergie führte, herrschte in der Uranindustrie eine Flaute. In der Folge brach der Uranpreis gegenüber seinen Höchstständen von 2011 um zeitweise bis zu 75 Prozent ein.

Im Zuge der Corona-Krise ist der Preis für Uran in die Höhe geschossen. Seit Jahresbeginn hat sich das radioaktive Metall, das in Kernkraftwerken verwendet wird, um mehr als 30 Prozent verteuert. Angekurbelt wird der Preisaufschwung durch Bergwerksschliessungen. Mehr als ein Drittel der weltweiten Jahresproduktion wurde stillgelegt – und das zu einer Zeit, in der die Nachfrage der Kernkraftwerke relativ stabil bleibt.

Uranpreis schnellt hoch

Nach Angaben der Branchenorganisation World Nuclear Association werden gegenwärtig etwa 55 Reaktoren in 15 Ländern gebaut, insbesondere in China, Indien, Russland und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Über 100 Reaktoren sind in Auftrag gegeben oder geplant, und mehr als 300 weitere in Abklärung. Die meisten derzeit geplanten Reaktoren befinden sich in Asiens schnell wachsenden Volkswirtschaften mit rasch steigender Stromnachfrage. Die Corona-Pandemie könnte jetzt zwar die Planung von kapitalintensiven Projekten hinausschieben. Aber der Bau eines Kernkraftwerks dauert viele Jahre – und etliche Reaktoren sind bereits im Bau.

Während die Nachfrage nach Energie, einschliesslich der Kernenergie, aufgrund der Pandemie einen Schlag erlitten hat, wird erwartet, dass viele Nuklearkraftwerke in Betrieb bleiben. Das liegt daran, dass sich Kohle- und Gaskraftwerke problemloser an- und ausschalten lassen als Kernkraftwerke.

Erdöl: Das Schmiermittel der Weltwirtschaft

Kein Rohstoff hat in jüngster Zeit für mehr Schlagzeilen gesorgt als Öl und dessen Preissturz. Die Nachfrage nach dem schwarzen Gold ist so stark eingebrochen wie noch nie. Denn Reise- und Transportverkehr, die erheblich eingeschränkt wurden, machen gut zwei Drittel der Ölnachfrage aus. Hinzu kommt der vorübergehende Stillstand weiter Wirtschaftsteile. Nach Angaben der Weltbank sank die Ölnachfrage im ersten Quartal um rund 6 Prozent im Jahresvergleich. Die Internationale Energieagentur wiederum erwartet für das zweite Jahresviertel gar einen Rückgang um 23 Prozent.

Schlimmer als in früheren weltweiten Rezessionen (Wert für 2020 basiert auf Schätzungen der Internationalen Energieagentur)

Kurzfristig dürfte der Ölpreis aufgrund des massiven Überangebots und der gleichzeitig knappen Lagerressourcen sehr volatil bleiben, sich ab der zweiten Jahreshälfte aber graduell erholen. Längerfristig könnte die Ölnachfrage indes gebremst werden, weil sich Trends wie Elektroautos und nun auch Home-Office oder Videokonferenzen verstärken dürften, was einen schadstoffärmeren respektive geringeren Reiseverkehr nach sich ziehen würde. Zudem wendet sich die Welt zunehmend erneuerbaren Energien hin, um den Ausstoss von Treibhausgasen zu reduzieren.

Dass Öl und andere fossile Brennstoffe sich in absehbarer Zeit aus der Weltwirtschaft verabschieden, bleibt dagegen Wunschdenken. Denn unser Leben dreht sich um die Energienutzung. In den Vereinigten Staaten etwa erzeugen fossile Brennstoffe 80 Prozent der Energie. Die US-Grossbank Wells Fargo geht davon aus, dass der Anteil der fossilen Brennstoffe an der gesamten US-Energieerzeugung bis 2050 bestenfalls auf 50 Prozent sinken könnte.

Erdöl ist in unserem Alltag schlichtweg allgegenwärtig und weit mehr als nur Treibstoff für Verkehr- und Transportvehikel oder Mittel zur Elektrizitätserzeugung. Erdöl wird verwendet, um Kunst- und Klebstoffe oder Farben und Lacke herzustellen. Es steckt in Kosmetika, Medikamenten, Düngern, Waschmitteln und vielem mehr. Ohne diesen Rohstoff ist die moderne Industriegesellschaft kaum vorstellbar.

Dies gilt insbesondere für die USA, die weltweite grösste Volkswirtschaft, die pro Bürger bei weitem mehr fossile Brennstoffe verbraucht als jedes andere Land. Der durchschnittliche Amerikaner verbraucht pro Jahr etwa 22 Barrel Öl zum Fahren, Heizen usw. Dies entspricht fast dem Doppelten des Weltdurchschnitts.

In den USA wird am meisten Öl verbraucht

Das Klima: «Es wird heiss»

Die Verwendung von Kohle, Öl und Gas als Energiequelle verursacht indes eine erhöhte Konzentration an Treibhausgasen in der Atmosphäre, die zu einer Erhöhung der Temperatur auf der Erdoberfläche beitragen. Daher wird der Klimaschutz immer wichtiger.

Die Ausgangseinschränkungen und die geringere Wirtschaftstätigkeit aufgrund der Corona-Pandemie haben zwar direkte Auswirkungen auf die Luftqualität: So zeigen Satellitendaten beispielsweise einen markanten Rückgang der Stickstoffdioxid-Emissionen. Dennoch führt kein Weg an einer verstärkten ressourcen- und umweltschonenden Energiepolitik vorbei. Der März 2020 war der 423. Monat in Folge, in dem die Temperaturen den globalen Durchschnitt des 20. Jahrhunderts überschritten haben.

Unterwegs zu einem heissen Jahr

Im ersten Jahresviertel lag die globale Durchschnittstemperatur fast 1,2 Grad über dem Durchschnitt des 20. Jahrhunderts.

Wir müssen uns wohl auf einen weiteren «heissen Sommer» gefasst machen. Denn die ersten drei Monate des Jahres 2020 sind gemäss dem National Centers for Environmental Information (NCEI) der amerikanischen National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) die zweitheissesten, die seit 1880 verzeichnet wurden. Letztes Jahr war laut NOAA nach 2016 das zweitheisseste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Die fünf wärmsten Jahre wurden alle seit 2015 verzeichnet.

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