Der verflixte Montag

Montagmorgen, der Wecker reisst Sie aus dem Schlaf. Am liebsten möchten Sie weiterschlafen. Doch eine neue Arbeitswoche steht an. Unter der Morgendusche denken Sie an den bevorstehenden Arbeitsalltag, während im Radio der Achtzigerjahre-Hit «Manic Monday» läuft. Ihre Laune bessert sich keineswegs. Der klassische Montagmorgen-Blues. Auch der Schweizer Börse gelingt der Start in die Handelswoche nur mittelprächtig.

Montags tendieren Aktien oftmals richtungslos oder gar schwächer, der Handel erscheint lustlos. Der Grund für diesen «Montagseffekt» ist ungewiss. Einige Marktbeobachter führen ihn auf die Wiederaufnahme der Arbeitswoche und die Unzufriedenheit der Anleger zu Wochenbeginn zurück. Der Montagmorgenfrust der Marktteilnehmer führe zu einem allgemeinen Pessimismus bei Investitionen, heisst es. Andere erklären sich den Effekt damit, dass Unternehmen enttäuschende Neuigkeiten manchmal am Freitag nach Börsenschluss oder am Wochenende kommunizieren. Zum einen aus der Überlegung, Anlegern mehr Zeit einzuräumen, um schlechte News besser verdauen zu können. Zum anderen in der Hoffnung, die Medienpräsenz und die Aufmerksamkeit der Investoren sei am Wochenende geringer. Unabhängig vom Meldezeitpunkt, am Aktienmarkt sind schlechte News ein Malus und führen in der Regel zu Kursabgaben, sei es am Montag oder an einem anderen Wochentag.

Eine Beobachtung festzustellen ist eine Sache. Sie auch analytisch begründen und erhärten zu können eine andere. Daher sind unsere nachfolgenden Interpretationsversuche mit einer Prise Vorsicht zu geniessen, zumal eine wissenschaftlich fundierte Analyse den Rahmen dieses Blogbeitrags sprengen würde.

Der Montag rehabilitiert sich teilweise

In der nachfolgenden Grafik haben wir überprüft, ob sich der Montags-Blues auch im Kursbild der Schweizer Börse spiegelt. Das Balkendiagramm zeigt, wie sich der Swiss Performance Index (SPI) über drei Zeitperioden an den einzelnen Wochentagen jeweils durchschnittlich entwickelt hat. Von 1990 bis 2018 hat der SPI montags durchschnittlich um 0,001 Prozent zugelegt, seit 2000 ist er beim Wochenstart um durchschnittlich 0,01 Prozent gefallen. Gegenüber anderen Wochentagen hinkt der Montag in einem Langzeitvergleich hinterher. Am besten entwickelt hat sich der SPI jeweils am Mittwoch. Zur Verteidigung des Montags und der Vollständigkeit halber sei indes erwähnt, dass der Montag in den fünf Anlegerjahren von 2014 bis 2018 seinen «schlechten Ruf» zumindest teilweise widerlegt hat.

In der kurzen Frist sticht vor allem der Donnerstag als enttäuschender Börsentag heraus. Ein Stück weit mag dies vielleicht damit zusammenhängen, dass die US-Zentralbank jeweils am Mittwochabend nach Schweizer Börenschluss ihre Sitzungsentscheide kommuniziert – und die Schweizer Notenbank jeweils am Donnerstag. Zudem fällt auf, dass die durchschnittliche Rendite am Freitag über die verschiedenen Zeiträume tendenziell abgenommen hat. Das überrascht insofern, weil der Freitag häufig als guter Börsentag angepriesen wird. Als Erklärungsgrund wird unter anderem angeführt, dass sich die Börsenhändler aufs Wochenende freuen und sie daher bei ihren Anlageentscheiden grundsätzlich optimistischer gestimmt seien. Die schleichende «Abwertung» des Freitags erklären wir uns ansatzweise damit, dass an den Aktienmärkte seit der Jahrtausendwende zwei grosse Börsencrashs stattgefunden haben. Im Zuge dieser Krisen wurden viele wichtige Entscheide seitens der Notenbanker oder der Politiker jeweils übers Wochenende kommuniziert, beispielsweise auch in der Eurokrise von 2011. Im Gegensatz zu früher dürften daher Händler aus Gründen der Risikoaversität am Freitag vermehrt Gewinne realisieren oder Positionen schliessen, ehe sie sich ins Wochenende verabschieden.

An welchem Tag performt die Schweizer Börse am besten?

Quelle: Migros Bank, Bloomberg

Was Sie schon immer ahnten…

Unsere nächste Grafik ähnelt der obigen Darstellung. Statt den durchschnittlichen Tagesgewinn bildet sie aber den Anteil der Handelstage mit einem Indexplus ab. So ist der SPI, gemessen an allen montäglichen Handelstagen seit 1990 bis 2018, in 52,9 Prozent der Fälle gestiegen. Im Quervergleich hält er sich somit ganz ansprechend. Am besten schneidet wiederum der Mittwoch ab, und zwar über alle drei Beobachtungszeiträume. Aus dem Rahmen fällt eigentlich nur der Freitag, dessen Anteil an Gewinntagen seit 2014 gegenüber den beiden längeren Beobachtungszeiträumen zurückgefallen ist.

Mittwochs schliesst der SPI am häufigsten im Plus

Quelle: Migros Bank, Bloomberg

Die Börse ist ein schillerndes Universum – und bietet Raum für allerlei Zahlenspielereien, auch für nicht ganz ernstzunehmende. Abschliessend stellen wir dar, wie sich ein Portfolio entwickelt hätte, wenn ein Anleger sein Kapital stets nur am gleichen Wochentag investiert hätte. Wir gehen davon aus, dass Sie am 8. Januar 1990 ein Anfangskapital von 100 Schweizer Franken in den SPI investiert, zum Tagesschluss verkauft und das verbliebene Investitionskapital erst am nächstfolgenden Handelsmontag reinvestiert hätten. Nach stolzen 1423 Handelsmontagen seit 1990 wäre Ihre Investition bis Ende 2018 auf knapp sagenhafte 101.14 CHF gewachsen (um den Montag nicht zu brüskieren, haben wir die jeweiligen Transaktionsgebühren ausgeklammert). Damit ist nun auch rechnerisch klar, was Sie intuitiv von Anbeginn ahnten: Montag ist nicht Ihr Tag.

Performance des SPI nach Wochentag (1990 bis 2018)

Quelle: Migros Bank, Bloomberg

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