Aufgepasst, Verwechslungsgefahr!

Unerfahrene Privatanleger machen an der Börse Anfängerfehler, die sich häufig vermeiden lassen. Es gibt allerdings auch Fehler, die nicht nur Börsenneulingen passieren und die besonders ärgerlich sind: Man kauft das falsche Wertpapier.

Niemand ist perfekt. Fehler machen ist menschlich. Wie im richtigen Leben gehören Fehler auch an der Börse zum Lernprozess. Vor allem unerfahrenen Börsenneulingen unterlaufen häufig Fehler, die eigentlich vermeidbar sind ­– sei es aufgrund mangelnden Fachwissens oder weil sie sich beim Wertschriftenhandel zu sehr von Emotionen leiten lassen. Typische Anfängerfehler sind beispielsweise: Mangelnde Grundkenntnisse über die wichtigsten Finanzkennzahlen, nachlässige Recherche, keine Anlagestrategie, Selbstüberschätzung, zu kurzer Anlagehorizont, keine Risikostreuung oder Wertpapiere auf Kredit kaufen. Wer solche Fallgruben und Stolpersteine umgeht, hat bessere Erfolgschancen. Verluste lassen sich deshalb zwar nicht ausschliessen, aber das Anlagerisiko wird reduziert.

Gleichermassen betroffen

Es gibt allerdings auch «Handelsfehler», die besonders ärgerlich sind: Die Anleger verwechseln das Wertpapier beziehungsweise das Unternehmen. Solche Verwechslungen kommen weit häufiger vor als gedacht, wie zwei Forscher der amerikanischen Rutgers School of Business-Camden herausgefunden haben. Gemäss ihrer Studie «How Much Do Investors Trade Because of Name/Ticker Confusion?» weist der der Name oder Börsenticker von mehr als der Hälfte aller börsennotierten US-Unternehmen eine hohe Ähnlichkeit mit einer anderen Firma auf, die oft aus einer anderen Branche stammt und eine ganz andere Marktkapitalisierung hat. Diese Ähnlichkeiten sorgen in Anlegerkreisen für Verwechslungsgefahr.

Bei rund 250 Unternehmenspaaren ist den Autoren zufolge das Verwechslungsrisiko hoch. Ein Viertel davon weist gar statistisch signifikante Ähnlichkeiten in den Handelsmustern auf, die nur durch Verwechslungen erklärt werden können. Diese Art von gleichläufigen Kursbewegungen macht beim kleineren der beiden Unternehmen bis zu fünf Prozent der Trades aus – ein Anteil, der laut Studie darauf hinweist, dass nicht nur Privatanleger, sondern auch Finanzprofis «verwirrt» sind und das falsche Wertpapier handeln. Um solch versehentlich getätigte Trades rückgängig zu machen, zahlen Anleger pro Jahr und pro Paar durchschnittlich 1,1 Millionen US-Dollar an Transaktionskosten.

Die falsche Twitter-Aktie

Ein besonders spektakuläres Beispiel für eine solche Verwechslung ist der Fall des insolventen Heimelektronik-Einzelhändlers Tweeter Home Entertainment Group. Am 4. Oktober 2013 schnellten die Titel, die in den USA damals unter dem Börsenticker «TWTRQ» geführt wurden, im Tageshandel zeitweise um mehr als 2000 Prozent hoch.

Verwechslung treibt Penny-Stock

Legende: Tweeter Home Entertainment Group in USD (Tageshandel am 4. Oktober 2013). Quelle: Bloomberg

Was war geschehen? Am Vortag hatte der Kurznachrichtendienst Twitter bei der US-Börsenaufsicht SEC seine Unterlagen für den Börsengang eingereicht. Das auf rund 1 Milliarde US-Dollar dotierte IPO sollte allerdings erst einen Monat später stattfinden. Als Tickersymbol schlug Twitter dabei «TWTR» vor (Tweeters Börsenkürzel vor der Insolvenzanmeldung).

Offenkundig verwechselten damals viele Anleger Twitter mit dem konkursiten Einzelhändler und kauften dessen Penny Stocks: Fast 14,5 Millionen Tweeter-Aktien wechselten ausserbörslich die Hand, ehe der Handel in den Titel eingestellt wurde – obwohl der Twitter-Börsengang noch gar nicht stattgefunden hatte und die Twitter-Aktie somit noch gar nicht gehandelt werden konnte. Am erstaunlichsten an dieser Episode ist der Fakt, dass das «Q» in Tweeters damaligen Börsenkürzel «TWTRQ» anzeigte, dass das Unternehmen in einem Konkursverfahren verwickelt war. Eigentlich hätten das alle Händler und Anleger wissen sollen, besteht doch eine entsprechende Weisung der SEC dazu. Nach diesem Vorfall wurde Tweeters Tickersymbol in «THEGQ» gewandelt.

Nachfolgend führen wir einige Unternehmenspaare auf, bei denen sich gemäss Studie solche Verwechslungstrades gut nachweisen lassen (Unternehmensname/Börsenkürzel):

Ford Motor Company (F)Forward Industries (FORD)
HP Inc. (HPQ)Helmerich & Payne Inc. (HP)
Zions Bancorporation (ZION)Zion Oil (ZN)
R1 RCM (RCM)RCM Technologies (RCMT)
M.D.C. Holdings (MDC)MDC Partners (MDCA)
Phillips 66 (PSX)Phillips 66 Partners Lp (PSXP)

Häufiger als «Fat Finger Trades»

Die beiden Studienautoren merken an, dass die Namens- respektive Tickerverwechslung deutlich häufiger auftritt als das Problem der sogenannten «Fat Finger Trades». Unter einem «Fat Finger Trade» versteht man einen Eingabefehler, bei dem ein Börsenhändler auf der Computertastatur versehentlich die falsche Taste drückt und bei einem Börsenauftrag so wesentlich höhere Beträge umsetzt als beabsichtigt: Statt 100’000 Aktien verkauft er beispielsweise 1 Million Titel. Solche Fehlorder sind besonders spektakulär, weil sie den Markt jeweils umgehend aus dem Gleichgewicht bringen. Diese Pannen können allerdings häufig rückgängig gemacht werden, ohne dass ein grosser finanzieller Schaden entsteht – vorausgesetzt, sie werden schnell genug entdeckt.

Das Problem der Verwechslungsgefahr bei Unternehmenspaaren mit ähnlichem Namen/Ticker zu lösen, ist im Grunde ganz einfach: Wenn Unternehmen ihren Namen oder Ticker änderten, so beobachteten die Forscher, verschwanden jeweils auch die abnormalen Handelsmuster. Und für Anleger gilt: Den Ticker lieber nochmals prüfen, bevor der Kaufauftrag abgeschickt wird.

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1 Kommentar zu Aufgepasst, Verwechslungsgefahr!

  1. Was hier fehlt, ist der Hinweis, dass es sich lohnt Aktien an derjenigen Börse zu kaufen,
    die zu diesem Zeitpunkt offen ist. z.B. Rohstoff Titel von Australischen Unternehmen, die auch in London gehandelt werden. Oder Japanische Aktien die auch in Europa gehandelt werden. Natürlich stellt sich dann noch die Frage des Wechselkurses, was aber z.T. mit entsprechendem Fremdwährungskonto eingrenzen lässt.

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