2018 – das Jahr der Unberechenbarkeit und Unruhe

Die Migros Bank und das Finanzportal finews.ch suchen Ihren Finanzbegriff, der stellvertretend für das laufende Anlage- und Finanzjahr steht. 2018 erwies sich bisher vor allem als ein unruhiges Börsenjahr.

Die Börse ist launisch und unberechenbar. Wie sprunghaft und unbeständig sie mitunter sein kann, zeigte uns der Start ins Anlagejahr 2018 besonders eindrücklich: Hatte sich die US-Börse zu Jahresbeginn noch in Rekordlaune präsentiert, so verkehrte sich die Anlegerstimmung gegen Ende Januar schlagartig ins Gegenteil. An den Aktienmärkten kamen die Kurseinbrüche mehr oder weniger wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Erstmals seit langer Zeit meldete sich dabei die Angst an den Finanzmärkten zurück. An den Weltbörsen schoss die Volatilität im Jahresauftaktviertel zeitweise fulminant nach oben.

Kursgewitter zum Amtsantritt

Ausgelöst wurde das Kursbeben durch Sorgen vor schnell steigenden Zinsen, bedingt durch die fortschreitende Wende in der Geldpolitik der Notenbanken, allen voran in den Vereinigten Staaten. Geschürt wurde die Unsicherheit weiter durch Inflationsängste in den USA, die Furcht vor einem globalen Handelskrieg und die Besorgnis über eine wachsende US-Staatsverschuldung im Zuge der Unternehmenssteuerreform von Präsident Donald Trump. Das Kursgewitter an der Wall Street wurde dabei vermutlich durch automatische Stopp-Loss-Aufträge von Handelsalgorithmen verstärkt.

Weltbörsen im Zeichen der Volatilität
Weltbörsen im Zeichen der Volatilität
Indexiert: 1.1.2018 = 100; in Lokalwährung / Quelle: Bloomberg (Stand: 05.09.2018)

Gleich zu seinem Amtsantritt als neuer US-Notenbankpräsident musste Fed-Chef Jerome Powell denn auch die angespannten Nerven der Anleger beruhigen. Kaum Trost gab es derweil für die Investoren in Kryptowährungen. Nach dem spektakulären Kursrally von 2017 crashten Bitcoin & Co zu Jahresbeginn auf Mutter Erde zurück – und haben sich bis heute von diesem Kurssturz nicht erholt.

Obschon sich die zwischenzeitliche Anlegerpanik an den Aktienmärkten wieder legte, blieb die Unsicherheit an den Börsen eine Konstante. Dazu trug unter anderem die Unberechenbarkeit von US-Präsident Trump bei. Ob China, Europäische Union (EU), Mexiko, Kanada oder die Medien- und Politiklandschaft allgemein – zeitweise schien sich «The Donald» via Kurznachrichtendienst Twitter mit allem und jedem anzulegen. Er schreckte mit seinen Tweets auch nicht davor zurück, selbst die traditionellen Verbündeten der USA vor den Kopf zu stossen.

Während die USA im Handelsstreit mit Mexiko inzwischen zu einer Einigung gekommen sind, haben sich die Fronten zwischen Peking und Washington eher verhärtet – und es ist gut möglich, dass in den chinesisch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen eine weitere Eskalationsstufe mit einer neuen Runde von Strafzöllen oder anderen Gegenmassnahmen bevorsteht. Auch mit Blick auf die EU sind allfällige Sondereinfuhrzölle noch nicht vom Tisch.

Die Schweiz im Rampenlicht

Ein weiterer Unruheherd an den Finanzmärkten war die EU selbst. Dafür verantwortlich waren vor allem die politischen Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Regierungsbildung in Italien, die im zweiten Quartal zeitweise starke Schwankungen an den europäischen Anleihenmärkten und einen Ausverkauf italienischer Staatsanleihen bewirkten. Aber auch die zeitweilige Regierungskrise in Deutschland verunsicherte die Anleger. Zudem sind die Brexit-Verhandlungen zwischen Brüssel und London nach wie vor ohne Ergebnis. Vor diesem Hintergrund erstaunte es nicht, als Mario Draghi an der EZB-Ratssitzung im Juni erklärte, bis mindestens Ende Sommer 2019 die Zinsschraube nicht anziehen zu wollen.

Auch die Schweiz stand zeitweise im Rampenlicht. Denn hierzulande wurde im Juni über die Initiative «Für krisensicheres Geld: Geldschöpfung allein durch die Nationalbank!» abgestimmt. Die Initianten der Vollgeldinitiative plädierten für eine Reform der Geldordnung, die eine radikale Umstellung des Banken- und Finanzsystems in der Schweiz nach sich gezogen hätte. In einem Vollgeldsystem wäre es den inländischen Geschäftsbanken untersagt gewesen, autonom Buchgeld zu schöpfen. Der Vorschlag hätte die Schweizerische Nationalbank (SNB) zur einzigen Quelle für neues Geld gemacht. Die Folgen dieses weltweit einzigartigen Experiments wären für den Schweizer Finanzplatz indes unvorhersehbar gewesen. So erteilte das Stimmvolk der Vollgeld-Initiative mit 75,7 Prozent Neinstimmen eine klare Abfuhr.

Emerging Markets auf der Verliererseite
Emerging Markets auf der Verliererseite
Indexiert: 01.01.2018 = 100; in US-Dollar / Quelle: Bloomberg (Stand: 05.09.2018)

Allen Befürchtungen über einen globalen Handelskrieg zum Trotz tendierte die US-Börse in den Sommermonaten stetig aufwärts und erklomm im August ein neues Allzeithoch. Während an der Wall Street der inzwischen längste Bullenmarkt in der US-Börsengeschichte gefeiert wurde, herrschte in den Emerging Markets teilweise der Börsenblues. Aufgeschreckt wurden die Investoren durch die Währungs- und Zahlungsbilanzkrise in der Türkei. Und mit Blick nach Lateinamerika erinnerte sich wohl manch Anleger an den Evergreen «Don’t cry for me Argentina» aus dem Musical Evita. In Buenos Aires geriet die argentinische Regierung wegen des Peso-Währungsabsturzes von allen Seiten unter Druck.

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